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Vorschau: Oleydong Sithsamerchai vs Kazuto Ioka

WBC-Minimumgewichtstitelträger Oleydong Sithsamerchai reist am Freitag zu seiner siebten Titelverteidigung nach Japan, wo er auf den 21-jährigen Japaner Kazuto Ioka trifft, der in seinem siebten Profikampf bereits seinen ersten Titel gewinnen will.

Der Thailänder Sithsamerchai ist gerade mal vier Jahre älter als sein japanischer Gegner, hat aber im Profibereich einiges mehr an Erfahrung vorzulegen. Mit 17 Jahren gab er schon sein Profidebüt, und hat inzwischen in acht Jahren als Profiboxer schon 36 Kämpfe ansammeln können. Seit April 2007, als er den damals ungeschlagenen Omar Soto in einem Eliminator besiegte, boxt er zudem regelmäßig gegen Weltklassegegner. Sithsamerchais Punktsieg gegen Eagle Kyowa machte ihn zum Weltmeister, und durch konstante Leistungen in den letzten Jahren brachte er sich ins Gespräch um den derzeit besten Minimumgewichtler der Welt. Nachdem Roman Gonzalez die Gewichtsklasse Richtung Halbfliegengewicht verließ gilt der Südafrikaner Nkosinathi Joyi als Nummer Eins der Gewichtsklasse, doch der ebenfalls ungeschlagene Sithsamerchai ist nicht weit dahinter zurück und derzeit wohl die klare Nummer Zwei.

Sein Gegner am Freitag hat sich noch nicht wirklich in die Top 10 vorkämpfen können, hat aber dafür, dass er erst sechs Profikämpfe auf dem Buckel hat ein paar gute Siege vorzuweisen. So schlug er zum Beispiel in seinem dritten Profikampf seinen Landsmann Takashi Kunishige, der erst anderthalb Jahre zuvor um einen Titel im Halbfliegengewicht gekämpft hatte. Im darauf folgenden Kampf besiegte er den deutlich erfahreneren Indonesier Heri Amol, der schon einige Topleute geboxt hatte und sich konstant in der Top 20 der Gewichtsklasse hielt. Dass Ioka so schnell in tiefe Gewässer geschmissen wurde und es nun weiterhin wird, liegt vor allem an seinen Amateurhintergrund. Ioka war achtfacher japanischer Meister im Amateurboxen und häufte einen Kampfrekord von 95 Siegen bei nur 10 Niederlagen an. Ganze 64 seiner Siege sollen dabei vorzeitig zu Stande gekommen sein. Zudem ist er sehr populär im Land der aufgehenden Sonne. Er ist der Neffe vom früheren Halbfliegengewichtsweltmeister Hiroki Ioka und bestritt bereits in seinen frühen Profiauftritten die Hauptkämpfe, während amtierende Weltmeister in Vorkämpfen antraten.

Am Freitag hat Ioka zudem die Chance einen japanischen Rekord zu brechen. Sollte er Sithsamerchai schlagen, würde er den früheren WBC-Bantamgewichtstitelträger Joichiro Tatsuyoshi sowie den früheren WBA-Superfliegengewichtstitelträger Nobuo Nashiro, die beide mit acht Profikämpfen einen Titel erwarben, überholen indem er nur sieben Kämpfe für einen WM-Titel bräuchte. Ioka hat aber nicht nur einen sehr erfahrenen Weltklassemann vor sich, sondern auch noch die Hürde das erste Mal überhaupt im Minimumgewicht anzutreten. Ursprünglich war ein Titelkampf im Halbfliegengewicht geplant und Termine für ein Aufeinandertreffen mit dem ehemaligen WBC-Weltmeister Omar Nino Romero sowie dessen späteren Bezwinger Gilberto Keb Baas waren bereits fest gelegt. Jetzt muss Ioka, dessen niedrigstes Gewicht in einem Profikampf bisher 107 Pfund war, die 105-Pfund-Grenze bringen, und es bleibt abzuwarten, wie sehr ihm das Gewichtmachen zusetzen wird.

Doch auch beim verteidigenden Weltmeister Sithsamerchai, der seit Jahren das Gewicht bringen muss, kann man sich nicht all zu sicher sein, dass er nicht langsam aus der Gewichtsklasse heraus wächst. In seinen letzten drei Titelverteidigungen brach der Thailänder in der zweiten Kampfeshälfte konditionell ein und konnte sich jeweils nur knapp vor Niederlagen retten. Gegen Juan Palacios und Yasutaka Kuroki reichte es jeweils noch zu hauchdünnen Punktsiegen, gegen Pornsawan Porpramook rettete er am Ende dank einer Energieleistung seinerseits in den letzten Runden noch ein Unentschieden, obwohl er völlig erschöpft war. Ob dies auf Probleme das Gewicht zu bringen oder schlicht und einfach auf schlechte Kampfvorbereitung zurückzuführen ist, ist unklar, aber früher oder später wird er wohl dafür bezahlen müssen, wenn er immer wieder in der zweiten Hälfte seiner Kämpfe stark abbaut.

Sein Stil, stets im Rückwärtsgang aus der Distanz heraus zu boxen, kommt ihm sicherlich entgegen, wenn es darum geht konditionelle Schwächephasen zu überstehen, da er dadurch eher selten in offene Schlagabtausche gerät. Zudem kann er sich bis zu einem gewissen Grad diese Einbrüche leisten, da er sich mit seinen schnellen Händen und Beinen in der ersten Hälfte des Kampfes meist einen guten Punktevorsprung herausboxt, während sein Gegner Schwierigkeiten hat ihn zu stellen.

Auch Ioka wird wohl anfangs damit seine Mühe und Not haben. Sithsamerchais Stil ist etwas ungewöhnlich und seine Rechtsauslage könnte für weitere Probleme sorgen, auch wenn Ioka schon einige Rechtausleger im Profibereich geboxt hat. Der Japaner geht normalerweise nach vorne und übt Druck aus, ist aber meiner Meinung nach nicht schnell genug auf den Beinen um Sithsamerchai in den ersten Runden all zu oft stellen zu können. Zudem ist sein Jab noch nicht gut genug um sich immer wieder den Weg in die Nahdistanz zu bahnen. Kommt er allerdings in diese, was ab den mittleren Runden verstärkt der Fall sein dürfte, könnte es ungemütlich für Sithsamerchai werden. Ioka schlägt eindeutig härter als der Thailänder, der nahe am Mann meist nur ineffektive schnelle Salven abfeuert, hinter denen kaum Schlagkraft steckt. Ioka hingegen hat als physisch stärkerer Mann in solchen Situationen klar den Vorteil und muss sie daher konsequent suchen.

Ich denke, wie gesagt, dass Sithsamerchai sich, wie so oft, einen frühen Vorsprung auf den Punktkarten erarbeiten wird, aber später im Kampf wieder große Probleme bekommen könnte. Ioka ist für mich der Talentiertere der Beiden, aber Sithsamerchai hat zweifelsohne deutlich mehr Erfahrung, die ihm zu Hilfe kommen wird, wenn Ioka gegen Ende die Oberhand haben sollte. Ich erwarte einen sehr engen Kampf, in dem Iokas Punch spät im Kampf den Unterschied machen könnte. Zwar glaube ich nicht unbedingt, dass Ioka per KO gewinnen wird, aber ein, zwei Niederschläge halte ich für durchaus möglich, und glaube, dass diese am Ende den Ausschlag für einen knappen Punktsieg für den Herausforderer geben werden.

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