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Vorschau: Nonito Donaire vs Wilfredo Vazquez Jr.

Der sportlich gesehen interessanteste Kampf der Boxveranstaltung in San Antonio am Samstagabend findet wohl im Superbantamgewicht statt. Obwohl der Kampf um den vakanten WBO-Titel zwischen Superstar Nonito Donaire und Wilfredo Vazquez Jr. nur im Vorprogramm der Titelverteidigung des immens populären Julio Cesar Chavez Jr. stattfindet, ist er wohl für die meisten Boxfans interessanter als ebendiese.

Nonito Donaire gilt zurzeit gewichtsklassenübergreifend als einer der besten Boxer der Welt. Der 29-jährige Philippine ist mit Ausnahme seines zweiten Profikampfes noch ungeschlagen und hat einen eindrucksvollen Weg durch die Gewichtsklassen hingelegt. Seinen Durchbruch schaffte er 2007 mit einem schockierenden KO-Sieg über Vic Darchinyan, der zu dieser Zeit die unteren Gewichtsklassen terrorisierte. Durch diesen gewann Donaire zudem seinen ersten Titel, den IBF-Gürtel im Fliegengewicht. Diesen verteidigte er drei Mal erfolgreich durch KO gegen Luis Maldonado, Raul Martinez sowie den heutigen IBF-Fliegengewichtsweltmeister Moruti Mthalane. Es folgte der Aufstieg ins Superfliegengewicht, wo er den Interimstitel der WBA gegen Luis Concepcion gewann bevor er diesen gegen Hernan Marquez verteidigte. Marquez hat sich inzwischen zum WBA-Fliegengewichtsweltmeister gemausert. Die Herausforderungen im Superfliegengewicht schienen Donaire nicht zu reichen, und da er sowieso immer groß für seine Gewichtsklasse gewesen war, stieg er Ende 2010 erneut auf. Im Bantamgewicht besiegte er erst Ex-Weltmeister Wladimir Sidorenko in vier Runden ehe er auf den vereinigten Weltmeister Fernando Montiel traf, der seinerseits ebenfalls auf dem Sprung zum wirklichen Star war. Donaire schlug ihn bereits in der zweiten Runde brutal KO und erhöhte damit seinen Bekanntheitsgrad und sein Ansehen in der Boxszene noch einmal um ein Vielfaches. Zuletzt verteidigte er die WBC- und WBO-Gürtel gegen Superfliegengewichtschamp Omar Narvaez erfolgreich nach Punkten. Der Kampf war extrem zäh und langatmig, was allerdings vor allem an den negativen Taktiken von Narvaez lag, der es mehr darauf angelegt zu haben schien den Kampf möglichst unbeschadet zu überstehen anstatt zu versuchen den Sieg einzufahren. Obwohl im dicht besiedelten Bantamgewicht mit Abner Mares, Joseph Agbeko, Anselmo Moreno, Yonnhy Prez, Jorge Arce oder auch Ex-Gegner Vic Darchinyan interessante Namen auf ihn warten würde, entschied sich Donaire erneut eine Gewichtsklasse hoch zu klettern und dort seine Ankunft mit einem Kampf gegen Ex-Weltmeister Wilfredo Vazquez Jr. anzukündigen.

Vazquez Jr., der der Sohn des Bantam-, Superbantam- und Federgewichtsweltmeisters aus den späten Achtzigern und neunziger Jahren ist, bewies sich Jahre lang als einer der besseren Boxersöhne. Nachdem er Anfang 2010 Marvin Sonsona im Kampf um den vakanten WBO-Titel im Superbantamgewicht schlug, proklamierten ihn viele Experten sogar als besten derzeitigen Boxer mit einem berühmten Boxervater, als besten „Junior“. Wilfredo Jr. schien auch tatsächlich einiges an Talent und Willen zu besitzen. Seine ersten beiden Titelverteidigungen beendete er vorzeitig, als er Zsolt Bedak und Ivan Hernandez jeweils stoppte. Er machte sich sogar einen Namen als vielleicht bester Mann in einer zu der Zeit zugegebenermaßen eher schwach besetzten Gewichtsklasse. Doch mit einem Kampf brach das dann zusammen. Jorge Arce, der sich seit 2001 auf Titeljagd vom Halbfliegengewicht aufwärts befindet und vor drei Monaten tatsächlich der erste Mexikaner war, der Titel in fünf verschiedenen Gewichtsklassen gewinnen konnte, wollte gegen Vazquez seinen vierten Titel gewinnen und schaffte dies überraschend auch. Vazquez bestimmte den Kampf anfangs wie erwartet und schickte Arce in der vierten Runde sogar zu Boden, doch der unermüdliche Druck, den der Mexikaner ausübte, zahlte sich spät aus, als Vazquez immer erschöpfter wurde und schließlich in der letzten Runde von unerbittlichen Arce gestoppt wurde.

Nonito Donaire ist der um einiges talentiertere Boxer der beiden und seine derzeitige Form ist unglaublich, weshalb er auch als klarer Favorit für den Kampf am Samstag gehandelt wird. Er ist technisch stark, hat ein sehr gutes Auge und wahnsinnig schnelle Hände. Zudem scheint er seine enorme Schlagkraft bisher komplett die Gewichtsklassen mit hoch genommen zu haben, was alles andere als selbstverständlich ist. Trotzdem liegen dieses Mal nicht alle Vorteile bei ihm. Zum vielleicht ersten Mal in seiner Karriere oder zumindest seit dem Darchinyan-Kampf trifft er auf einen körperlich gleichwertigen Gegner. Alle seine letzten Opfer waren nicht nur kleiner, sondern vor allem auch physisch schwächer als er. Wilfredo Vazquez Jr. hingegen wird ihm in dieser Hinsicht das Wasser reichen können. Beim Einwiegen wurde zwar deutlich, dass Donaire tatsächlich auch Vazquez noch um ein paar Zentimeter überragt, doch der Puertoricaner ist Donaire insgesamt körperlich wohl ebenbürtig. Zudem ist er auch ansonsten ein rundum sehr solider Boxer. Er hat recht schnelle Hände, ist technisch versiert und arbeitet sehr gut zum Körper, was gegen Donaire wichtig sein wird um den Schnelligkeitsunterschied zu neutralisieren. In den zwei Kämpfen, die er nicht gewann, wurde jedoch eine große Schwäche von ihm aufgedeckt. Sowohl gegen Arce, der ihn spät ausknockte, als auch früh in der Karriere gegen Jorge Cardenas, wo der Kampf Unentschieden endete, hatte Vazquez Jr. arge Probleme mit dem Druck des Gegners.

Nonito Donaire ist zum Glück für Vazquez kein gewöhnlicher Pressure Fighter. Vielmehr ist er ein vielseitiger Boxer-Puncher, der jedoch bevorzugt auf Fehler des Gegners wartet um diese abzukontern. Gerade deshalb tat er sich auch so schwer gegen Omar Narvaez einen attraktiven Kampf abzuliefern, da der Argentinier kaum Risiken nahm und Donaire damit kaum Öffnungen präsentierte. Die Gefahr eines unattraktiven Kampfes am Samstag dürfte aber gering sein. Denn Vazquez wird wohl vermutlich selber die Offensive suchen. Er liefert die beste Arbeit in der Halbdistanz, wo er seine Schläge ordentlich in den Körper des Gegners bohren kann und ihn mit seiner Phsysis erdrücken kann. Gegen Donaire wird das Problem wohl darin bestehen in ebendiese Halbdistanz zu kommen. Der Philippine besitzt leichte Reichweitenvorteile sowie die schnelleren Häden und exzellentes Timing. Dies sollte ihm ermöglichen Vazquez beim Hereinkommen abzufangen und generell mit seinem guten Jab auf Distanz zu halten. Vazquez wird bereit sein müssen ein wenig Prügel einzustecken um sich die gewünschte nähere Distanz zu erkaufen, und auch wenn er ein gutes Kinn besitzt, ist es ein wenig fraglich, wie er das mental wegstecken wird, zudem auch ein Niederschlag bei einem guten harten Treffer von Donaire jederzeit denkbar ist.

Nonito Donaire ist sicherlich nicht unschlagbar, auch wenn er zuletzt wirklich sensationell aussah. Wilfredo Vazquez Jr. erinnert stilistisch entfernt an Rafael Concepcion, der Donaire 2009 das Leben extrem schwer machte und mit ihm über die Distanz ging. Donaire litt wohl in diesem Kampf an einer Handverletzung, dennoch zeigte Concepcion ein paar Mittel auf, wie man Donaire durchaus beikommen könnte. Auch Moruti Mthalane gelang es ein Jahr zuvor nach ein paar Runden sich Donaire ein wenig zu Recht zu legen und auszuboxen ehe er aufgrund eines Cuts aus dem Kampf genommen wurde, als er gerade aufkam.

Doch auch wenn Donaire schon ein paar Löcher in seiner Rüstung offenbarte und Vazquez Jr. körperlich mit ihm in einer Liga spielt, fällt es schwer dem Puertoricaner hier eine gute Chance zu geben. Die extrem schnellen Hände gepaart mit der Präzision, mit der Donaire agiert und seiner Schlagkraft machen ihn einfach zum klaren Favoriten für Samstag. Der Stil von Vazquez wird ihm anfangs möglicherweise einige Probleme bereiten und vor allem für einen zuschauerfreundlichen Kampf sorgen, doch alles andere als ein Sieg für Donaire am Ende wäre doch eine faustdicke Überraschung. Ich glaube sogar, dass Donaire Vazquez über die Zeit weich genug klopfen wird um ihn um die zehnte Runde herum zu stoppen.

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2 Kommentare

  1. Ferenc H
    4. Februar 2012 at 15:48 —

    Guter Artikel Benjamin nur ein kleiner Fehler: “wo er den Interimstitel der WBA gegen Luis Concepcion gewann “..nicht luis sondern Rafal.

    Mfg

  2. menderes
    4. Februar 2012 at 16:20 —

    Doniare sieht aus wie ein pokemon names pikaqu

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