Vorschau: Mikkel Kessler vs Allan Green

Nach Verletzungsproblemen und dem erzwungenen Ausstieg aus dem Super-Six-Turniers versucht der dänische Ex-Weltmeister Mikkel Kessler nun sein Glück im Halbschwergewicht. In seinem ersten Kampf dort boxt der 33-Jährige um den vakanten Silbergürtel der WBC. Sein Gegner in Kopenhagen ist dabei der US-Amerikaner Allan Green, der seinerseits als Ersatz für Jermain Taylor ins Super-Six eingesprungen war.

Taylor hatte im Januar 2010, nach der KO-Niederlage gegen Arthur Abraham seinen Ausstieg aus dem Turnier bekannt gegeben, und Allan Green stand schnell als Ersatz für ihn fest. Green hatte zu dem Zeitpunkt 29 Siege und nur eine Niederlage gegen Edison Miranda auf dem Konto stehen. Als Erstes musste er gegen Andre Ward ran, der kurz zuvor Mikkel Kessler überraschend und klar geschlagen hatte. Green war überfordert gegen seinen jungen ungeschlagenen Landsmann und verlor jede Runde auf allen drei Punktkarten in einem einseitigen Gefecht. Es sollte der Vorrundenkampf mit Mikkel Kessler folgen, doch Kessler stieg bald darauf ebenfalls aus dem Turnier aus, da seine Augenverletzung, die aus dem Kampf mit Ward stammte, sich nicht genug verbessert hatte. Stattdessen traf Green damit auf Glen Johnson, der für Kessler eintrat, und wieder bot Green eine enttäuschende Leistung. Zwar agierte er besser als noch gegen Ward, doch war im Grunde stets Johnson unterlegen und wurde schließlich von dem 41-jährigen Jamaikaner in der achten Runde gestoppt. Das bedeutete das Turnieraus für Green, welcher daraufhin sein Glück im Halbschwergewicht suchte und dort seitdem Siege gegen Craig Gandy und Sebastien Demers feierte.

Mikkel Kessler hat schon einiges mehr in seiner Karriere erreicht als Allan Green. Bereits 2004 wurde er Supermittelgewichtsweltmeister und verteidigte den Titel daraufhin vier Mal erfolgreich, währenddessen er ihn noch vereinigte. Im größten Supermittelgewichtskampf bis dato unterlag 2007 Joe Calzaghe nach Punkten, doch gleich im nächsten Kampf holte er sich wieder einen WM-Titel. Als das Super-Six-Turnier bekannt gegeben wurde, ging der Däne als großer Favorit in das Turnier, musste jedoch gleich im ersten Kampf gegen den jungen ungeschlagenen US-Amerikaner Andre Ward heran. Ward gelang die Sensation indem er Kessler ausboxte und schließlich deutlich nach Punkten in einer technischen Entscheidung bezwang. In seinem zweiten Turnierkampf traf er auf den englischen WBC-Weltmeister Carl Froch und lieferte sich mit ihm im April 2010 den wohl zuschauerfreundlichsten Kampf des Turniers. Am Ende fügte Kessler Froch dessen erste Profiniederlage zu, als der Däne zu Hause einen ausgeglichenen Kampf knapp nach Punkten gewann. Eine Augenverletzung sowie später eine Handverletzung ließen ihn in der Folge nicht nur aus dem Turnier aussteigen und Kämpfe gegen Allan Green und Robert Stieglitz platzen, sondern hielten ihn auch für sehr lange Zeit aus dem Ring. Seit dem Kampf mit Froch, der vor über zwei Jahren stattfand, stand Kessler lediglich sechs Runden mit Aufbaugegner Mehdi Bouadla im Ring.

Diese Auszeit wirft natürlich Fragen über seinen derzeitigen Leistungsstand auf. Zu seinen besten Zeiten war Kessler stets ein exzellenter Boxer-Puncher der europäischen Schule. Zwar etwas unbeweglich und robotisch wirkend überzeugte der Däne durch sehr gute Technik, starkem Punch, einem eisenharten Kinn sowie unbändigen Willen. Er war schon immer mehr für seine Offensive bekannt, und 33 KO-Siege sprechen auch ihre eigene Sprache, doch die vielen Treffer, die er gegen Ward und Froch schlucken musste, ließen einige seine defensiven Qualitäten doch vermehrt in Frage stellen.

Allan Green sah oft gegen unterdurchschnittliche Gegner fantastisch aus. Er bringt schnelle Hände, enorme Schlagkraft, ein gutes Auge für Konter und einen unangenehmen Stil mit sich, doch die Jahre haben gezeigt, dass er das gegen die Weltspitze einfach nicht umzusetzen können scheint. Zudem ist er viel zu leicht zu treffen und besitzt zwar ein ordentliches Kinn, aber kein überragendes, das seine Deckungsmängel komplett übertünchen könnte.

Zwei Fragezeichen stehen hinter Mikkel Kessler. Wie sehr haben ihn die Verletzungen und die lange Auszeit geschadet, und wie wird ihm der Aufstieg ins Halbschwergewicht bekommen, nachdem er seine gesamte Karriere im Supermittelgewicht verbracht hat? Wenn er wenig Ringrost angesetzt hat und an alte Leistungen anknüpfen kann und zudem die zusätzlichen Kilos gut ansetzt, führt an ihm in diesem Kampf sicherlich kein Weg dran vorbei. Er ist boxerisch besser als Green und sollte keine Schwierigkeiten haben diesen sauber zu treffen. Besonders die rechte Gerade dürfte immer wieder beim US-Amerikaner einschlagen. Zudem besitzt er die Power um Green auszuknocken.

Auf der anderen Seite schlägt Green zwar sehr hart, doch nachdem Kessler schon durch die Bomben von Carl Froch durch spaziert ist, kann ich mir kaum vorstellen, dass Green ihn KO schlagen wird. Nach Punkten wird es für ihn ohnehin schwer, da er meist zu inaktiv ist und selber zu viele Treffer kassiert.

Sollte Kessler nicht in Topform sein, was durchaus vorstellbar ist, könnte Green ihm sicherlich ein paar Probleme bereiten, doch auch dann sehe ich den Dänen noch vorne. Ein Sieg sollte Pflicht sein für Kessler, mit einem KO-Sieg könnte er sogar ein Ausrufezeichen setzen und seine Ankunft im Halbschwergewicht ankündigen. Als Träger des Silbergürtels der WBC wäre er immerhin dann theoretisch Pflichtherausforderer von WBC-Weltmeister Chad Dawson.

15 Gedanken zu “Vorschau: Mikkel Kessler vs Allan Green

  1. Äh, welche zusätzlichen Kilos? Es ist doch offensichtlich, dass Sauerland Kessler dazu zwingt ins LHW zu wechseln, damit Abraham im SMW möglichst leicht an einen WM-Titel kommt. Nicht besonders gut analysiert!

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