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Vorschau: Mike Dallas Jr. vs Javier Castro

Bei der dieswöchigen Ausgabe von ESPN 2s „Friday Night Fights“ treffen im Hauptkampf die beiden Halbweltergewichtler Mike Dallas Jr. und Javier Castro aufeinander. Das Duell zwischen dem US-Amerikaner und dem Mexikaner, das es dem Sieger ermöglicht ein ganz klein wenig an der Tür zur erweiterten Weltspitze anzuklopfen, ist stilistisch ein klassisches Aufeinandertreffen zwischen Boxer und Puncher.

Nach einer guten Amateurkarriere galt Mike Dallas Jr. von dem Moment an, als er 2008 ins Profilager wechselte, als Talent, das man auf dem Zettel haben sollte. Der junge Kalifornier hielt sich im Ring zunächst auch schadlos, auch wenn er meist nicht glänzte, und machte nebenbei als Sparringspartner von Manny Pacquiao auf sich aufmerksam. Seine beste Leistung als Profi legte Dallas im Juli 2010 hin, als er den zuvor ungeschlagenen Lanard Lane auspunktete, doch seitdem wartet der inzwischen 25-jährige auf ähnlich gute Resultate. Neben drei Siegen gegen durchschnittliche Gegner stehen nämlich seitdem auch seine ersten beiden Niederlagen auf seinem Kampfrekord. Anfang 2011 war Josesito Lopez, welcher Dallas in sieben Runden stoppte, zu gut für ihn, nur fünf Monate später unterlag er auch Mauricio Herrera, dieses Mal knapp nach Punkten.

Auch Javier Castro musste schon einige Niederlagen hinnehmen, obwohl er noch nicht auf dem Niveau von Dallas Jr. geboxt hat. Der Mexikaner, der 2004 sein Profidebüt gab, verlor vier seiner einunddreißig Profikämpfe, und unterlag auch seinen besten beiden Gegnern, Antonio und Ameth Diaz. Einen Boxer vom Kaliber Mike Dallas Jr. konnte Castro bisher noch nicht besiegen, doch immerhin ist er momentan seit drei Kämpfen ungeschlagen.

Castros Rolle in diesem Kampf ist ganz klar die des Punchers. Der 28-Jährige fuhr 22 seiner 27 Siege vorzeitig ein, und sein kompletter Stil ist darauf ausgerichtet seine Schlagkraft möglichst gut auszunutzen. Castro sucht normalerweise den Vorwärtsgang und übt steten Druck auf seinen Gegner aus, wobei er mit vereinzelten rechten Geraden seinen Weg in die Halbdistanz sucht. Sobald er dort in Schlagdistanz ist, lässt er seine Fäuste so richtig fliegen und sucht mit teilweise etwas wilden linken und rechten Haken zu Kopf und Körper den KO.

Mike Dallas Jr. hingegen lebt hauptsächlich von seinen sehr schnellen Händen. Er ist technisch gut ausgebildet, besitzt einen sehr guten Jab, jedoch kaum Schlagkraft und eher mittelmäßige Nehmerfähigkeiten. Aus der Distanz heraus boxt er effektiv, doch sobald es in die Halbdistanz geht, hat er normalerweise einige Probleme.

Wie so oft beim Kampf zwischen klassischem Boxer und Puncher, wird die Distanz, auf der der Kampf ausgefochten wird, entscheidend sein. Der hervorragende Jab von Dallas Jr. sollte aus der Distanz zu viel für Castro sein, dessen eigener Jab eher langsam und unpräzise ist. Dallas besitzt die um Längen schnelleren Hände und auch Füße, und wird diesen Vorteil voll ausnutzen möchten. Für ihn gilt es sich klug durch den Ring zu bewegen und aus der Distanz heraus hinter dem Jab Castro klassisch auszuboxen.

Javier Castro wird auf der anderen Seite immer wieder die Distanz verkürzen müssen, wenn er als Sieger den Ring verlassen möchte. Dabei gilt es für ihn einerseits seinen Kopf mehr zu bewegen als gewöhnlich um kein statisches Ziel für den Jab von Dallas zu bieten, und andererseits den Ring abzuschneiden. Castro kann Dallas Jr. das Leben schwer machen, wenn er Druck ausübt, doch dafür muss es intelligenter Druck sein, da ihm Dallas, welcher schneller auf den Beinen ist, sonst stets davon laufen könnte. In der Halbdistanz kann Castro dann seine höhere Workrate und seine gute Arbeit zum Körper ausspielen und Dallas zum einen auspunkten und zum anderen zermürben.

Ich glaube jedoch, dass Mike Dallas in der Lage sein sollte den Kampf zu gewinnen. Er ist deutlich athletischer und hat eigentlich das Können den Kampf aus der Distanz heraus zu führen. Castro hat einen Stil, der ihm grundsätzlich nicht so liegt, aber der Mexikaner wurde schon von deutlich schlechteren Gegnern als Dallas Jr. deutlich ausgepunktet. Der Kampf ist auf zwölf Runden angesetzt, und keiner der beiden Boxer ist diese Distanz je gegangen. Es könnte jedoch ein Vorteil für Castro sein, da Dallas Jr. derjenige ist, der sich die ganze Zeit bewegen muss um seinen Kampf zu führen. Möglicherweise könnte Castro also davon profitieren, dass Dallas Jr. in den letzten Runden konditionell einbrechen könnte, doch nichtsdestotrotz glaube ich, dass die boxerische Klasse vom US-Amerikaner sich am Ende durchsetzen wird und er einen verdienten Punktsieg einfahren wird.

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