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Vorschau: Manny Pacquiao vs. Antonio Margarito

Der Fokus der Boxwelt liegt dieses Wochenende zweifelsohne auf dem Kampf von Superstar Manny Pacquiao. Samstagnacht tritt er im Cowboys Stadium in Dallas gegen Antonio Margarito in den Ring. Auf dem Spiel steht der vakante WBC-Titel im Halbmittelgewicht, obwohl der Kampf in einem Catchweight von 150 Pfund, und damit näher am Weltergewicht als am Halbmittelgewicht statt, was für viel berechtigte Kritik sorgte, aber an dieser Stelle keine weitere Erwähnung finden soll.

Manny Pacquiao boxt somit in seinem bisher höchsten Gewichtslimit, nachdem er in seinem letzten Kampf gegen Joshua Clottey mit 145 ¾ Pfund bis dato am höchsten in seiner Karriere einwog. Antonio Margarito hingegen macht seinen zweiten Kampf in Folge über dem Weltergewichtslimit, und wog auch bereits früh in seiner Karriere mehr als 147 Pfund. Vor sechs Jahren hatte er im Halbmittelgewicht bereits sogar einen Titelkampf, unterlag aber Daniel Santos in einer knappen technischen Puntkentscheidung. Margarito ist eindeutig derjenige, der von Natur aus eher in die Gewichtsklasse passt, während Manny Pacquiao vom Körper her zurzeit wohl am ehesten ins Halbweltergewicht passen würde. Und dieser gravierende körperliche Vorteil für den Mexikaner ist der Hauptgrund, warum der Kampf für viele Fans und Experten überhaupt ein wenig Spannung verspricht.

Denn vom Boxerischen her ist die Sache klar: Manny Pacquiao gilt nicht umsonst als Pound-For-Pound bester Boxer derzeit. Er ist unheimlich schnell, sowohl mit den Fäusten als auch auf den Beinen, besitzt trotz seines rasanten Gewichtsklassenaufstiegs eine auch für das Weltergewicht sehr gute Schlagkraft, und hat sich technisch in den letzten Jahren um Welten verbessert. Seit dem zweiten Kampf gegen Juan Manuel Marquez scheint sich ein Schalter bei ihm umgelegt zu haben und inzwischen ist er weit von dem einhändigen wilden Slugger, der er im Superbantamgewicht war, entfernt. Seine Rechte ist heute genau so gut wie seine Linke, seine Kombinationen sind um einiges flüssiger, seine Taktik durchdachter, seine Beinarbeit kultivierter und seine Defensive weniger löchrig. Zudem benutzt er verschiedene Winkel so effektiv wie wahrscheinlich kein anderer Boxer derzeit.

Antonio Margarito auf der anderen Seite war noch nie für sein boxerisches Können bekannt. Seine Fäuste sind eher durchschnittlich schnell, für einen Topmann sogar eher langsam, seine Beinarbeit eher behäbig, seine Technik eher bescheiden und seine Defensive besteht darin die Schläge mit seinem Eisenschädel zu blocken. Doch seine enormen Nehmerfähigkeiten, sein eiserner Wille und sein zermürbender Stil haben ihm eine beeindruckende Karriere beschert. Sein größter Sieg, als er Miguel Cotto vor zwei Jahren dessen erste Niederlage zufügte, stellte seinen Boxstil exzellent zur Schau. Ungefähr die ersten sechs Runden schluckte er unzählige von Cottos Bomben, marschierte aber durch sie durch um hier und da ein paar Treffer selber zu landen. Mit zunehmender Dauer wendete sich das Blatt aber, und Margarito traf mehr und mehr, während Cottos Aktivität nachließ. In der elften Runde hatte er schließlich den Willen des Puertoricaners gebrochen und stoppte seinen hilflosen Gegner. Der Handbandagenskandal im darauf folgenden Mosleykampf schürte zwar Zweifel an der Legitimität des Siegs über Cotto, doch als Musterbeispiel für Maragritos Art von Kampf kann er trotzdem definitiv gelten.

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Die große Frage ist, ob Antonio Margarito ähnliches gegen Manny Pacquiao wiederholen kann. Was passiert, wenn Runde um Runde Pacquiaos beste Schläge an Margaritos Kopf wirkungslos abprallen und dieser Pacquiao immer mehr stellen kann? Margarito ist elf Zentimeter größer als Pacquiao und wird am Kampfabend vermutlich circa 15 Pfund schwerer sein. Wie wird sich dieser immense körperliche Vorteil auf den Kampf auswiegen? Wird Antonio Margarito in den hinteren Runden nach einer langen physischen und psychischen Zermürbung die Kontrolle übernehmen? Doch nach Margaritos letztem Kampf stellt sich auch noch eine weitere Frage: Wird Margarito überhaupt seinen üblichen Stil boxen?

Am 8. Mai dieses Jahres gab Margarito sein Comeback nach der desaströsen KO-Niederlage gegen Shane Mosley. In einem zehnründigen Kampf gegen Roberto Garcia siegte er über die Punkte und bestritt seinen ersten Kampf unter seinem neuen Trainer Robert Garcia. Margarito präsentierte sich in dem Kampf mehr als klassischer Boxer als als Zermürber und Brawler. Zwar gewann er den Kampf problemlos nach Punkten, sah dabei aber alles andere als gut aus und offenbarte seine Defizite im boxerischen Bereich. Sollte diese Art zu Boxen mehr als ein Experiment gewesen sein und sollte Robert Garcia versuchen Margarito zu einem „klassischen Boxer“ umzuerziehen, wird er gegen Manny Pacquiao noch mal deutlich weniger Chancen haben als ihm sowieso schon gegeben werden.

Aber auch wenn er seinen erfolgreichsten und effektivsten Stil boxt, und versucht Manny Pacquiao langsam, aber beharrlich zu zermürben, sehe ich für ihn am Samstag keine wirkliche Chance. Wie wohl alle erwarte ich, dass Pacquiao die Anfangsrunden klar bestimmt, aber im Gegensatz zu vielen kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das im Laufe des Kampfes ändert. Manny Pacquiao ist einfach viel zu gut für Antonio Margarito. Seine schnellen Hände werden nur so einprasseln auf den Mexikaner, und das aus so verschiedenen und unorthodoxen Winkeln, dass Margarito sie kaum sehen wird. Margarito wird trotz Pacquiaos Schlagkraft keinen Respekt vor dessen Punch haben und wild entschlossen vorwärts marschieren. Dabei fehlt ihm allerdings die nötige Geschwindigkeit um den flinken Philippino stellen zu können. Pacquiao wird von Trainer Freddie Roach wohl eingebläut bekommen, dass er sich unter keinen Umständen an den Seilen stellen lassen darf, und das sollte ihm eigentlich, auch wenn er eine leichte Tendenz dazu hat, dank seiner deutlich schnelleren Beine gelingen. Damit egalisiert er gleichzeitig eine von Margaritos größten Stärken, seine immense Workrate. In seinem Kampf gegen Joshua Clottey brach Margarito mit 1675 Schlägen den CompuBox-Rekord für die meisten Schläge, doch wenn er Pacquiao hinterher trotten muss und bereits mit dem ersten Schlag nur Luft trifft, wird er es schwer haben Kombinationen zu schlagen, und sollte damit eine deutlich geringere Aktivität an den Tag legen.

Meiner Meinung nach liegt es ausschließlich an Manny Pacquiao wie der Kampf ausgeht. Macht er den Fehler sich zu oft stellen zu lassen, macht er sich das Leben selber schwer und sorgt für einen engen Kampf, den er aber trotzdem auch dann gewinnen sollte. Boxt er zu sehr auf Sicherheit wird er in einem eher höhepunktarmen Kampf einen einseitigen Punktsieg einfahren, geht er aber mit überschaubarem Risiko rein und raus ohne dabei zu scheuen ein paar Treffer seinerseits zu kassieren halte ich sogar einen KO-Sieg für ihn für sehr möglich. Margarito besitzt ein absolutes Eisenkinn, kann aber gefällt werden, was Shane Mosley zeigte, und ist möglicherweise durch einige harte Gefechte und die Cotto- und Mosleykämpfe bereits etwas „weich geklopft“. Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass ein Einzelschlag den Mexikaner ins Wackeln bringen kann, aber die Anhäufung von guten Treffern über mehrere Runden könnte durchaus zu einem KO oder einen Abbruch führen. Mein persönlicher Tipp wäre ein Abbruchsieg für Manny Pacquiao so um die zehnte oder elfte Runde herum, aber bei nur ein wenig zu viel Scheu vor seinem physisch überlegenen Gegner dürfte ein deutlicher Punktsieg herausspringen.

Wie auch immer, alles andere als ein Sieg für Manny Pacquiao wäre eine Riesenüberraschung. Daran ändert auch das stetige Betonen eines schlechten Trainingscamps im Vorfeld nichts. Von Freddie Roach und auch vom weiteren Umfeld von Pacquiao war in den letzten Wochen häufig von allen möglichen Problemen zu hören, doch wenn auch bestimmt ein Kern Wahrheit drin steckt, halte ich das größtenteils für Promo für den Kampf, der den Zuschauern durch einen unfokussierten Superstar als ausgeglichener und spannender dargestellt werden soll als er es wirklich ist. Manny Pacquiaos Schnelligkeit und seine Fähigkeit Winkel zu finden und sie zu nutzen werden der große Unterschied in dem Kampf am Samstag sein und ihm einen klaren ungefährdeten Sieg einfahren.

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9 Kommentare

  1. punch
    12. November 2010 at 13:50 —

    das nen ich mal ne ausführliche prognose, dem ist nichts hinzuzufügen. ausser das es meistens anders kommt als man denkt….

    ich freue mich auf einen spannenden kampf!

  2. Mike
    12. November 2010 at 14:13 —

    Schöner Artikel. Gut geschrieben!

    Würd mir den Kampf gern im TV anschauen aber mit Kabel Deutschland nicht möglich 🙁

  3. jeff
    12. November 2010 at 14:31 —

    Wow,
    dieser Artikel hätte glatt von mir sein können. Sauber Benjamin!

    Ich werde mit meiner Philippinischen Flagge am Rücken vorm Lappy sitzen und Streams jagen! Hat jemand ne idee wo man das sauber verfolgen kan?

  4. Chris
    12. November 2010 at 21:01 —

    Nice Benjamin. Go Manny wir Pinoys lieben dich!

  5. Berlin Boxing
    12. November 2010 at 21:58 —

    Solche gut analysierenden Artikel sollten mal im Käseblatt “Boxsport” zu finden sein!

  6. EDi
    13. November 2010 at 15:26 —

    Diese Kämpfe sollten im deutschen Fernsehen übertragen werden, da würde Deutschland sehen das es ausser den langweiligen Klitsckobrüdern richtige oxer mit Herz und Leidenschaft gibt.

    Auf den Tag warte ich ♥

  7. jeff
    13. November 2010 at 16:55 —

    Speak it OUT CHRIS!! True Pinoy

  8. jeff
    13. November 2010 at 21:28 —

    Du sagst es EDI!!

  9. jeff
    14. November 2010 at 07:46 —

    Ich sag nur BOOM!!!

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