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Vorschau: Luis Alberto Lazarte vs Johnriel Casimero

Neunzehn Jahre trennen den Argentinier Luis Alberto Lazarte und den Phillipino Johnriel Casimero, doch die beiden Halbfliegengewichtler treten am Freitagabend in Buenos Aires gegeneinander an um den Interimsweltmeister der IBF zu küren. Setzt sich am Ende die Erfahrung Lazartes oder die jugendliche Frische Casimeros durch?

Der inzwischen 40-jährige Lazarte begann bereits 1996 seine Profikarriere, als Casimero gerade einmal sechs Jahre alt war, und erarbeitete sich innerhalb der ersten drei Jahre einen Titelkampf im Minimumgewicht. Dort unterlag er WBO-Weltmeister Kermin Guardia knapp nach Punkten. Trotz nur eines Sieges in den nächsten vier Kämpfen durfte er Fliegengewichtschamp Pongsaklek Wonjongkam 2001 herausfordern, wurde jedoch in gerade mal zwei Runden gestoppt, was seine bisher einzige vorzeitige Niederlage bleiben sollte. Auch Landsmann und WBO-Fliegengewichtsweltmeister Omar Narvaez erwies sich ein Jahr später als zu gut und schlug Lazarte durch Disqualifikation in der zehnten Runde. „El Mosquito“ ging ins Halbfliegengewicht zurück, wo er zwischen 2004 und 2007 dann die längste Erfolgsserie seiner Karriere mit 17 Siegen in Folge hinlegte. Im Titelkampf jedoch zog er erneut den Kürzeren. Gegen Edgar Sosa wurde er erneut in der zehnten Runde disqualifiziert, und auch im fünften Versuch einen WM-Titel zu gewinnen reichte es 2008 für ihn nicht. Im Minimumgewicht besiegte ihn Daniel Reyes hauchdünn nach Punkten. Wie gewöhnlich orientierte Lazarte sich wieder am nationalen Niveau und schlug einige Aufbaugegner, ehe sich die Lage im Halbfliegengewicht für ihn positiv veränderte. Der hoch angesehene Brian Viloria verlor seinen IBF-Titel schockierenderweise gegen Carlos Tamara, der daraufhin als einer der schwächsten Weltmeister der Welt galt und als relativ leichte Beute angesehen wurde. Lazarte sicherte sich 2010 den Titelkampf und gewann tatsächliuch im sechsten WM-Kampf schließlich den Gürtel, da er Tamara knapp nach Punkten bezwang. Eine leichte Titelverteidigung gegen Nerys Espinoza folgte bevor mit Ex-Weltmeister Ulises Solis eine schwerere Aufgabe auf ihn wartete. Solis hatte den IBF-Gürtel zwischen 2006 und 2008 acht Mal erfolgreich verteidigt ehe er ihn an Brian Viloria verlor, und konnte Lazarte nun Ende 2010 ein Unentschieden abringen. Lazarte behielt den Titel vorerst, doch es kam zum direkten Rückkampf und dieses Mal siegte Solis durch Split Decision, so dass Lazarte den hart erkämpften Titel wieder los war.

Auch Jonhriel Casimero konnte sich bereits einmal Weltmeister nennen, doch sein Weg dahin verlief deutlich einfacher und geradliniger. Nach gerade einmal 13 Profikämpfen und ebenso vielen Siegen trat er gegen Ex-Weltmeister Cesar Canchila im Kampf um den Interimstitel der WBO im Halbfliegengewicht an. Casimero sorgte für Aufsehen indem er Canchila, der, auch wenn er den Rückkampf verloren hatte, der einzige Boxer war, der Giovani Segura hatte bezwingen können, in elf Runden stoppte. In seiner ersten Titelverteidigung unterlag er jedoch etwas unerwartet dem Mexikaner Ramon Garcia Hirales und war damit seinen Titel schnell wieder los. Für eine Chance um den IBF-Gürtel boxen zu dürfen, stieg Casimero daraufhin ins Fliegengewicht auf, wo er Moruti Mthalane herausforderte, doch der immer noch stark unterschätzte Südafrikaner überwältigte Casimero nach einer Schlacht in der fünften Runde, wenn auch mit einem etwas kontroversem Abbruch. Nun ist Casimero ins Halbfliegengewicht zurückgekehrt um sich dort als Topmann zu etablieren, als der er schon einmal kurzfristig angesehen wurde.

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Casimero besitzt direkt ins Auge springende Stärken. Er besitzt auffällig schnelle Hände und boxt sehr flüssig und ästhetisch. Zudem ist er ziemlich schlagstark und damit insgesamt sehr zuschauerfreundlich. Doch während er diese Eigenschaften beispielsweise gegen Cesar Canchila eindrucksvoll zur Schau stellte, konnte er an diese Leistung in seinen nächsten beiden Kämpfen, die er verlor, nicht anknüpfen. Diese drei Vorstellungen waren zudem die einzigen Kämpfe, die er außerhalb seiner Heimat bestreitete, und am Freitag ist er erneut weit von zu Hause weg, wenn er in Argentinien vorm Heimpublikum seines Gegners boxt.

Luis Alberto Lazarte ist ein selbst fürs Halbfliegengewicht extrem kleiner, aber dafür bulliger Boxer. Er ist ein technisch guter, extrem erfahrener und abgebrühter Brawler, der auch mit seinen vierzig Jahren noch immer über ein eindrucksvolles Kinn verfügt. Während Casimero erst 96 Runden als Profi im Ring stand, hat der Argentinier bereits knapp 450 Runden auf den Buckel und ging dabei erst einmal KO, als er nach einem Niederschlag gegen Pongsaklek Wonjongkam OK zu sein schien, aber seine Ecke das Handtuch warf. Er besitzt zwar nicht all zu viel Schlagkraft, macht das aber mit einer guten Workrate und einem sehr kraftraubenden Stil sowohl für sich als auch für seinen Gegner wett.

Frei übersetzt lautet eine populäre englische Redewendung: „Jugend ist an die Jugendlichen verschwendet“. Der Spruch fasst recht prägnant zusammen, dass Jugendlichkeit sowohl seine Vorteile als auch seine Nachteile hat. Casimero ist der eindeutig frischere Mann, hat schnellere Hände und bessere Reflexe, doch ist noch komplett grün hinter den Ohren im Vergleich mit Luis Alberto Lazarte. Es fehlt ihm nicht nur an den vielen kleinen Tricks, die man über Jahre hinweg im Ring aufsammelt, sondern, was wohl viel wichtiger ist, auch möglicherweise an der mentalen Reife Schwierigkeiten zu meistern und im entscheidenen Moment den Hebel umlegen zu können.

Ohne Zweifel besitzt Casimero mit seinen Reichweitnvorteilen, seiner Beweglichkeit, seinem Distanzstil und seiner Schnelligkeit die Mittel Lazarte auszuboxen, und es würde mich nicht wundern, wenn ihm das vor allem in den ersten Runden auch gelingt. Doch ich habe das Gefühl, dass er Probleme damit haben wird, wenn Lazarte nach drei oder vier Runden davon unbeeindruckt weiter nach vorne marschiert und Druck ausübt. Angetrieben vom argentinischen Publikum sehe ich Lazarte mit fortschreitender Dauer immer besser in den Kampf kommen und die Oberhand gewinnen. Das gute Kinn des Argentiniers gepaart mit seiner eher geringen Schlagkraft lassen einen Kampf über die vollen zwölf Runden vermuten, und ich denke, dass Lazarte am Ende knapp aber verdient als Sieger da stehen wird. Zwar muss man bei einem Boxer in seinem Alter davon ausgehen, dass es in jedem Kampf passieren kann, dass sich die Jahre zeigen, doch in seinem letzten Kampf, als er Nerys Espinoza genau so souverän bezwang wie ein Jahr zuvor, zeigte er dafür noch keine Anzeichen.

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2 Kommentare

  1. Ferenc H
    10. Februar 2012 at 14:19 —

    Na dann hoffe ich mal auf einen guten Kampf. Mal wieder ein interassanter Artikel Benjamin.

    Mfg

  2. Joe187
    11. Februar 2012 at 16:52 —

    und daraus geworden ist das absolute chaos, der 40 jährige war völlig überfordert, was das publikum dazu bewegte den ring zu stürmen und jagd auf seinen gegner zu machen

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