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Vorschau: Kermit Cintron vs Carlos Molina

Auf der Undercard des garantierten Action-Fights zwischen Brandon Rios und Urbano Antillon trifft am Samstagabend Ex-Weltergewichtstitelträger Kermit Cintron in einem Zehnrunder auf Carlos Molina. Die beiden Boxer, die sich aus dem Sparring gut kennen, treten im Halbmittelgewicht, beziehungsweise in einem Catchweight von 152 Pfund, gegeneinander an, in der Hoffnung sich durch einen Sieg für einen Titelkampf empfehlen zu können.

Kermit Cintron stand seit 14 Monaten nicht mehr im Ring. Damals verlor er eine umstrittene technische Punktentscheidung gegen Paul Williams, nachdem Cintron in der vierten Runde unglücklich aus dem Ring gefallen war und sich beim Aufprall auf einen Tisch verletzt hatte. Zuvor war er auf einem guten Weg der Rehabilitierung gewesen. Anfang 2008 hatte Antonio Margarito ihn noch zum zweiten Mal völlig demontiert und in sechs Runden gestoppt, und zehn Monate später hatte Sergio Martinez ihn eigentlich ausgeknockt und dann später ausgepunktet, doch Cintron entkam mit einem in vielerlei Hinsicht mehr als schmeichelhaftem Unentschieden. Aber in der Folgezeit besiegte er zunächst im Mai 2009 den bis dahin ungeschlagenen aufkommenden Star Alfredo Angulo überraschend, bevor er in einem Aufbaukampf Juliano Ramos in vier Runden stoppte. Auch gegen Williams, als er als klarer Außenseiter in den Kampf ging, machte er von Anfang an eine gute Figur und setzte dem „Punisher“ überraschend zu. Nachdem Cintron noch gegen Martinez nicht nur Fortuna, sondern anscheinend auch den Ring- und die Punktrichter auf seiner Seite gehabt hatte, hatte er dieses Mal aber weniger Glück und verlor kontrovers nach Punkten.

Auch Carlos Molina hat sich in den letzten Jahren deutlich gesteigert. Nachdem er zwischen 2006 und 2007 drei Niederlagen in Folge hatte hinnehmen müssen und seine Karriere den Bach herunter zu gehen schien, ist er nun seitdem in immerhin elf Kämpfen unbesiegt. Sein bester Sieg kam dabei über Danny Perez, den er 2009 klar nach Punkten dominierte, doch sein bester Auftritt erfolgte dieses Jahr. Molina hatte aus Vertragsgründen 21 Monate nicht im Ring gestanden, und traf dann gleich auf eines der meist versprechenden Talente des Sports. Als glasklarer Außenseiter gelang Molina jedoch beinahe die Überraschung gegen den Kubaner Erislandy Lara, auch wenn am Ende nur ein Unentschieden für ihn heraussprang, da Lara in der zweiten Kampfeshälfte stärker aufkam.

Für Kermit Cintrons Kampf gegen Antonio Margarito holte sich der Puerto Ricaner damals Molina als Sparringspartner ins Boot, so dass beide sich aus dieser Zeit noch gut kennen. Beide wissen um die Stärken des Gegners, was ab und zu dafür sorgt, dass die Boxer etwas zu vorsichtig agieren, was der Zuschauerfreundlichkeit schadet. Ähnliches erwarte ich aber am Samstagabend nicht. Kermit Cintron dürfte als Favorit und deutlich schlagstärkerer Mann den Vorwärtsgang suchen, während Carlos Molina sowieso zumeist unterhaltsame Kämpfe abliefert. Zwar dürfte Molina es vermutlich nicht gerade darauf anlegen sich in eine absolute Schlacht mit Cintron, der immer noch einer der härtesten Puncher rund ums Weltergewicht sein dürfte, verwickeln zu lassen, doch Kermit Cintron hat in den letzten Jahren auch seine boxerischen Defizite aufgearbeitet. Vor allem gegen Angulo zeigte er, dass er durchaus in der Lage ist hinter dem Jab mit soliden boxerischen Fundamenten zu agieren.

Carlos Molina ist im Ring ein cleverer Boxer und wird seine sehr ordentliche Beinarbeit dazu benutzen Cintrons starker rechter Gerade so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen, während ich erwarte, dass Cintron nicht brachial auf den KO gehen wird, sondern versuchen wird den Kampf mit dem Jab zu gestalten um auf den richtigen Moment für die entscheidende rechte Hand zu warten. Molina hingegen könnte seine Chance im Infight sehen. Schon gegen Lara leistete er dort gute Arbeit, und bei dem deutlichen Reichweitennachteil, den er gegenüber Cintron hat, wird er es sowieso schwer haben aus der Distanz Erfolg zu haben. Außerdem zeigte Antonio Margarito zweimal eindrucksvoll wie überfordert Cintron ist, wenn man ihm den Infight aufzwingt.

Der Kampf ist vor allem so eine gute Ansetzung, weil der Ausgang recht offen ist. Cintron muss wohl als Favorit gelten, aber Molina ist alles andere als chancenlos. Der Mexikaner wird nur ganz selten in einer Runde dominiert, und es würde mich wundern, wenn er am Samstag nicht auch wieder den Großteil der Runden zumindest sehr eng gestalten könnte. Im Endeffekt favorisiere ich allerdings auch Kermit Cintron, der sich in den letzten Jahren meiner Meinung nach einfach genug weiterentwickelt hat um mit Molina klar zu kommen. Die Anfangsrunden könnten schwer werden, vor allem nach den 14 Monaten Pause für Cintron, auch wenn er im Vorfeld immer wieder beteuerte, dass diese ihm nur gut getan habe und er keinen Ringrost angesetzt habe. Ab der fünften oder sechsten Runde erwarte ich dann aber, dass Cintron das Ruder fester in die Hand nimmt und am Ende entweder nach Punkten gewinnt oder möglicherweise sogar mit ein paar Volltreffern den toughen Molina vorzeitig schlägt, was bisher noch niemandem gelungen ist.

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