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Vorschau: Kell Brook vs Carson Jones

Kell Brook gilt als das vielleicht derzeit größte Talent der britischen Insel. Der schrille ungeschlagene Weltergewichtler gilt in vielen Kreisen als sicherer Tipp für einen zukünftigen Weltmeister. Am Samstagabend will der 26-Jährige einen wichtigen Schritt dahin machen, wenn er in einem Eliminator der IBF gegen den US-Amerikaner Carson Jones antritt.

Als Kell Brook 2004 sein Profidebüt gab, galt er nicht nur aufgrund seiner guten Amateurkarriere als viel versprechendes Talent. Dass er aus dem gleichen Gym in Sheffield wie „Prince“ Naseem Hamed kam und zudem vom Stil her an den berühmten Ex-Weltmeister erinnerte, verschaffte Brook schnell viel Aufmerksamkeit. Doch auch im Ring machte er mit guten Leistungen von sich reden. Nachdem er 21 Siege gegen Aufbaugegner gesammelt hat, machte er im September 2010 seinen ersten Schritt nach oben, als er Michael Jennings in fünf Runden aufgrund eines Cuts stoppte. Seitdem folgten weitere exzellente Siege über David Kotey, Lovemore Ndou, Rafal Jackiewicz, Luis Galarza und Matthew Hatton. Vor dem Kampf gegen Jones steht der Kampfrekord von „Special K“ bei 27 Siegen, wovon 18 durch KO zustande kamen.

Carson Jones hat sich seine gesamte Karriere in der zweiten bis dritten Reihe rum geschlagen und hat dort neben 34 Siegen auch 8 Niederlagen und zwei Unentschieden gesammelt. Der extrem aktive 25-Jährige unterlag unter anderem durchaus bekannten Namen wie Alfonso Gomez, Freddy Hernandez, Roberto Garcia und Jesus Soto Karass. Zuletzt konnte er jedoch die wohl beste Serie seiner Karriere hinlegen. Seit September 2010 ist er in acht Kämpfen ungeschlagen, die er allesamt vorzeitig gewann. Zwar gehörten seine Gegner dabei nicht gerade zur Creme de la creme, aber mit Said Ouali und Allen Conyers waren durchaus brauchbare Boxer dabei.

Jones ist ein ordentlicher Boxer mit relativ schnellen Händen. In seinen letzten Kämpfen, in denen Jones mir unter seinem neuen Trainer Abel Sanchez klar verbessert schien, trug er seine Deckung sehr hoch und zeigte sich effektiv darin die Schläge des Gegners im Vorwärtsgang abzublocken. Zudem ist er ein guter Insidefighter, der stark zum Körper arbeitet und zuletzt außerdem ein wenig an Schlagkraft zugelegt zu haben scheint.

Kell Brook ist allerdings der deutlich talentiertere Boxer. Er besitzt sehr schnelle Hände und enorme Schlagkraft. Aus der Distanz heraus ist Brook ein hervorragender Offensivboxer. Zudem besitzt er recht gute Reflexe und schnelle Füße, die er für die Defensivarbeit nutzt, indem er außer Reichweite geht, wenn der Gegner seine Schläge abfeuert. Große Schwächen hat Brook bislang noch nicht gezeigt, allerdings wurde er einerseits noch nicht in einen Kampf in der Nahdistanz verwickelt und zum anderen noch nicht hart genug getroffen um seine Nehmerfähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Und da kann Carson Jones, der als deutlicher Außenseiter in den Kampf geht, ansetzen. Der US-Amerikaner sollte konstanten Druck ausüben um Brook an den Seilen festzunageln und in der Nahdistanz zu bearbeiten. Da kann er ihm Fragen stellen, die ihm in seiner bisherigen Karriere noch nicht gestellt wurden. Wichtig ist es dabei allerdings, dass es Jones auf dem Weg nach innen gelingt das Offensivfeuerwerk, welches Brook sicherlich von außen abbrennen wird, gut abzufangen, da Brook ansonsten genug Schlagkraft besitzt um Jones vor Probleme zu stellen.

Gelingt Jones dieses nicht, wird der Kampf wohl so verlaufen, wie es die meisten erwarten. Aus der Distanz heraus werden Brooks schnellere Hände und größere Schlagkraft das Geschehen klar diktieren. Kann Jones ihn nicht immer mal wieder in die Ecke dringen, sondern lässt sich auf einen Kampf in der Ringmitte ein, kann er am Ende froh sein, wenn er einseitig nach Punkten verliert und nicht in der zweiten Kampfeshälfte KO geht. Ich glaube jedoch, dass er dazu in der Lage ist Kell Brook seinen bis dato härtesten Kampf zu liefern. Er hat das Rüstzeug um immer wieder effektiv die Distanz zu verkürzen und so den Nahdistanzkampf zu suchen, bei dem ich noch nicht so überzeugt bin, dass Brook ihn gut beherrscht. Von Jones hingegen wissen wir, dass er dort seine Stärken hat, und vor allem auch immer wieder gut zum Körper arbeitet. Der Talentunterschied ist zu groß, als dass ich auf die Überraschung und einen Sieg von Jones tippen würde, aber ich denke, dass der Kampf im Endeffekt um einiges enger werden wird, als es viele erwarten und als es die deutlichen Quoten der Buchmacher aussagen. Einen hart umkämpften Punktsieg für Kell Brook halte ich für am realistischsten.

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