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Vorschau: Julio Cesar Chavez Jr. vs Marco Antonio Rubio

Der unter Mexikaner unglaublich beliebte Julio Cesar Chavez Jr. verteidigt am Samstagabend in Texas seinen WBC-Titel im Mittelgewicht zum zweiten Mal. Im bereits siebenundvierzigsten Profikampf für den 25-Jährigen steht er seinem Landsmann Marco Antonio Rubio gegenüber.

Man mag über Julio Cesar Chavez Jr. sagen, was man möchte, aber, auch wenn er viel vom Namen seines Vaters, der Boxlegende Julio Cesar Chavez, profitiert hat, hatte er es auch manchmal gerade deswegen nicht ganz einfach. Seit Jahren wird ihm bereits vorgeworfen nur davon zu zehren, was natürlich auch einen Funken Wahrheit in sich trägt, doch es wird dabei komplett übersehen, dass sich Junior in den letzten Jahren durchaus stark weiter entwickelt hat und von einem stark geschützten Publikumsliebling zu einem Boxer auf echtem Weltklasseniveau geworden ist. Mit dem Namen einer der größten Sporthelden des boxverrückten Mexikos füllte Chavez Jr. schon früh Hallen, wobei er ohne jegliche Amateurerfahrung – zwei im TV übertragene Vorführkämpfe gegen Jorge Paez Jr. waren die Ausnahme – im Alter von 17 Jahren seine Profikarriere begann und dementsprechend roh und ungeschliffen war. Extrem aktiv sammelte er schnell einen Haufen von Siegen gegen schwache Gegner, doch benötigte bald auch schon den Bonus seiner Popularität bei den Punktrichtern, als diese ihm 2005 und 2006 ein Unentschieden und einen Sieg durch Mehrheitsentscheidung gegen Carlos Molina schenkten, obwohl er wohl beide Kämpfe nach Punkten hätte verlieren müssen. Auch im ersten Kampf gegen Matt Vanda konnte er 2008 von Glück sprechen, dass die Punktrichter ihn und nicht seinen Kontrahenten zum Sieger erklärten. Rückblickend erinnert das sogar ein wenig an seinen Vater, bei dem ein früher Kampf in der Karriere im Kampfrekord umgeändert wurde um ihn auf seinem anvisierten Weg zu hundert Siegen ohne Niederlage zu halten, als seine Poplarität zunahm. Die geschenkten Siege halfen der Beliebtheit von Chavez Jr. bei vielen Boxfans außerhalb Mexiko nicht unbedingt, da er dadurch nur um so mehr als überschätzter, überschützter Hype angesehen wurde. Doch als die Gegner zunehmend besser und die Kämpfe zunehmend größer und schwerer wurden, verbesserte sich auch Chavez Jr. und behielt verdient gegen Leute wie Matt Vanda im Rückkampf, John Duddy oder Billy Lyell die Oberhand. Dabei sicherte er sich zudem den Silbertitel der WBC, der ihm das Herausforderungsrecht für Sebastian Zbiks Titel einbrachte. Diesen besiegte er im Juni vergangenen Jahres ganz knapp nach Punkten ehe er den neu gewonnenen Titel gegen Peter Manfredo Jr. verteidigte.

Marco Antonio Rubio hatte es da etwas schwerer in seiner Karriere. Bereits in seinem siebten Kampf wurde er mit dem ungeschlagenen Saul Roman in den Ring gestellt, wo Rubio seine erste Niederlage hinnehmen musste. Dann reihte er aber in drei Jahren einige Siege an bis er in einem WM-Ausscheidungskampf gegen Kofi Jantuah den Kürzeren zog. Er blieb weiterhin gegen schwache bis mittelmäßige Gegner siegreich, doch verlor gegen die Gegner auf dem nächsten Level. So besiegten ihn sowohl Kassim Ouma und Zaurbek Baysangurov als auch Kelly Pavlik bei dessen Comeback nach der Hopkins-Pleite. Letzten April gelang ihm jedoch der vielleicht nicht beste, aber wohl am meisten Aufsehen erregende Sieg seiner Profikarriere. Rubio stoppte den ungeschlagenen und hoch gehandelten kanadischen Puncher David Lemieux in sieben Runden. Lemieux lag nach Punkten in Front, doch war es nicht gewöhnt so viele Runden zu gehen, da er 24 seiner 25 Gegner zuvor gestoppt hatte, und Rubio nutzte dies schließlich aus. Mittlerweile ist Marco Antonio Rubio damit seit dem Pavlik-Kampf vor drei Jahren in zehn Kämpfen ungeschlagen, wovon er neun Kämpfe vorzeitig gewann. Zuletzt stoppte er Matt Vanda, mit dem sich Chavez Jr. zwei Mal über die Runden quälte in fünf Runden.

Nichtsdestotrotz gilt Julio Cesar Chavez Jr. als recht deutlicher Favorit. Er ist inzwischen ein intelligenter Fighter mit ordentlicher Technik und guter Schlagkraft. Zudem scheint er eine gute Workrate und ein starkes Kinn von seinem Vater geerbt zu haben, was ihm bei seinem aggressiven, wühlerischen Stil gut zu Gesicht steht. Auch hat er sich die gute Arbeit zum Körper wohl von seinem Senior abgeguckt, auch wenn er natürlich nicht an dessen Level heran kommt. Rubio boxt insgesamt einigermaßen ähnlich, da auch er nach vorne geht und viel zum Körper arbeitet. Beide besitzen eine ordentliche, unterschätzte Deckungsarbeit und blocken viele Schläge zumindest teilweise ab, doch Chavez Jr. wird am Samstag einen klaren Vorteil in Sachen Schnelligkeit besitzen. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass vor allem seine langsamen Hände Marco Antonio Rubio davon abgehalten haben in seiner Karriere mal ernsthaft in der Weltspitze anzugreifen. Er ist technisch solide und besitzt einen sehr guten Punch, doch gegen Topgegner fiel es ihm immer schwer klar durchzukommen, da er einfach zu langsam war. Weitere Vorteile für Chavez sind zudem seine überlegene Physis und der Heimvorteil vor tausenden von mexikanischen Fans zu boxen, die mit Sicherheit nicht seinen Landsmann Rubio anfeuern werden.

Ohne zynisch sein zu wollen, denke ich, dass die klare Favoritenrolle von Chavez unter anderem auch dadurch zu Stande kommt, dass jeder im Boxsport weiß, dass Rubio in Texas keinen halbwegs engen Kampf gegen den Publikumsmagneten Chavez Jr. nach Punkten gewinnen werden kann. Er ist eine wahre Goldmine für seinen Promoter, und das vor allem so lange er ungeschlagen bleibt. Rubio besitzt meiner Meinung nach die Klasse den Kampf eng zu gestalten, da sein größter Nachteil, die fehlende Schnelligkeit, in der Halbdistanz, in der der Kampf wohl vornehmlich geführt werden wird, nicht so sehr ins Gewicht fallen wird. Der Kampf könnte glatt zu einer klassischen mexikanischen Schlacht werden, da man nicht erwarten sollte, dass einer der beiden einen Schritt zurück machen wird, so dass das Publikum wohl auf seine Kosten kommen wird. Und im Endeffekt wird es wohl auch seinen Favoriten gewinnen sehen. Chavez Jr. ist jünger, frischer, physisch stärker und hat das bessere Kinn. Rubio wird ihm wohl zwar viel abverlangen, aber ich denke nicht, dass es für ihn zum Sieg reichen wird. Ich glaube, dass Chavez den Sieg knapp nach Punkten einfahren wird sogar ohne dabei auf die freundliche Unterstützung der Punktrichter vertrauen zu müssen.

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9 Kommentare

  1. The Onga Bonga
    4. Februar 2012 at 09:13 —

    Martinez erlöse uns°!!!!!

  2. Carlos2012
    4. Februar 2012 at 09:36 —

    @Benjamin
    Du schreibst gute Artikel.Nur bitte nicht so lange Texte.
    Ansonsten Top Geschreibe.

  3. cio
    4. Februar 2012 at 13:15 —

    wann kommt der boxkampf im tv heute oder gibt es keine übertragung ??

  4. Tom
    4. Februar 2012 at 16:56 —

    @ cio

    Nix TV,zumindest nicht in Deutschland,aber es gibt den einen oder anderen Livestream im Netz!

  5. Johnny Walker
    4. Februar 2012 at 18:03 —

    also gerade HBO Livestreams sind bei solchen Fights immer im Umlauf, also googeln, googeln und nochmals googlen. Der DänemarkTV2 Sport -Stream sollte auch irgendwo kusieren.

  6. Schacky
    4. Februar 2012 at 18:18 —

    gute Geschichte Benjamin. Du hättest aber auch schreiben können, dass auch der Kampf gegen Sebastian Zbik nicht rechtens bewertet wurde. Es wurde doch schon im Vorfeld darüber geredet wer denn der lukrativste Gegner für einen Titelkampf mit Chavez wäre. In Deutschland hätte er den Kampf mit Sicherheit verloren.
    Achja, ich habe hier in Thailand die Möglichkeit den Kampf live im staatlichen TV zu schauen, Pech für allle deutschen Boxfans. Aber das deutsche TV hatte es ja nicht mal nötig den WM Kampf Zbik – Chavez zu übertragen, traurig, traurig.

  7. ghetto obelix
    4. Februar 2012 at 18:26 —

    Wann geht der kampf ungefähr los?

  8. Crock
    5. Februar 2012 at 01:17 —

    Nicht vor 4 uhr unserer Zeit 🙂

  9. 5. Februar 2012 at 01:22 —

    Donaire beginnt um 4:30.

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