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Vorschau: Juan Manuel Marquez vs. Michael Katsidis

Die beiden besten Leichtgewichtler der Welt treffen am Samstagabend im MGM Grand in Las Vegas aufeinander, und das Beste daran ist, dass ein toller Kampf zudem garantiert zu sein scheint. WBA-, WBO- und Ring-Magazine-Champ Juan Manuel Marquez hat mit Ausnahme der einseitigen Niederlage gegen Floyd Mayweather Jr. in den letzten Jahren immer unterhaltsame Kämpfe geboten, und Michael Katsidis war wohl noch nie in einem schlechten Kampf. Action und Unterhaltung scheint vorprogrammiert.

Marquez sicherte sich in seinem ersten Kampf im Leichtgewicht vor etwas über zwei Jahren den linearen Titel und den des Ring Magazine, als er Joel Casamayor in der elften Runde KO schlug, fügte kurz darauf die vakanten Gürtel der WBA und WBO hinzu im Kampf des Jahres 2009 als er Juan Diaz nach neun Runden stoppte. Zuletzt verteidigte er die Titel im Rückkampf gegen Diaz, den er dieses Mal nach Punkten für sich entschied. An richtig großen Namen mangelt es im Leichtgewicht etwas für Marquez, der weiterhin hinter einem dritten Kampf gegen Manny Pacquiao hinterher ist, doch mit Michael Katsidis nimmt er sich nun des wohl besten Leichtgewichtlers der Welt außer ihm selbst an.

So sieht es zumindest das Ring Magazine, und Katsidis hat immerhin nun vier Siege in Folge feiern können, nachdem er 2008 hintereinander Joel Casamayor und Juan Diaz unterlag. Dabei war zwar kein absoluter Weltklassegegner, doch er konnte durch den Sieg gegen Vicente Escobedo den Interimsgürtel der WBO gewinnen, und zuletzt einen guten Sieg in drei Runden gegen den bis dahin ungeschlagenen Kevin Mitchell erringen. Marquez ist jedoch natürlich der beste Gegner seiner bisherigen Karriere, auch seine beiden Bezwinger Casamayor und Diaz eingeschlossen.

Der Quervergleich fällt natürlich zugunsten von Marquez aus, der diese beiden jeweils schlagen konnte, doch auch der direkte Vergleich unter Einbezug stilistischer Faktoren lässt den mexikanischen Superstar als deutlichen Favoriten erkennen. Als einer der besten Techniker der Welt derzeit ist Marquez Katsidis boxerisch um Welten überlegen, hat zudem deutlich mehr Erfahrung, und die auch auf höherem Niveau. Er ist schneller, vielschichtiger und boxt intelligenter. Katsidis hat als Vorteil auf seiner Seite vor allem seine physische Präsenz. Er ist wohl der körperlich robusteste Leichtgewichtler überhaupt zur Zeit und überpowert viele seiner Gegner einfach. Zwar hat er keinen überragenden Punch, aber 22 KO-Siege von 27 Siegen insgesamt kommen nicht von ungefähr, und der Australier zermürbt seine Gegner mit seinem unermüdlichen Druck und einer Unzahl von guten, harten Treffern.

Juan Manuel Marquez, der ja immerhin aus dem Federgewicht kommt, wird Katsidis körperlich klar unterlegen sein, und sollte tunlichst versuchen zu viele offene Schlagabtausche zu vermeiden und sich mehr auf seine Fähigkeiten als exzellenter Konterboxer zu verlassen. Allerdings hat er eine Tendenz, wie so viele Mexikaner, sich in solche Schlachten verwickeln zu lassen, wie auch als er im ersten Kampf gegen Juan Diaz sich die Halbdistanz aufdrängen ließ und ein paar Mal im Kampf angeschlagen wirkte bevor er Diaz mit einem tollen Finale stoppen konnte. Der Schlüssel für einen Sieg von Marquez ist seine Beinarbeit. Er darf Katsidis nicht zu viel in den Infight kommen lassen, darf sich nicht an die Seile drängen lassen und muss dem toughen Australier aus verschiedensten Winkeln attackieren. Marquez ist durchaus treffbar, und Katsidis wird mit Sicherheit das eine oder andere Mal gut durchkommen, doch Marquez Qualitäten als Konterboxer dürften dafür sorgen, dass die besseren Treffer von ihm ausgehen.

Wenn Katsidis genug Druck aufbaut um Marquez seinen Boxstil aufzuzwingen, wird es ein durchaus enger Kampf werden, aber auch dann glaube ich an einen Sieg des Mexikaners, der einfach zu viel Qualität für Katsidis besitzt. So oder so erwartet die Fans wohl ein exzellenter Kampf, der einige Wendungen bereithalten könnte, da es sicher nicht ausgeschlossen ist, dass Katsidis Marquez anknocken kann. Doch Marquez besitzt ein großes Kämpferherz und wird in so einem Fall nur um so stärker zurück kommen, wie er es bereits nach drei Niederschlägen in der ersten Runde im ersten Kampf gegen Manny Pacquiao machte, als er sich noch ein Unentschieden erarbeitete. Ein extrem hohes Tempo scheint vorprogrammiert und ich glaube nicht, dass wir einen 12-Runden-Kampf sehen werden. Marquez besitzt auch im Leichtgewicht immer noch sehr ordentliche Schlagkraft, und Katsidis hat schon gegen Joel Casamayor oder Graham Earl bewiesen, dass er zwar zäh ist, aber bei weitem nicht unstoppbar. Ich halte es für gut möglich, dass Juan Manuel Marquez ihn so um die zehnte Runde herum niederringt und für einen Abbruchsieg sorgt. Durchaus beachtenswert ist außerdem, dass Katsidis unheimlich anfällig für Cuts und Schwellungen ist, und bei einem Präzisionspuncher wie Marquez ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass das Gesicht des 30-jährigen Australiers mit zunehmender Kampfdauer groteske Formen annimmt. Zwar hat er bisher immer wie ein echter Krieger unirritiert von seinen Verletzungen weiter gefightet, doch ist das Potenzial da, dass er dieses Mal möglicherweise aufgrund von Cutverletzungen aus dem Kampf genommen werden könnte.

Wie auch immer, glaube ich an einen (T)KO-Sieg für Juan Manuel Marquez in den mittleren bis hinteren Runden und wäre schon sehr überrascht, wenn Michael Katsidis den Sieg einfahren würde, auch wenn bis dahin wohl ein ausgeglichener und hoch unterhaltsamer Kampf zu erwarten ist.

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