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Vorschau: Jean Pascal vs. Chad Dawson

Wenn am Samstagabend in Montreal Jean Pascal und „Bad“ Chad Dawson gemeinsam in den Ring steigen, steht dabei nicht nur Pascals WBC-Gürtel auf dem Spiel, sondern vor allem die Vorherrschaft im Halbschwergewicht. Dawson gilt derzeit als Nummer Eins der Gewichtsklasse und Pascal hat sich mit drei starken Leistungen nach seinem Gewichtsklassenaufstieg auch weit nach oben im Halbschwergewicht katapultiert. Das Ring-Magazine, dessen Titel in Zeiten der Titelinflation bei den vier großen Verbänden zunehmend an Wichtigkeit gewinnt, hat Dawson auf Platz Eins ihrer Rangliste und Pascal direkt dahinter auf dem zweiten Rang. Damit geht es bei dem Kampf der Beiden auch um den vakanten Ring-Titel, den zuletzt Joe Calzaghe hielt bevor er vom Sport zurücktrat.

Pascals Aufstieg in der Halbschwergewichtsrangliste kam etwas unerwartet, nachdem er Ende 2008 noch den größten Kampf seiner Karriere bis dahin verloren hatte. In England unterlag er im Supermittelgewichtstitelkampf Carl Froch knapp aber verdient nach Punkten. Zwei Kämpfe später ging er eine Gewichtsklasse hoch und nahm dem zuvor ungeschlagenen Rumänen Adrian Diaconu dessen WBC-Titel ab. Eine Titelverteidigung gegen Silvio Branco und einen Rückkampf mit Diaconu später steht er nun erneut vor der größten Aufgabe seiner Profikarriere.

Sein Gegenüber Chad Dawson ist zwar der Herausforderer am Samstag, gilt aber als Favorit und als bester Boxer des Halbschwergewichts. Seit 2007, als er Tomasz Adamek klar auspunktete, ist er Titelträger, und lieferte einige starke Leistungen ab. Die größten Probleme bereitete ihm in dieser Zeit wohl Glen Johnson in deren erstem Kampf im April 2008. Dawson gewann zwar nach Punkten, doch viele Betrachter sahen den Kampf enger als es das Punkturteil ausdrückte und teilweise auch Unentschieden oder sogar für Johnson. Den Rückkampf gewann Dawson zuletzt komfortabler, wenn auch dieses Mal auf den Punktkarten enger, nachdem er zwischendurch Antonio Tarver zwei Mal klar ausgepunktet hatte. Die vier Siege kamen zwar gegen zwei Topleute der Gewichtsklasse, aber auch gegen Boxer, die bereits über 40 Jahre alt waren und ihren Zenit zumindest etwas überschritten hatten. Mit Pascal trifft er nun auf einen 27-Jährigen, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist.

Im Halbschwergewicht sah Pascal in allen drei Kämpfen komfortabler und besser aus als noch im Supermittelgewicht, und Diaconu und Branco waren mit den schnellen Händen und der Beweglichkeit des Kanadiers überfordert. Doch genau da liegen auch Dawsons Stärken. Der ungeschlagene US-Amerikaner hat wohl noch schnellere Hände als Pascal und vereint diese mit einer starken Technik. Er schlägt sehr gute Kombinationen und ist zudem mindestes ebenso beweglich im Oberkörper wie Pascal. Nicht umsonst wird Chad Dawson von vielen Experten als einer der Top Pound-For-Pound Boxer gesehen, und ich glaube, dass er aufgrund seiner eher unspektakulären, aber sehr cleveren Art von Boxen sogar noch vielerorts unterschätzt wird. Die zwei Schwächen, die ihm vorgehalten werden, sind seine mangelnde Schlagkraft, obwohl er immerhin 17 KOs in 29 Kämpfen hat und sein suspektes Kinn, welches meiner Meinung nach aber auch ein wenig übertrieben schwach dargestellt wird. Er war zwar bereits drei Mal in seiner Profikarriere am Boden, war dabei aber nicht immer richtig angeschlagen und hat auch schon einige gute Schläge von soliden Punchern kassiert ohne gleich ins Schwimmen zu geraten.

Jean Pascal muss bei diesen beiden Schwächen angreifen. Das heißt, dass er sein besseres Kinn und seine leicht überlegene Schlagkraft ausspielen muss. Aus der Distanz wird er dazu gegen einen technisch besseren und schnelleren Gegner kaum Chancen haben, weshalb er versuchen muss nahe an Dawson heran zu kommen und ihn dort zu bearbeiten. Was schon so keine leichte Aufgabe werden dürfte, könnte durch eine alte Verletzung Pascals noch schwieriger werden. Im zweiten Kampf mit Diaconu kugelte er sich seine rechte Schulter aus und musste sich später einer Operation unterziehen. Obwohl Yvon Michel, Pascals Promoter, bekannt gab, dass die Schulterverletzung komplett geheilt sei, ist es nicht auszuschließen, dass er erneut Probleme mit der Schulter bekommen könnte, wegen der der Kampf mit Dawson immerhin ein paar Mal nach hinten verschoben wurde.

Pascal ist nicht chancenlos, vor allem da er den Heimvorteil in Montreal besitzt, und in einem Kampf, der mit großer Wahrscheinlichkeit über die vollen 12 Runden zu gehen scheint, möglicherweise auf etwas mehr Wohlwollen der Punktrichter hoffen darf als Heimboxer, aber Dawson ist nicht umsonst klarer Favorit. Pascal macht einige technische Fehler und Chad Dawson hat das Können um diese gnadenlos auszunutzen. Wenn Pascal es trotz sehr deutlichen Reichweitennachteils schafft konstant die Distanz zu überbrücken, könnte er den Kampf eng gestalten, aber im Grunde gebe ich ihm wenig Chancen einen schlichtweg besseren und talentierteren Gegner wie Chad Dawson zu schlagen. Ich rechne fest mit einem recht souveränen Punktsieg Dawsons, in dem er lediglich 3-4 Runden abgibt und seinen Status als bester Halbschwergewichtler der Welt festigt.

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5 Kommentare

  1. tom uschma
    13. August 2010 at 15:05 —

    ich denke dawson gewinnt.hab ihn schon paarmal gesehen

  2. Feliz Yasar
    13. August 2010 at 15:09 —

    wie gut,dass wir dich hier haben! stellt euch vor..hier ist wer,der chad dawson schon gleich ein paarmal gesehen hat!
    😯

  3. SemK.O
    14. August 2010 at 16:08 —

    Hahahahahah
    Also ich glaube auch das Dawson gewinnt er ist der technisch bessere Boxer und er wird nach punkten gewinnen da er schneller und eine bessere Kondition besitzt

  4. spinner
    15. August 2010 at 07:52 —

    haette nicht gedacht das pascal gewinnt, aber der fight war echt super! hoffe auf ein rematch!

  5. Suttercain.86
    15. August 2010 at 20:54 —

    Pascal hat somit gewonnen und Dawson seine erste Niederlage zugefügt aber das er so deutlich gewinnt hätte ich nicht gedacht.Aber was solls Pascal ist neuer WBC Weltmeister und Dawson kann auf ein Rematch hoffen war echt ein guter Fight.

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