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Vorschau: Israel Vazquez vs. Rafael Marquez IV

Können sie es noch einmal tun? Innerhalb von 363 Tagen lieferten sich Israel Vazquez und Rafael Marquez drei der besten Kämpfe des letzten Jahrzehnts. Ihr zweiter Kampf im August 2007 wurde zum Kampf des Jahres 2007 und ihr dritter Kampf im März 2008 zum Kampf des Jahres 2008 gewählt. Der erste Kampf erhielt diese Auszeichnung nicht, da er im selben Jahr wie ihr zweites Aufeinandertreffen stattfand. Ansonsten wäre er ein heißer Kandidat gewesen. Nun wollen sie es noch einmal wissen und treffen zum vierten Mal aufeinander. Zum ersten Mal steht dabei kein Titel auf dem Spiel, aber das ist nur Nebensache.

Es ist heutzutage extrem selten, dass zwei Boxer sich in ihrer Karriere vier Mal treffen und man muss schon eine Weile zurückgehen um die letzte Tetralogie zu finden zwischen zwei so hochklassigen Boxern. Zwischen 1993 und 1998 lieferten sich Azumah Nelson und Jesse James Leija vier Kämpfe auf hohem Niveau, die letzte große Vier-Kampf-Serie davor war wohl zwischen Bobby Chacon und Rafael Limon zwischen 1975 und 1982. An Letztere hoffen Vazquez und Marquez anknüpfen zu können. Denn der vierte Kampf zwischen Chacon und Limon war der Beste der vier, obwohl die ersten drei bereits sehr gut gewesen waren. Und bisher sah es fast so aus, als sei es Marquez und Vazquez ebenso wichtig einen spektakulären Kampf zu liefern wie am Ende als Gewinner dazustehen.

Bisher wurde zwei Mal die Hand von Israel Vazquez hochgehalten, während Rafael Marquez einmal jubeln durfte. Nachdem Marquez das Bantamgewicht ein paar Jahre lang terrorisiert hatte, und Vazquez das Superbantamgewicht beherrscht hatte, stieg Marquez im März 2007 im Gewicht auf um seinen Landsmann um die Krone im Superbantamgewicht herauszufordern. Der Stil der beiden deutete von vornherein auf einen zuschauerfreundlichen Kampf hin und die beiden Fighter enttäuschten nicht. Marquez schüttelte Weltmeister Vasquez bereits in der ersten Runde durch, Vazquez schickte Marquez zwei Runden später zu Boden. Nach tollen acht Runden musste Vazquez jedoch aufgeben, da er durch seine Nase, die er bereits in Runde Zwei gebrochen hatte, nicht mehr atmen konnte. Ein Rückkampf schien nur logisch und fünf Monate später trafen sich beide wieder. Sie legten noch einmal einen drauf und übertrafen den ersten Kampf. Dieses Mal gelang Vazquez der Sieg indem er Marquez in der sechsten Runde niederschlug und wenig später den Ringrichter zum Abbruch zwang. Ein dritter Kampf folgte, erneut ohne dass einer der beiden einen anderen Kampf in der Zwischenzeit machte, und die beiden Mexikaner schafften es tatsächlich noch einmal mehr zu bieten. Inmitten von unheimlich viel Action gelang es Rafael Marquez in der vierten Runde zum ersten Mal in der Trilogie Israel Vazquez zu Boden zu schicken. Doch Vazquez zeigte sein Kämpferherz und kam über die nächsten Runden stark zurück. Als es in die zwölfte und letzte Runde ging schien es nach Punkten fast ausgeglichen zu sein. Israel Vazquez war jedoch der etwas frischere der beiden nach einer atemberaubenden Schlacht und erzielte in den letzten Sekunden noch einen Niederschlag, der ihm effektiv den Kampf per Split Decision gewann.

Was die Trilogie so großartig macht, ist, dass beide Boxer nicht nur viel Action und Spannung sowie unvorhergesehene Wendungen lieferten, sondern auch auf einem sehr hohen Niveau agierten. Beide galten als absolute Topleute der unteren Gewichtsklassen und zählten lange Zeit zu den Top 6 Boxern pound-for-pound. Beide sind technisch exzellent, haben enormen Punch, unfassbares Kämpferherz und sehr gute Nehmerfähigkeiten. Dass die Defensive der beiden eher durchschnittlich ist, trägt nur weiter zur Unterhaltung bei. Jedoch haben beide wohl viel im Ring gelassen in ihren Schlachten, und es ist fraglich wie viel sie noch im Tank haben.

Nach ihrem dritten Kampf machte Rafael Marquez mehr als 14 Monate Pause, Israel Vazquez war sogar über 19 Monate aus dem Ring. Beide brauchten diese Pause unbedingt, und Vazquez musste sich zudem drei Augenoperationen unterziehen, da er eine Netzhautablösung erlitten hatte. Beide kamen gegen durchschnittliche Aufbaugegner zurück und gewannen letztendlich vorzeitig. Aber sowohl Marquez als auch Vazquez zeigten deutliche Anzeichen von Ringrost und wirkten nicht unbedingt ganz frisch. Außerdem erlitt Vazquez, der bekannt dafür ist sich schnell Cuts zuzuziehen in seinem Kampf gegen Angel Priolo erneut eine heftig aussehende Cutverletzung über dem linken Auge. Marquez machte hingegen in seinem Comebackkampf gegen Jose Mendoza in drei Runden Schluss und sah dabei etwas besser aus als Israel Vazquez.

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Vazquez und Marquez standen miteinander bereits 25 Runden im Ring und wissen genau, was der andere zu bieten hat. Sie können sich trotz oder gerade wegen ihrer epischen Schlachten gegenseitig gut leiden und haben hohen Respekt füreinander. Etwas Neues werden sie sich aber wohl nicht mehr zeigen können. Sie scheinen wie für einander gemacht und bringen den letzten Kampfgeist im jeweils anderen zum Vorschein. Rafael Marquez ist der etwas bessere Boxer der beiden, doch es ist wohl kaum anzunehmen, dass er einer Schlacht aus dem Weg gehen wird um Vazquez auszuboxen. Vermutlich werden wir erneut das sehen, was die ersten drei Aufeinandertreffen zu Klassikern gemacht hat. Beide werden sich in der Mitte des Rings gegenüberstehen und Schlag um Schlag austauschen. Die Frage ist nur, ob dies auch noch auf demselben hohen Niveau stattfinden kann, oder ob sie ein wenig nachgelassen haben. Der Konsens ist, dass beide inzwischen etwas über den Berg sind, aber zu einem erneut tollen Kampf sollte es trotzdem reichen.

Der Favorit in der vierten Auflage ist für mich allerdings Rafael Marquez. Er hat die etwas bessere boxerische Ausbildung, scheint mir noch frischer zu sein und ist längst nicht so cutanfällig wie Israel Vazquez. Gerade der letzte Punkt könnte kampfentscheidend werden. Mich würde es nicht überraschen, wenn sich Vazquez im Laufe des Kampfes eine üble Cutverletzung zuziehen würde, die dazu führt, dass er aus dem Kampf genommen werden muss. Zudem konnte Vazquez wegen seiner vielen Operationen nicht viel trainieren und ist möglicherweise wirklich bereits über den Berg. Es ist natürlich absolut alles möglich, da beide Boxer einfach auf einem Level sind und sie nicht viel trennt. Vazquez hat vor allem auch die Schlagkraft um Marquez jederzeit zu stoppen, aber für mich ist ein Abbruchsieg für Rafael Marquez das wahrscheinlichste Ergebnis, nicht zuletzt aufgrund von Vazquez Anfälligkeit für Cuts.

Es bleibt schlussendlich zu hoffen, dass wir zwar einen großartigen Kampf erleben, aber, dass sich keiner der beiden ernsthafte Langzeitschäden zuzieht, was bei den Schlachten, die sie sich bisher geliefert haben, nicht unbedingt undenkbar ist. Ihr Kämpferherz ist bereits jetzt unumstritten, und keiner der Beiden sollte am Samstag in Los Angeles seine Gesundheit aufs Spiel setzen nur um es ein letztes Mal zu beweisen.

Anmerkung:

Die ersten drei Kämpfe stehen bis zum Kampf am Samstagabend auf der Showtime-Website noch einmal in sehr guter Qualität zur Verfügung:

http://sports.sho.com/boxing/events/vazquez-marquez-may-22-2010.html

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