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Vorschau: Humberto Soto vs Claudinei Lacerda

Auch wenn am 23. Juni wohl kein offizieller Titel auf dem Spiel stehen wird, ist der für das Datum angesetzte Kampf zwischen Humberto Soto und Lucas Martin Mathysse sicherlich einer der interessantesten Kämpfe, die das Halbweltergewicht derzeit zu bieten hat und eine absolute Topansetzung. Um bis dahin keinen Ringrost anzusetzen und fit zu bleiben boxt Humberto Soto an diesem Samstag einen Zehnrunder in Mexiko gegen Claudinei Lacerda. Doch ist der Brasilianer ein leichter Aufbaugegner oder hat er Soto ernsthaft etwas entgegen zu setzen?

Humberto Soto gehört seit Jahren zu den konstantesten Boxern der Welt, erhält aber grundsätzlich relativ wenig Beachtung. Dabei gewann er bereits vor fast 7 Jahren seinen ersten WM-Titel, als er Rocky Juarez im Federgewicht bezwang. Dem Aufstieg ins Superfedergewicht folgte ein Rückschlag, als er dem damals auf seinem Zenit stehenden Joan Guzman in einem Titelkampf nach Punkten unterlag und er wenig später im Duell um den Interimstitel der WBC gegen Francisco Lorenzo disqualifiziert wurde, als er den kurz vor dem KO stehenden Lorenzo traf, während dieser bereits am Boden war. Das Ende wurde kontrovers diskutiert, und Soto bekam in seinem nächsten Kampf die erneute Chance auf den Titel, ehe er sich im Rückkampf gegen Lorenzo endgültig bewies. Es folgten weitere Titelverteidigungen für den Mexikaner sowie ein Aufstieg ins Leichtgewicht samt Titelgewinn und vier Titelverteidigungen dort. Letztes Jahr suchte Soto dann den Weg ins Halbweltergewicht und sammelte dort gegen solide Aufbaugegner drei weitere Siege. Seit der Disqualifikation gegen Lorenzo ist der 31-Jährige nun seit knapp vier Jahren und 14 Kämpfen ungeschlagen und ist insgesamt sogar schon ein Veteran von 67 Profikämpfen und 57 Siegen sowie 15 Jahren Erfahrung als Profi.

Claudinei Lacerda hingegen ist zwar immerhin auch schon seit 2004 Berufsboxer, jedoch hat er gerade einmal 16 Kämpfe in dieser Zeit absolviert und dabei auf einem deutlich niedrigeren Niveau agiert. Der ebenfalls 31-jährige Brasilianer verbrachte beinahe seine gesamte Karriere bisher vor heimischem Publikum, wo er sich in den oberen Gefilden der nationalen Szene, die seit Acelino Freitas auf einen Weltklassemann wartet, bewegte, aber nie den Durchbruch ins internationale Geschäft schaffte. Dass einzige Mal, dass er beruflich die Heimat verließ, kam im November 2010, als er nach Irland reiste um gegen den ungeschlagenen Iren Andy Murray zu boxen. Lacerda erzielte einen Niederschlag in der ersten Runde, ließ sich daraufhin aber den Schneid abkaufen und verlor nach Punkten. Seitdem stand er erst einmal wieder im Ring, als er einen ganz schwachen Gegner in vier Runden abfertigte.

Es ist immer eine Gratwanderung, wenn ein Boxer bereits einen großen Kampf angesetzt hat und zwischendurch durch einen leichteren Kampf fit bleiben will. Die Kunst besteht darin einen Gegner auszusuchen, der zwar keine ernsthafte Gefahr birgt für die Überraschung zu sorgen, aber immerhin auch gut genug ist um es einigermaßen interessant zu halten, so dass die Zuschauer unterhalten werden und es überhaupt Sinn für den Boxer macht. Claudinei Lacerda wurde mit Sicherheit deshalb gewählt, weil er boxerisch Soto nicht das Wasser reichen kann. Der Brasilianer ist technisch unzureichend ausgebildet, schwingt häufig eher wild durch die Gegend, besitzt unterdurchschnittliches Timing und verliert viel zu häufig die Balance während Schlagabtauschen. Auf der anderen Seite ist er schlagstark, was grundsätzlich immer für Spannung sorgt, und boxt aggressiv und daher recht zuschauerfreundlich.

Humberto Soto muss als glasklarer Favorit gelten, da er boxerisch besser ist, unendlich mehr Erfahrung auf diesem Level besitzt, und sich auch in Sachen Schlagkraft sicherlich nicht vor Lacerda verstecken muss. Zudem kann er der größten Stärke seines Gegners, dessen Power, mit einem sehr guten Kinn entgegnen, das ihn bisher so gut wie noch nie im Stich gelassen hat. Das einzige Fragezeichen kam eigentlich beim Einwiegen am Freitagabend auf, als Soto auf die Waage stieg und ziemlich unaustrainiert wirkte. Schon in der Vergangenheit schien er manchmal Probleme zu haben sich gegen schwächere Gegner bestmöglich zu motivieren, was unter anderem dazu führte, dass er 2010 einen Kampf gegen den Kolumbianer Fidel Munoz viel knapper als nötig gewann. Sollte er Lacerda ebenfalls auf die leichte Schulter genommen haben, könnte der Samstagabend für ihn durchaus ein paar Überraschungen bereit halten, doch auch dann sollte man damit rechnen, dass sich der deutlich talentiertere Soto am Ende durchsetzen wird. Tritt Soto hoch motiviert und fokussiert an, müsste er Lacerda wohl problemlos dominieren und voraussichtlich vorzeitig schlagen.

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2 Kommentare

  1. Mr. Wrong
    7. April 2012 at 12:02 —

    wird in der Tat ein geiler Kampf.
    Sotto hat allerdings im Halbwelter noch keine Namen im Rekord.
    Mathysse ist mich für ein leichter Favorit.

  2. HamburgBuam
    7. April 2012 at 12:36 —

    Soto ist total überschätzt. Gegen Diaz war er schwach und mit dem limitierten Antillon musste er durch die Hölle, um zu siegen. Matthysse wird ihn ausknocken.

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