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Vorschau: Gavin Rees vs Derry Matthews II

Auf der Undercard des Kampfes zwischen Kell Brook und Carson Jones kommt es zu einem mit Spannung erwartetem britischen Rückkampf, der durchaus der beste Kampf des Abends auf der Veranstaltung werden könnte. Neun Monate nachdem der erste Kampf zwischen Gavin Rees und Derry Matthews in der vierten Runde wegen eines Kopfstoßes abgebrochen werden musste, treffen die beiden Leichtgewichtler am Samstagabend in Sheffield erneut aufeinander.

Im ersten Kampf der beiden verteidigte Gavin Rees zum ersten Mal seinen europäischen Titel im Leichtgewicht. Der inzwischen 32-jährige Waliser hatte diesen im Kampf zuvor gegen den zuvor ungeschlagenen Andy Murray gewonnen. Es war der vorläufige Höhepunkt seines Comebacks nach seiner bislang einzigen Niederlage. 2008 hatte Andreas Kotelnik ihn in der zwölften Runde gestoppt und seinen frisch gewonnenen WBA-Titel im Halbweltergewicht abgenommen. Der Weg zurück zur Spitze ging für Rees zunächst über das Prizefighterturnier, welches er gewann, 2010 folgte der britische Titel.

Derry Matthews kassierte zu dieser Zeit einige enttäuschende Niederlagen und ging gegen Choi Tseveenpurev, Martin Lindsay, Harry Ramogoadi, Scott Lawton und Gary Buckland KO. Matthews revanchierte sich jedoch in Rückkämpfen gegen Tseveenpurev und Lawton und zeigte sich generell deutlich verbessert und fokussierter. Im April 2011 gewann er den britischen Leichtgewichtstitel gegen Amir Unsworth und sicherte sich auch dadurch den Kampf um die europäische Krone gegen Rees.

Matthews schlug sich als Außenseiter erstaunlich gut und machte Rees das Leben schwer in den ersten vier Runden. Zwar führte Rees auf allen drei Punktkarten zum Zeitpunkt des Abbruchs mit 29-28 und schien langsam die Oberhand zu gewinnen, doch Matthews hielt ihn insgesamt besser auf Distanz als viele vermutet hatten. Ein Kopfstoß verursachte dann einen bösen Cut bei Matthews, der den Abbruch herbeiführte, so dass am Ende ein technisches Unentschieden stand.

Gavin Rees meldete sich seither mit einem vorzeitigen Sieg gegen Anthony Mezaache in dessen Heimat Frankreich zurück, wobei er seinen europäischen Titel verteidigte. Derry Matthews hingegen musste sich zuerst Emilinao Marsili geschlagen geben, der ihn in sieben Runden stoppte, doch meldete sich mit einem phänomenalen Überraschungssieg gegen Anthony Crolla im April zurück.

Der Kampf wird wohl darüber entschieden werden, auf welcher Distanz er gefochten wird. Im ersten Duell fand Derry Matthews sehr früh den richtigen Abstand und konnte mit seinen längeren Armen den kürzeren Rees gut auf Distanz halten. Matthews besitzt dazu das nötige Rüstzeug mit einem ordentlichen Jab und einer guten Workrate. Gavin Rees muss unbedingt effektiv die Distanz verkürzen und in der Halbdistanz arbeiten. Er ist ein Inside Fighter, der starken Druck ausübt und seine Gegner langsam zermürbt. Dabei kann er auf ein sehr gutes Kinn zurückgreifen, was bei seiner etwas löchrigen Deckung wichtig ist.

Auch wenn die Buchmacher Gavin Rees als recht deutlichen Favoriten sehen, halten viele Experten den Kampfausgang für sehr offen. Matthews ist eigentlich in jeden seiner größeren Kämpfe als Außenseiter gegangen und konnte bereits oft überraschen. Zudem besitzt er wirklich recht deutliche körperliche Vorteile gegenüber den kleineren Rees und ist ein guter Distanzboxer. Allerdings glaube ich nicht, dass Gavin Rees ihm stilistisch gut liegt. Zwar konnte Matthews die ersten Runden im ersten Kampf sehr gut gestalten, doch ich hatte stets das Gefühl, dass Matthews das nicht aufrechterhalten könnte, und dass Matthews in der zweiten Kampfeshälfte die Kontrolle übernehmen würde. Daher gehe ich auch im Rückkampf davon aus, dass Matthews anfangs einen guten Eindruck abliefern wird und aus der Distanz heraus gut punktend für einen zuschauerfreundlichen Kampf sorgen wird, aber ab etwa der fünften Runde erwarte ich, dass er immer mehr nachlässt. Da der Kampf auf 12 Runden angesetzt ist, würde ich es auch nicht ausschließen, dass Gavin Rees am Ende Derry Matthews stoppen wird, auch wenn Rees selber nicht der härteste Puncher ist. Sollte Rees sich am Ende durchsetzen, hat sein Promoter Eddie Hearn anscheinend bereits einen WM-Kampf im Oktober gesichert, so dass für den Waliser einiges auf dem Spiel steht.

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