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Vorschau: Derry Matthews vs Emiliano Marsili

Wenn am Freitagabend in Liverpool Derry Matthews und Emiliano Marsili aufeinander treffen, steht der IBO-Titel im Leichtgewicht auf dem Spiel. Doch auch wenn es um eine so genannte WM geht, ist es eher ein Kampf auf dem Niveau der europäischen Spitze. Nichtsdestotrotz ist es eine interessante Ansetzung.

Derry Matthews boxte zuletzt tatsächlich um die europäische Krone. Im letzten Oktober forderte er den Europameister Gavin Rees heraus, doch der Kampf endete in der vierten Runde in einem technischen Unentschieden, nachdem Matthews sich bei einem unabsichtlichen Kopfstoß die Nase gebrochen hatte. Seine Karriere war zuvor auf und ab gegangen. Nach 20 Siegen zum Auftakt, in denen er sich unter anderem den britischen Federgewichtstitel sicherte, verlor er seinen ersten Kampf überraschend gegen den unorthodoxen Mongolen Choi Tseveenpurev. Im Jahr zuvor war Matthews noch zum besten Nachwuchsboxer Großbritanniens gewählt worden, doch Tseveenpurev zerstörte die großen Hoffnungen, die in Matthews gesetzt wurden, als er ihn in fünf Runden nach fünf Niederschlägen stoppte. Drei Monate später betrat Matthews den Ring das nächste Mal, und blieb bei seiner Rückkehr nach Punkten siegreich. Es folgte jedoch die vielleicht schwierigste Zeit seiner Profikarriere, als er in den nächsten sechzehn Monaten alle seine drei Kämpfe vorzeitig verlor und damit immer mehr im Hintergrund der britischen Szene verschwand.

2010 folgten zwei Siege gegen Aufbaugegner, bevor er sein Glück im Prizefighter-Turnier suchte. Dort besiegte er in der ersten Runde Gary McArthur durch TKO, um im Halbfinale am selben Tag auf den Mann zu treffen, der seine Abwärtsspirale der letzten Jahre eingeleitet hatte. Im Rückkampf mit Choi Tseveenpurev blieb Matthews dieses Mal in einer wahren Schlacht nach Punkten siegreich, woraufhin er jedoch später am Abend im Finale von Gary Buckland ausgeknockt wurde. Nichtsdestotrotz hatte sich Matthews wieder einen Namen gemacht, und in seinem übernächsten Kampf gelang es ihm erneut den britischen Titel zu gewinnen, dieses Mal im Leichtgewicht. Vier Siege in Folge standen auf seinem Konto vor dem Kampf um den europäischen Titel, der dann im technischen Unentschieden endete.

Für Emiliano Marsili hingegen ging es bisher nur aufwärts. Der 35-jährige Italiener ist in 24 Kämpfen noch ungeschlagen, auch wenn die Prüfsteine absolut fehlen. In seinem ersten Kampf um den italienischen Leichtgewichtstitel reichte es 2006 für ihn nur zu einem Unentschieden, 2010 gewann er ihn dann und verteidigte ihn daraufhin zwei Mal erfolgreich. Marsili hat bisher alle seine Kämpfe in Italien, wo die nationale Szene deutlich schwächer ist als in Großbritannien, bestritten, und seine Gegner lassen nur ganz wenige Rückschlüsse auf seine Qualität ziehen.

Auf Film wirkt der Mann aus Lazio wie ein athletisches Energiebündel, das aus der Rechtsauslage heraus boxt. Er springt viel herum, ist stets auf seinen Zehenspitzen und attackiert aus vielen verschiedenen Winkeln heraus. Dadurch, dass er die Füße nie richtig aufsetzt, generiert er wenig Power, was auch seine niedrige KO-Quote widerspiegelt. Zudem hat er technische Schwächen und ist oft zu weit mit seinen Schlägen und neigt dazu ein wenig dreckig zu kämpfen.

Auch Matthews ist eher ein Boxer, ist jedoch technisch stärker und wohl auch ein bisschen schneller. Möglicherweise schlägt er sogar etwas härter zu als Marsili. Seine größte Schwäche ist jedoch sein schwaches Kinn. Alle seine Niederlagen kamen vorzeitig zu Stande, und er erlitt dabei einige wirklich brutale Niederschläge. Die Frage ist jedoch, ob Marsili in der Lage sein wird das auszunutzen.

Marsilis Rechtsauslage könnte Matthews ein paar Probleme machen, da es schon ein wenig her ist, dass der Mann aus Liverpool zuletzt mit einem Rechtsausleger im Ring stand, doch ansonsten sehe ich persönlich die Vorteile beim Engländer. Matthews ist boxerisch überlegen und genießt zudem einen nicht zu unterschätzenden Heimvorteil, der vor allem zur Geltung kommen könnte, wenn der Kampf über die volle Distanz geht und damit in die Hände der Punktrichter gelegt wird. Allerdings sollte man Marsili auch nicht komplett abschreiben. Er ist ungeschlagen, und ungeschlagene Boxer leisten meistens besonderen Widerstand, wenn ihr perfekter Kampfrekord bedroht wird, und sind manchmal in der Lage sich noch einmal unerwartet zu steigern, wenn die Qualität ihrer Gegner plötzlich ansteigt. Zudem besitzt er einen durchaus unorthodoxen Stil, der Matthews Probleme bereiten könnte.

Trotzdem sehe ich Derry Matthews als Favoriten und am Ende des Abends als Sieger nach Punkten. Der 28-Jährige hat einen guten Lauf und scheint mir am Zenit seines Könnens zu sein, während Marsili mit 35 Jahren schon nicht mehr der Allerjüngste ist. Ich räume dem Italiener durchaus die Chance ein einen schockierenden Abbruchsieg einzufahren, doch ein recht eindeutiger Punktsieg für Matthews ist wohl am wahrscheinlichsten.

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2 Kommentare

  1. Sugar
    19. Januar 2012 at 22:02 —

    Benjamin

    Schöner Bericht in dem alles steht was man wissen muß zu diesen Kampf,allerdings ist das Interesse zu diesen Kampf in Deutschland wohl eher mau.

  2. Tom
    19. Januar 2012 at 22:46 —

    @ Benjamin

    Du schreibst immer recht gute Berichte,auch über Boxer die man vielleicht in Deutschland nicht so kennt,mir sind beide unbekannt,das man Lust bekommen könnte einen Livestream zu suchen,aber leider arbeite ich Freitagsabends und somit viel Spaß denjenigen die diesen Kampf sehen können!

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