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Vorschau: Colin Lynes vs Junior Witter II

Am Samstagabend kommt es in Sheffield zu einem Rückkampf zweier britischer Veteranen. Wenn Colin Lynes und Junior Witter sechseinhalb Jahre nach ihrem ersten Duell erneut aufeinander treffen, steht dabei der britische Weltergewichtstitel auf dem Spiel.

Junior Witter hat mit seinen 38 Jahren eine illustre Karriere hinter sich, bei der unter anderem ein WM-Titel im Halbweltergewicht heraus sprang. Vor zwölf Jahren scheiterte er noch in seinem ersten Versuch an Zab Judah, doch 2006 gewann Witter schließlich den vakanten WB-Gürtel gegen DeMarcus Corley. In seiner dritten Titelverteidigung verlor er diesen jedoch dann an Timothy Bradley, und sein bislang letzter Versuch einen WM-Titel zu ergatten, scheiterte 2009 an Judahs und Bradleys Landsmann Devon Alexander. In seiner Profikarriere, die inzwischen 47 Kämpfe umfasst, besiegte Witter unter anderem gute Boxer wie Lovemore Ndou, DeMarcus Corley, Vivian Harris oder Andreas Kotelnik, befindet sich aber inzwischen eindeutig nahe am Ende seiner Karriere. In den letzten acht Kämpfen setzte es vier Niederlagen, und zuletzt reichte es nicht einmal mehr zur nationalen Spitze.

Für Colin Lynes langte es nie wirklich zur erweiterten Weltspitze, dafür befindet sich der inzwischen 34-Jährige noch deutlich näher an seinem Zenit als Junior Witter. Seine gesamte Karriere pendelte Lynes zwischen britischem und europäischem Topniveau und unterlag dabei stets bekannteren Gegnern wie Gianluca Branco, Paul McCloskey, Souleymane M’baye, Gavin Rees oder Ajose Olusegun. Zuletzt sicherte er sich den britischen Titel durch einen knappen Punktsieg über Lee Purdy.

Im Oktober 2010 trafen Witter und Lynes bereits einmal aufeinander. Damals ging es um den europäischen, britischen und um den Commonwealt-Titel, die Witter allesamt gewann beziehungsweise erfolgreich verteidigte. Er setzte sich einigermaßen knapp nach Punkten durch. Erst letztes Jahr wäre es beinahe zum Rückkampf im Zuge des Prizefighter-Turniers gekommen. Sowohl Lynes als auch Witter setzten sich in der ersten Runde durch und standen damit beide in unterschiedlichen Halbfinalpaarungen. Witter schlug Kevin McIntyre um ins Halbfinale einzuziehen, doch Lynes unterlag etwas umstritten und sehr knapp nach Punkten gegen Yassine El Maachi, was damit den Rückkampf im Finale verhinderte. Auch Witter verlor in der Folge im Finale knapp gegen El Maachi.

Colin Lynes ist ein ordentlicher Distanzboxer, der sich gut bewegt und einen ordentlichen Jab sein Eigen nennt, während Junior Witter stets von seinem unkonventionellen Stil gezehrt hat. Er lässt seine Hände oft sehr niedrig hängen und attackiert überraschend und aus ungewöhnlichen Winkeln. Die Krux ist in diesem Kampf jedoch, meiner Meinung nach, nicht der Stil der beiden Boxer, sondern vielmehr das boxerische Alter von Junior Witter. Hatte er 2005 schon ein paar stilistische Probleme mit Lynes, wird es 2012 für ihn wohl fast unmöglich sein den Sieg zu wiederholen. Dafür ist Witter inzwischen viel zu weit von seiner Topform entfernt. Der 38-Jährige ist zuletzt nur noch ein Schatten seiner selbst gewesen, während Lynes in seinem letzten Kampf gegen Purdy noch einen seiner besten Siege seiner Karriere einfuhr.

Witter ist zäh und nicht ganz leicht sauber zu treffen und wird daher vom sowieso nicht hart punchenden Lynes kaum gestoppt werden. Die einzige vorzeitige Niederlage Witters war der Abbruch gegen Devon Alexander, als Witter zum Unmut des Publikums aufgab und eine Handverletzung als Grund angab. Daher ist der sichere Tipp für den Kampf ein klarer Punktsieg für den um Längen frischeren, wenn auch nur vier Jahre jüngeren Colin Lynes.

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