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Vorschau: Chris John vs Shoji Kimura

WBA-Federgewichtsweltmeister Chris John verteidigt am Samstagabend in Singapur seinen Gürtel bereits zum sechzehnten Mal. Doch während die Fans auf der ganzen Welt hoffen, dass der ungeschlagene Indonesier endlich mal wieder einen Hochkaräter vor die Fäuste bekommt, tritt er nun gegen den eher unbekannten Japaner Shoji Kimura in den Ring.

Seit mittlerweile mehr als achteinhalb Jahren hält Chris John nun verschiedene Versionen des Titels der WBA, welche scheinbar wahllos zwischen Interimsgürtel, dem normalen Titel und dem „Super“titel variierte. Dabei besiegte er starke Gegner wie Derrick Gainer, Juan Manuel Marquez oder Rocky Juarez, aber leider auch immer wieder zwischendurch stark überforderte Herausforderer, während Kämpfe gegen die restlichen Stars seiner Gewichtsklasse wie Celestino Caballero, Juan Manuel Lopez, Yuriorkis Gamboa oder Orlando Salido lange Zeit sehnsüchtig erwartet wurden. Erst drei Jahre nachdem er mit Juan Manuel Marquez einen absoluten Topmann kontrovers besiegt hatte, wagte er ein Risiko, als er 2009 erstmals in die USA ging und dort gegen Rocky Juarez antrat. Während er im ersten Kampf noch um einen klaren Sieg betrogen wurde und sich mit einem Unentschieden begnügen musste, kam er im zweiten Kampf zu einem hoch verdienten Punktsieg, geriet aber in der letzten Runde in große Probleme. Seitdem hat sich John wieder in seine Heimat zurückgezogen und verteidigt seinen Titel gegen eine risikoärmere Gegnerschaft.

Auch sein Gegner am Samstag, Shoji Kimura, hat es in seiner bisherigen Karriere kaum aus seiner Heimat Japan heraus geschafft. Dort erarbeitete er sich in dreizehn Jahren als Profi bis 2010 einen ordentlichen Kampfrekord, der ihm einen Titelkampf ermöglichte. Zwar hatte Kimura seinen letzten Kampf gegen den starken Masaaki Serie knapp verloren, doch Superbantamgewichtsweltmeister Poonsawat Kratingdaenggym bot ihm die Chance auf einen Kampf um den WBA-Titel. Kimura fiel jedoch dem schlagstarken Thailänder in dessen Heimat zum Opfer und wurde in vier Runden gestoppt, woraufhin Kimura eine fast zweijährige Auszeit aus dem Boxring einlegte. Als er diesen Januar jedoch zurückkehrte, sorgte er für eine Überraschung, als er seinen Landsmann Ryol Li Lee bezwang. Lee war Ex-Weltmeister, nachdem er Poonsawat direkt nach dessen Kampf mit Kimura hatte entthronen können, ehe Lee den Titel direkt wiederum verlor.

Chris John ist inzwischen auch schon 32 Jahre alt, und die allgemeine Meinung geht dahin, dass er sich langsam auf dem absteigenden Ast befindet. Trotzdem ist er weiterhin ein exzellenter purer Boxer mit schnellen Händen, sehr viel Erfahrung, guter Beinarbeit, starkem boxerischem Verstand und einem sensationellem Timing. Er boxt vorzüglich aus der Distanz, doch ist sich auch nicht zu schade ab und an Schlagabtausche zuzulassen, in denen er sich stets auf sein gutes Kinn verlassen kann, wenn auch weniger auf seine doch eher geringe Schlagkraft. Shoji Kimura ist ebenfalls eher ein klassischer Boxer und kann Chris John was die Schnelligkeit der Hände angeht durchaus das Wasser reichen. Allerdings boxt er insgesamt längst nicht so clever und präzise wie der verteidigende Weltmeister und lässt auch in der Defensive deutlich größere Lücken, die er sich gegen einen Gegner von Johns Qualität nicht erlauben kann.

In Indonesien ist Chris John ein absoluter Star, und sein Matchmaking zeigt an, dass man nicht gewillt ist die Geldquelle all zu schnell versiegen zu lassen. Johns Gegner werden schon seit Längerem so gewählt, dass er seinen Titel mit ziemlicher Sicherheit behalten wird, und auch dieses Mal hat sein Team wohl keine all zu große Hürde gewählt. Kimura ist zwar ein guter Mann, doch befindet sich schlichtweg nicht in der Klasse, in der Chris John seit Jahren operiert. Es besteht natürlich die Gefahr, dass Chris John bei der Unzahl seiner Titelverteidigungen irgendwann eine auf die leichte Schulter nimmt oder plötzlich über Nacht altert, doch die Anzeichen dafür waren bisher nicht sehr groß, und ich würde nicht darauf setzen, dass seine Siegesserie am Samstag in Singapur ein Ende findet. Die sichere Wette ist definitiv ein ziemlich ungefährdeter Punktsieg für den amtierenden Weltmeister.

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