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Vorschau: Bernard Hopkins vs Chad Dawson II

Der am meisten beachtete Kampf des Wochenendes findet am Samstagabend in Albuquerque statt. Im heiß erwarteten Rückkampf um den WBC-Titel im Halbschwergewicht treffen Bernard Hopkins und Chad Dawson aufeinander. Ihr erster Kampf endete im letzten Oktober im Endeffekt in einem No Contest, nachdem Bernard Hopkins nach einem etwas bizarren Unfall nicht weiter machen konnte.

Die Geschichte von Bernard Hopkins ist gut dokumentiert und braucht kaum wiederholt zu werden. Der inzwischen 47-Jährige fand im Gefängnis so richtig zum Boxsport, verlor in Freiheit später sein Profidebüt ehe er von 1995 bis 2005 das Mittelgewicht regierte und eine Rekordzahl an Titelverteidigungen absolvierte. Jenseits der Vierzig sorgte er dann im letzten Jahrzehnt weiter für Aufsehen, als er im Halbschwergewicht unter anderem Antonio Tarver entthronte, Mittelgewichtschamp Kelly Pavlik komplett vorführte, die lange überfällige Revanche gegen Roy Jones Jr. schaffte und sich in zwei Kämpfen gegen den fast 20 Jahre jüngeren Halbschwergewichtschamp Jean Pascal als besserer Mann erwies. Im letzten Oktober stellte er sich dann der großen Herausforderung gegen Chad Dawson anzutreten, der von vielen Experten seit Hopkins Ankunft im Halbschwergewicht und Dawsons Emporkommen als einer der besten seiner Gewichtsklasse als absolutes stilistisches Gift für “B-Hop” gehandelt worden war.

Chad Dawson hatte ebenfalls zu diesem Zeitpunkt etwas zu beweisen, da er seine erste und bis jetzt einzige Profiniederlage noch frisch im Kopf hatte. Nachdem er Anfang 2007 den WBC-Titel gegen Tomasz Adamek gewonnen hatte und sich in weiteren Titelkämpfen, allen voran in jeweils zwei Kämpfen gegen die Oldies Antonio Tarver und Glen Johnson, bewiesen hatte, unterlag er im August 2010 dem Kanadier Jean Pascal nach einer lustlosen Vorstellung nach Punkten. Bevor es zum geplanten Rückkampf kommen konnte, hatte Bernard Hopkins Pascal schon entthront, und Dawson arbeitete auf ein Duell mit der 18 Jahre älteren Legende hin.

Als es schließlich am 15. Oktober so weit war, verließen die Zuschauer das Staples Center in Los Angeles nach nicht einmal zwei ganzen Runden enttäuscht. Als sich Hopkins in der zweiten Runde nach einer verpassten rechten Geraden auf Dawson lehnte, richtete sich dieser auf und schmiss Hopkins damit zu Boden. Dieser landete unter den Ringseilen auf dem Rücken und verletzte sich dabei anscheinend seine linke Schulter schwerwiegend. Nach einigem Hin und Her wurde der Kampf daraufhin abgebrochen, und Chad Dawson zum Sieger durch technischen KO erklärt. Hopkins legte Einspruch ein und einige Zeit später wurde das offizielle Resultat tatsächlich in einen No Contest geändert.

Dass die meisten Zuschauer von dem Kampf jedoch nur noch die Szenen rund um die Verletzung Hopkins im Kopf haben, liegt nicht nur an deren Bizarrheit, sondern vor allem auch daran, dass in den ersten fünfeinhalb Minuten, in denen im Ring tatsächlich geboxt wurde, nicht sonderlich viel passierte. Leider erwarten sich auch nur die größten Optimisten mehr vom Rückkampf.

Es ist kaum hoch genug zu bewerten, dass Bernard Hopkins im Alter von 47 Jahren noch auf so einer großen Bühne und auf so einem Niveau boxen kann, doch um die nachlassenden Reflexe zu kompensieren und dem Alter Tribut zu zollen, hat er in den letzten Jahren mehr und mehr in die Trickkiste greifen müssen und seinen Stil ehrlich gesagt immer unansehnlicher gestalten müssen. Er ist ein absoluter Meister darin die Stärken des Gegners zu neutralisieren und den Kampf in der Distanz und auf dem Tempo stattfinden zu lassen, das er bevorzugt. Die Aktivität seiner Gegner sinkt meistens drastisch wenn sie mit ihm im Ring stehen im Vergleich zu anderen Kämpfen, und es ist generell schwer Hopkins mit einem klaren Treffer zu erwischen. Andererseits macht er auch selber zunehmend weniger. Er schlägt inzwischen im Grunde nur noch sporadisch, initiiert viele Clinches und nutzt generell jede Chance das Tempo ein wenig zu verschleppen.

Und das ist es natürlich, was Dawson überhaupt nicht will. Als deutlich jüngerer, fitterer und schnellerer Mann im Ring will er möglichst ein hohes Tempo gehen und aus der Distanz heraus boxen. Dawson besitzt einen hervorragenden Jab, mit dem er ganz alleine Kämpfe gewinnen kann, und den Hopkins irgendwie neutralisieren werden muss.

In all den Jahren, die Bernard Hopkins im Boxsport ist, hat man gelernt, dass man möglichst nie gegen ihn wetten sollte, da er immer wieder in der Lage ist einen zu überraschen, doch in diesem Kampf führt für mich einfach kaum ein Weg an Chad Dawson als Sieger vorbei. Der einzige kleine Zweifel, den ich daran habe, dass Dawson als Sieger nach Punkten hervorgehen wird, ist sein mentaler Zustand. Dieser kostete ihm meiner Meinung nach den Kampf gegen Jean Pascal, und Hopkins ist ein Meister der Kopfspiele. Doch ansonsten sind die Vorteile einfach zu deutlich bei Dawson verteilt. Aus der Distanz heraus sollte er in der Lage sein Hopkins mit Aktivität zu erdrücken und generell auszupunkten, nicht ganz unähnlich wie es Jermain Taylor zwei Mal, wenn auch etwas umstritten, im Jahre 2005 tat. Auch wenn ich es bereuen werde gegen Hopkins getippt zu haben, wenn dieser einmal mehr die Uhr zurück drehen sollte, lege ich mich auf einen Punktsieg für Chad Dawson fest, sofern wir dieses Mal einen Kampf sehen, in dem auch tatsächlich mehr ums Boxen geht als um Fouls und Unsauberkeiten. Doch auch wenn es dieses Mal nicht ein vorzeitiges Ende dank unvorhersehbarer Ereignisse geben sollte, ist sicherlich kein besonders zuschauerfreundlicher Kampf zu erwarten.

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14 Kommentare

  1. boxfan85
    28. April 2012 at 10:28 —

    Ich denke Hopkins gewinnt das Ding.

  2. qube
    28. April 2012 at 10:57 —

    super geschrieben, hat spaß gemacht zu lesen

  3. underdogm-nhs
    28. April 2012 at 13:30 —

    Auf jedenfall gut verfasst hopkins soll langsam mal abtreten und den junge n den vorrang geben es reicht gegendawson kriegt er ne mega tracht prügel total unnötig hätte schon längst als super boxer abtreten sollen und nicht jetzt noch ein kampf nach den anderen verlieren leider is es so jetzt is er an ein punkt angelangt wo er mit der elite nicht mithalten kann

  4. Ferenc H
    28. April 2012 at 13:42 —

    Guter Artikel Benjamin

  5. Bangs
    28. April 2012 at 21:13 —

    gibt es einen live stream??? 😉

  6. dcvdns
    29. April 2012 at 02:30 —
  7. matthias
    29. April 2012 at 05:59 —

    dawson hat verdient diesen langweiligen Kampf gewonnen ich gehe jetzt schlafen.

  8. Boxen ist doch nur noch Scheiße
    29. April 2012 at 06:00 —

    Ohne Betrug im Boxen geht es wohl nicht mehr. Die beiden Punktrichter waren die einzigsten Menschen auf der Welt, die Dawson vorne gesehen haben. Es macht einfach keinen Spass mehr Boxen zukucken, dabei könnte es die beste Sportart sein.

  9. kolbo
    29. April 2012 at 06:07 —

    weiß nicht welchen kampf du gesehen hast. Ich war für hopkins und hatte leider einiges an geld auf ihn gesetzt, aber er hat den kampf verdient und klar verloren. hatte dawson mit 8 zu 4 runden vorne

  10. Boxen ist doch nur noch Scheiße
    29. April 2012 at 06:10 —

    Der Kampf war sehr ausgeglichen meinen Meinung nach, wie man da Dawson 7 Runde vorne haben kann?

  11. kevin22
    29. April 2012 at 09:52 —

    @ Boxen ist doch nur noch Scheiße

    Die WM im zweihändigem Daueronanieren steht bald an, das wäre doch sicherlich was für dich!? 😉

  12. Heinz Werner Brenner
    29. April 2012 at 10:46 —

    hoffenlich kommt jez dawson-cloud

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