Top News

Vorschau: Beibut Shumenov vs. Vyacheslav Uzelkov

Am Freitagabend verteidigt der kasachische Halbschwergewichtsweltmeister Beibut Shumenov seinen WBA-Titel in Kalifornien gegen den ungeschlagenen Ukrainer Vyacheslav Uzelkov. Der fünf Jahre jüngere Shumenov geht zwar als Weltmeister, aber nicht unbedingt als Favorit in den Kampf.

Das liegt unter anderem daran, dass er sich sehr glücklich schätzen kann sich überhaupt Weltmeister nennen zu können. Nachdem er sehr schnell aufgebaut wurde, und bereits im sechsten Profikampf Ex-Weltmeister Montell Griffin schlug, unterlag er im August 2009 in seinem neunten Profikampf und erstem Titelkampf dem verteidigenden Weltmeister Gabriel Campillo knapp nach Punkten. Ein Rückkampf wurde angesetzt, und im Januar 2010 trafen die beiden erneut aufeinander; dieses Mal nicht in Kasachstan, sondern auf „neutralem“ Boden in Las Vegas. Campillo bestimmte den Kampf und gewann nach fast einstimmiger Meinung einigermaßen deutlich. Nur zwei der drei Punktrichter sahen es anders und gaben Beibut Shumenov den schmeichelhaften Sieg und ihn damit zum Weltmeister.

Shumenovs erste Titelverteidigung kommt nun gegen den einzigen Mann, der eben diesen Gabriel Campillo bisher stoppen konnte und ihn als einziger deutlich schlagen konnte. Im September 2007 knockte Vyacheslav Uzelkov Campillo in der sechsten Runde aus, nachdem Campillo bis dahin den besseren Eindruck gemacht hatte. Seitdem feierte er fünf weitere Siege, unter anderem gegen Alejandro Lakatos, der letzte Woche eigentlich Jürgen Brähmer hätte herausfordern sollen.

Uzelkov ist ein gefährlicher Gegner für Shumenov, was nicht nur der Quervergleich der beiden mit ihren Kämpfen gegen Campillo zeigt. Der Ukrainer ist ein sehr selbstbewusster und zäher Boxer mit sehr ordentlichem Punch. Auch wenn es einige Unterschiede gibt, lässt sich sein Stil zumindest einigermaßen, um ihn zu verdeutlichen, mit dem von Arthur Abraham vergleichen: Oft übt Uzelkov mit hoher Doppeldeckung nach vorne gehend Druck auf den Gegner aus um dann plötzlich explosive, sehr harte Serien zu schlagen. Ähnlich wie Abraham besitzt er allerdings auch nicht die beste Workrate und ist durch hohe Aktivität zu bezwingen, bleibt aber zu jedem Zeitpunkt durch seine Schlagkraft gefährlich. Besonders sein linker Haken kann jederzeit den Kampf beenden, denn auch wenn sein Kampfrekord nicht wirklich darauf hindeutet, dass er ein KO-Puncher ist, besitzt er doch ordentlich Dampf in den Fäusten.

Auch Shumenov besitzt einiges an Schlagkraft, und geht normalerweise immer nach vorne. Er ist unkonventioneller als Uzelkov, aber auch möglicherweise etwas eindimensionaler als der Ukrainer.

Die erste entscheidende Frage im Kampf wird sein, wer wen in den Rückwärtsgang zwingen kann, in dem beide Boxer nicht so effektiv sind wie im Vorwärtsgang. Ich habe das Gefühl, dass sich Uzelkov als physisch stärker erweisen wird und Shumenov rückwärts drängen wird. Schon im Rückkampf mit Campillo hatte Shumenov große Probleme mit dem Druck ausübenden Spanier. Der Kasache besitzt außerdem nicht immer die beste Deckung, und er neigt dazu die Fäuste im Laufe des Kampfes immer tiefer fallen zu lassen. Gegen Uzelkov kann er sich das nicht erlauben, wenn er nicht auf dem Ringboden landen will.

Im zweiten Kampf mit Campillo legte Shumenov viel Schlagkraft in jeden seiner Schläge, doch ich glaube nicht, dass das seine Strategie gegen Uzelkov sein sollte. In offenen Schlagabtäuschen sehe ich ihn im Nachteil, da mir Uzelkov als zäher und als der etwas härtere Puncher erscheint. Vielmehr sollte Shumenov versuchen es auszunutzen, dass sein Gegner nicht immer sehr aktiv ist. Shumenov sollte viel schlagen und dabei nicht unbedingt darauf achten, dass hinter jedem Power steckt, um Uzelkov schlichtweg über die Aktivität zu schlagen. Uzelkov wird wohl auf den KO aus sein, sollte aber trotzdem auch seine Workrate erhöhen um nicht nach Punkten früh deutlich zurück zu liegen und dann den KO dringlich zu brauchen.

Der Kampf verspricht einiges an Action und ist zudem noch ziemlich ausgeglichen. Uzelkov ist jedoch für mich leichter Favorit. Shumenov wird einige Runden dadurch gewinnen, dass er einfach mehr schlägt, aber Uzelkov wird des Öfteren klar durchkommen und harte Treffer landen, die ihm seinerseits Runden sichern. Shumenov, der inzwischen von Dan Goosen promotet wird, besitzt in den USA wohl den ominösen Heimvorteil, der in einem engen Kampf möglicherweise am Ende den Ausschlag gegen könnte, aber Uzelkov hat die Möglichkeiten den Kampf gar nicht über die Punkte gehen zu lassen.

Ich glaube zwar nicht, dass Uzelkov Shumenov stoppen wird, aber ich kann mir vorstellen, dass er ihn im Verlauf des Kampfes zu Boden schickt, und, möglicherweise durch gerade diesen Extrapunkt, knapp nach Punkten gewinnen wird. Es ist allerdings wirklich alles möglich in diesem Kampf, und das Einzige, das sicher scheint, ist, dass es ein interessanter actionreicher Kampf werden wird.

Update:

Vyacheslav Uzelkov hat einige Probleme im Vorfeld des Kampfes. Sowohl seinem Trainer als auch seinem Cutman wurde die Einreise in die USA verweigert, so dass er ohne beide in den Kampf geht. Während bereits ein kurzfristiger Ersatztrainer mit Sergey Gorodnichev gefunden, wird immer noch ein Cutman für Uzelkov gesucht. Zudem bekam der Ukrainer erst wenige Stunden vor dem offiziellen Einwiegen die Chance Probe zu wiegen, so dass er sich vorher runterhungerte, da er sein genaues Gewicht nicht wusste.

Diese Umstände machen es Uzelkov natürlich schwerer, und vor allem die Abwesenheit eines vertrauten Trainers sollte nicht unterschätzt werden. Die Chancen für Shumenov steigen damit natürlich auf der einen Seite, während diese Kontroversen Uzelkov auf der anderen Seite auch noch einmal richtig motivieren sollten, falls das nicht sowieso schon der Fall war.

Voriger Artikel

ARENA-Boss Öner über den Weggang von Gomez: "Er hat bei mir in drei Jahren mehr verdient, als in zehn Jahren Universum"

Nächster Artikel

Klitschko - Povetkin abgesagt: Samuel Peter springt am 11. September ein

Keine Kommentare

Antwort schreiben