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Vorschau: Amir Khan vs Marcos Rene Maidana

Es ist das klassische Aufeinandertreffen von Boxer und Puncher. Die Boxgeschichte ist voll von ähnlichen Duellen, in denen entweder der schnelle Techniker den langsamen Schläger ausboxen konnte, oder der schlagstarke Puncher den nicht so eisenharten Boxer aus dem Ring gefegt hat. Am Samstagabend steht ein weiteres Kapital an, wenn der Engländer Amir Khan auf den Argentinier Marcos Rene Maidana trifft, und dabei der WBA-Titel im Halbweltergewicht auf dem Spiel steht.

Amir Khan hat sich in letzter Zeit unter der Anleitung von Startrainer Freddie Roach immer mehr zu dem Boxer entwickelt, zu dem viele Experten seit lange das Potenzial bei ihm sahen. Als er im September 2009 in 54 Sekunden von Breidis Prescott zerstört wurde, sah man vielerorts schon die Traumblase platzen. Khans Kinn, welches auch schon vorher als anfällig galt, wurde nun völlig in Frage gestellt und als Glaskinn verspottet. Dass ein völlig unbekannter Kolumbianer die größte britische Boxhoffnung in weniger als einer Minute der Lächerlichkeit preisgegeben hatte, war schon schlimm genug, als sich dann in den nächsten Monaten herausstellte, dass dieser Kolumbianer nichts Besonderes war, und zwei seiner nächsten drei Kämpfe verlor, setzte dem Ganzen die Krone auf.

Doch Amir Khan nahm ein paar Veränderungen vor, wechselte zu Trainer Freddie Roach, boxte vorsichtiger, nahm erst einmal wieder leichtere Kämpfe an, und stieg dann eine Gewichtsklasse auf, wo er bisher etwas zäher erschien. Zudem wurde er intelligent gemanagt, und bekam vornehmlich Gegner vorgesetzt, die sein Kinn kaum testen konnten. Sein erster Titelkampf 2009 kam gegen Andreas Kotelnik, ein exzellenter, routinierter Techniker, der aber über kaum Schlagkraft verfügt, seine erste Titelverteidigung kam gegen den völlig ungetesteten Dimitry Salita, der zudem auch nicht gerade als Puncher bekannt war. In seinem letzten Kampf stieg Khan mit Paulie Malignaggi in den Ring, der zwar schon seit etlichen Jahren auf Weltklasseniveau agiert, aber dort zu den schlagschwächsten Boxern überhaupt gehört, und in 31 Kämpfen nur fünf Mal vorzeitig gewinnen konnte.

Diese risikoaverse Strategie erntete ihm natürlich auch einiges Kritik, zumal sein Pflichtherausforderer bereits seit Längerem Marcos Rene Maidana war, ein mörderischer Puncher aus Argentinien, der zu dem Zeitpunkt 27 seiner 28 Siege durch KO errungen hatte. Zwischendurch wurde Maidana sogar bezahlt um für eine Zeit lang beiseite zu treten, so dass Khan noch einige Kämpfe vorher einschieben konnte. Doch nun ist die Zeit gekommen, dass Khan und Maidana zusammen in den Ring steigen.

Der Argentinier, auch „El Chino“ genannt, hatte bereits im Februar 2009 seinen ersten Titelkampf. In Rostock unterlag er damals äußerst knapp und etwas umstritten Andreas Kotelnik nach Punkten, und erlitt damit seine erste Profiniederlage. Vier Monate später sollte er als Opfer für den hoch gehandelten US-Amerikaner Victor Ortiz herhalten, der mit dem Kampf den Interimstitel der WBA gewinnen sollte. Ortiz hatte jedoch Maidana nicht auf der Rechnung, und der Argentinier überstand drei Niederschläge um Ortiz zweimal zu Boden zu schicken und schließlich in der sechsten Runde in einem der besten Kämpfe des Jahres zu stoppen.

Auf der internationalen Bühne war der Kampf das Coming Out für Maidana, der nicht nur seine Klasse zeigte, sondern auch seine Zuschauerfreundlichkeit mit seiner enormen Schlagkraft und seinem actionreichen Boxstil. Maidana machte zwei Titelverteidigungen gegen überforderte Gegner in William Gonzalez und Victor Cayo, die er jeweils kurzrundig gewann. Als der Kampf gegen Khan immer näher rückte, folgte noch eine Titelverteidigung gegen den Veteranen DeMarcus Corley, der mit seiner Schnelligkeit und seiner guten Defensive Maidana auf den Briten vorbereiten sollte. Zum ersten Mal seit dem Kotelnik-Kampf sah Maidana aber nun nicht mehr wie eine boxerische Dampfwalze aus, die ihre Gegner schonungslos aus dem Ring bombt. Das einstimmige Urteil für ihn fiel in seiner Heimat Argentinien zwar sehr eindeutig für ihn aus, und Corley war auch einmal am Boden, doch es war in Wahrheit ein sehr enger Kampf gewesen, in dem Maidana wahrlich nicht glänzen konnte.

Die gleichen Probleme, die der stark gealterte Corley Maidana geben konnte, dürfte Khan ihm auch geben, nur noch auf einem ganz anderen Niveau. Khan ist unheimlich schnell, so schnell wie kaum ein anderer Boxer derzeit. Kotelnik fand überhaupt kein Mittel gegen Khans blitzschnelle Fäuste, und auch Malignaggi, der meist in seiner Karriere der schnellere Mann im Ring war, schien völlig überfordert mit der Geschwindigkeit, mit der Khans Fäuste auf ihn einprasselten. Zudem hat er eine sehr gute Technik um die Schläge ordentlich ins Ziel zu bringen und gute Reflexe um den Schlägen des Gegners zu entgehen. Auch seine Schlagkraft halte ich für etwas unterschätzt, und es würde mich nicht überraschen, wenn er Maidana auf seinen Hosenboden schicken kann. Doch dem Ganzen steht natürlich sein fragwürdiges Kinn gegenüber.

Schon in seiner sehr guten Amateurkarriere kamen die Fragen bezüglich seiner Nehmerfähigkeiten und ein paar Niederschläge bei den Profis gegen durchschnittliche Puncher, sowie die desaströse KO-Niederlage gegen Prescott ließen sein Kinn zum Hauptgegenstand jeder Diskussion um Amir Khan werden. Er hat natürlich seit der Niederlage noch nicht viele harte Schläge schlucken müssen, aber der Aufstieg ins Halbweltergewicht dürfte ihm deutlich geholfen haben solche Treffer besser verarbeiten zu können. Im Leichtgewicht prahlte Khan, der oft etwas arrogant herüber kommt, häufig damit, einen extrem niedrigen Körperfettanteil zu haben, was natürlich den Nehmerfähigkeiten nicht gerade förderlich sein kann. Das zugelegte Gewicht und seine Arbeit mit Fitnesscoach Alex Ariza, der auch für den Gewichtsklassenaufstieg von Manny Pacquiao hauptverantwortlich zeigt, haben meiner Meinung nach Khans Kinn um einiges stabiler gemacht. Ob es einem Volltreffer von Marcos Maidana deswegen standhalten kann, bleibt aber natürlich weiter fraglich.

Denn Maidana ist womöglich der größte Puncher der Gewichtsklasse. Er ist nicht der Allerschnellste, wenn er auch nicht langsam ist, hat eine ordentliche, aber keine wirklich gute Technik, und wird Reichweitennachteile gegen den Distanzboxer Khan haben. Aber sein Punch kann das alles wettmachen. Die Frage ist nur, ob er diesen einen Volltreffer landen kann, der Khan in den Zustand befördert, in den Prescott ihn prügelte. Sein Vorteil ist dabei sicherlich, dass er nicht ganz ein klassischer Puncher ist, der 12 Runden lang auf seine Chance wartet, sondern, dass er auch viel Druck ausübt, eine ordentliche Workrate besitzt und auch den Körper seines Gegners bearbeitet um ihn langsamer zu machen. Zudem hat er ein ordentliches Kinn und sollte in der Lage sein eine Vielzahl von Schlägen, die Khan aufgrund seines boxerischen Vorteils anfangs definitiv landen können wird, zu schlucken.

Kann Maidana durch diese Treffer so lange hindurchmarschieren bis er irgendwann Khan mit seinem Druck brechen kann und ihn permanent stellen kann, hat er eine große KO-Chance, die die Spannung für diesen Kampf ausmacht. Ich bin allerdings nicht all zu zuversichtlich, dass er die Chance dazu bekommen wird. Khan ist nicht nur mit den Fäusten schneller, sondern auch auf den Beinen, und wenn Corley Maidana schon Probleme bereitete, wird der Argentinier es fast unmöglich finden Khan überhaupt klar zu treffen. Ich kann mir gut einen Kampf vorstellen, der dem zwischen Khan und Kotelnik ähnelt, in dem der Brite seinen Gegner mit blitzschnellen Kombinationen auf Distanz hält und ihn gar nicht an sich herankommen lässt. Dem Unterhaltungswert würde das definitiv einen Abbruch tun, weshalb ich mich gerne eines Besseren belehren lasse, aber ich halte Khan für zu gut und zu abgeklärt, als dass er Maidana auch nur ein Mal seine Stärke ausspielen lassen wird. Im Gegenteil könnte ich mir sogar vorstellen, dass Khan ein Abbruchsieg gelingen könnte, wenn er Maidana mit zunehmender Dauer immer mehr zermürbt um dann in den hinteren Runden immer offensiver und aggressiver zu boxen und seinerseits seine durchaus vorhandene Schlagkraft zu demonstrieren. Während das sicher möglich ist, halte ich einen klaren Punktsieg für Amir Khan doch für am Wahrscheinlichsten.

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3 Kommentare

  1. Kano
    11. Dezember 2010 at 20:01 —

    Ach wie oft lagen doch die Autoren hier mit ihren Prognosen doch Falsch gutes Beispiel Froch gegen Abraham wo es hiess das Abraham durch Tko gewinnen wird das wahre Ergebnis ist auch jedem bekannt, oder aber auch bei etliche anderen Boxkämpfen lagen die Autoren schon öfters Falsch.

  2. UpperCut
    12. Dezember 2010 at 06:42 —

    ganz klar der beste kampf des jahres – was fuer ein fight!

  3. Kano
    12. Dezember 2010 at 18:13 —

    @UpperCut
    Für mich war Froch Vs Kessler der beste Fight des Jahres,dieser Kampf bot hohes Tempo und ordentlich gute Action so sollte Boxen immer sein aber Maidana gegen Khan war auch ziemlich gut.

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