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Vom Ur-Faustkampf zum Boxsport: Die Entstehung des Regelwerks bis zu den heutigen Formen im Amateur- und Profiboxen

Im Jahre 1893, es war der 6. April,  standen sich der Texaner Jack Burke  und Andy Bowen in dessen Heimatstadt  New Orleans in einem Boxkampf im Leichtgewicht gegenüber. Der Kampf, der abends begann,  dauerte über sieben Stunden und endete erst in den Morgenstunden des 7. April.  Nach der 110. Runde waren beide so erschöpft, dass sie nicht mehr genug Kraft hatten, um aus ihrer Ecke zu kommen  und ein Unentschieden  ausgesprochen wurde. Der Kampf wird  seitdem in den Annalen der moderneren Boxgeschichte als der längste jemals geführte Boxkampf verstanden. Damals galten bereits die erweiterten Queensberry-Regeln. Dennoch zeigt dieser Kampf, wie sich Boxkämpfe damals von den gegenwärtigen  Formen des Boxkampfes unterscheiden.

In den folgenden Abschnitten wird versucht, einen Abriss zur Entstehung der  Regeln des Boxsports bis zu den gegenwärtigen Formen vorzustellen. Dabei ergab es sich natürlich, dass einige wesentliche historische Etappen des Boxsports einbezogen werden mussten. Für manche wird es interessant sein, zu verfolgen, wie sich die Boxregeln von einfachen Formen des Faustkampfes bis zum gegenwärtigen Regelwerk entwickelt haben. Neben den Grundregeln des Boxsports, die für Amateure wie für Profis gelten, werden auch Unterschiede des Regelwerkes  in beiden Bereichen, die zum Teil nicht unerheblich sind,  aufgegriffen.    

Faustkampf in der Antike

Dass der Boxkampf/Faustkampf  eine Jahrtausend alte Tradition hat, ist allgemein bekannt. Schon vor den Griechen, die bei den antiken Olympischen Spielen den Faustkampf als eine wichtige Disziplin eingeführt hatten, wurden  „Faustkämpfe“ in China, Korea, Persien betrieben.  Selbst im alten Ägypten und in Indien  wird von Faustkämpfen berichtet.  Allerdings kann man hier kaum von Boxkämpfen sprechen, wie wir sie heute kennen. Die Kämpfer in Ägypten standen sich beispielsweise nackt gegenüber. Die Schlaghand lag in Brusthöhe, die Abwehrhand in Höhe des Kopfes. Nur in dieser Höhe durfte geschlagen werden.  Man kann auf alten Bildern dieser Zeit erkennen, dass ansatzweise Schutzvorrichtungen vorhanden waren, nämlich z.B.  Lederriemen, die um den unteren Arm gezogen waren.  Auf einer sehr kleinen Fläche standen sich die Kontrahenten gegenüber;  Ausweichbewegungen waren kaum möglich.  Ein Kampf wurde so lange geführt, bis eine Entscheidung gefallen war.  Auch in Indien wurden vor mehr als 3000 Jahren mit den Fäusten Kämpfe ausgetragen. Regeln hierzu sind aber nicht belegt;  bekannt ist aber, dass der Faustkämpf in der Bedeutung mit den Schwertkämpfen und Speerkämpfern auf gleicher Ebene gesehen wurde.

Im antiken Griechenland waren, wie oben schon angesprochen,  die Faustkämpfe Teil der Olympischen Spiele, und das seit dem Jahre 668 vor Christus.  Die Gegner traten unbekleidet gegeneinander auf. Und auch gewisse Regeln mussten bereits eingehalten werden: Unter anderem mussten alle Teilnehmer am  Faustkampf ein hinreichendes „Training“ belegen, auch technische und taktische Übungseinheiten wurden bereits verfolgt. Eine Regel war, dass es  während des Faustkampfs den Beteiligten  nicht erlaubt war,  sich an ihrem Gegner festzuhalten.  An der Hand trugen die Kämpfer gepolsterte Riemen.  Alle Kämpfe bei den Olympischen Spielen der Antike wurden bis zum Sieg ausgetragen. In den Berichten wird der Faustkämpfer Theogenes von Thasos als unbesiegbar beschrieben. Die Historiker sprechen von 1300 Siegen über mehr als zwanzig Jahre hinweg. 

Bei den „alten“ Römern wurde der Faustkampf weniger intensiv betrieben. Bekannt ist aber, dass Römer aus den besten Familien zur Ausbildung ihrer körperlichen Fähigkeiten auch den Faustkampf zählten.  Auch in China erzählen die Quellen davon, dass  dort schon vor mehr als tausend Jahren  Faustkämpfe ausgetragen wurden. Ein Regelwerk ist aus den Quellen nicht bekannt.

Die Geburt des modernen Boxsports und das Regelwerk

England kann als Ursprungsort des Boxsports, so wie wir ihn heute kennen und lieben, gesehen werden.  Mitte des 17. Jahrhunderts sind hier Boxkämpfe belegt, die von den oberen  wie von den unteren Bevölkerungsschichten mit großem Interesse verfolgt wurden. Regeln legte im Jahre 1719 erstmals der Fechtlehrer James Figg, der sich auch mit dem Titel „Champion of England“ schmücken ließ, fest. Dass damals das Boxen eng mit dem Fechtsport verbunden war, ergab sich auch daraus, dass dem Adel die Auseinandersetzung mit der Waffe untersagt wurde, um Todesfälle zu verhindern. Daher wurde das Boxen zur Verbesserung der  körperlichen Fitness herangezogen. Man kann aus den damaligen überlieferten Bildern sehen, dass die damalige Boxgrundhaltung der Fechterstellung sehr ähnlich war.

Die Broughton-Regeln und die „London Prize Ring Rules“

Das Jahr 1743 sehen viele Boxhistoriker als das Geburtsjahr des modernen Boxsports. Der Brite Jack Broughton, der in der Box-School  von James Figg trainiert hatte und später zweiter „englischer Meister“ wurde, entwickelte Regeln, von denen ein Teil noch heute Verwendung findet. So wurde beispielsweise festgelegt, dass ein Kämpfer, der sich am Boden befindet, nicht mehr geschlagen werden dürfe und dass Tiefschläge nicht mehr zugelassen waren. Die Broughton-Regeln werden übrigens  in der späteren Überarbeitung auch  „London Prize Ring Rules“  genannt. Sie wurden in den folgenden Jahren allerdings stark verändert  und in verschiedenen Schritten verfeinert und ausgebaut.  Ab 1843  wurde der Boxring eingeführt, ebenso die Pflicht, Bandagen zu tragen. Dennoch kam es wiederholt zu Kämpfen in britischen Städten, die mit einem sportlichen Vergleich kaum zu tun hatten.

Das Queensberry-Regelwerk

Im Jahre 1867 führte der Marquess of Queensberry Regeln ein, die später immer mehr verfeinert wurden. Dass der Faustkampf  zum Boxsport wurde, ist den Queensberry-Regeln zu verdanken. Erstmals wurden in den Regeln jegliche Versuche des Ringens und der „Rauferei“ untersagt. Sie sahen  Boxhandschuhe vor,  und die Festlegung der Rundenanzahl, die Zeiten für eine Runde sowie Pausenzeiten wurden eingeführt. Damit konnten wichtige Ansprüche eines regelbestimmten Sportes erfüllt werden, der auch sportlichen Vergleichen auf verschiedenen Ebenen zu entsprechen versuchte.  Im weltweiten Maßstab wurde aber erst nach dem Sieg Corbetts gegen John L. Sullivan das neue Regelwerk verwendet. Sullivan, der erste anerkannte Weltmeister im Schwergewicht des modernen Profiboxens, hatte bis dahin noch oft genug mit blanker Faust geboxt, „Bare-knuckle“ genannt.  Das Queensberry-Regelwerk gilt in großen Teilen bis zum heutigen Tage, auch wenn es sehr oft verbessert und weitergeführt wurde. Die Einführung des Regelwerks hat jedenfalls auch erheblich dazu beitragen können, dass der Boxsport mit dem Jahre 1904 ins olympische Programm der Spiele von St. Louis aufgenommen wurde.

Bis weit in die 20er Jahre, teilweise sogar bis nach dem Zweiten Weltkrieg, sind allerdings noch etliche Veränderungen erfolgt. Eine „neutrale Ecke“, die der niederschlagende Boxer vor Beginn des Anzählens aufsuchen  musste,  wurde erst Ende der  zwanziger Jahre  eingeführt. Auch das  grundsätzliche Anzählen bis „Acht“ bei einem zu Boden gegangenen Boxer, der dann wieder aufsteht, das sogenannte „Mandatory-Eight-Count“,  ist erst nach dem Weltkrieg bekannt. Ebenso hat sich bei den Handschuhen was getan: Während noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts zum Teil mit Vier-Unzen-Handschuhen gekämpft wurde, werden heute im Profiboxen Acht- bis Zehn-Unzen-Handschuhe  verwendet.  Letztlich gelten aber, wie oben schon gesagt,  die grundlegenden Queensberry-Regeln noch heute.

Gemeinsame Grundregeln im Amateur- und Profiboxen heute

Im Amateur- und Profiboxsport sind Schläge mit der Innenhand verboten und dürfen vom Ringrichter nicht als regulärer Schlag anerkannt werden. Solche Schläge können zu Punktabzügen führen, manchmal, wenn sich solche Schläge häufen, zur Disqualifikation. Es sind also grundsätzlich nur Schläge mit der geschlossenen Faust zugelassen. Schläge werden dann  als zulässige Treffer anerkannt, wenn sie die Kopfvorderseite, den Hals und den Körper bis zum Gürtel treffen. Tiefschläge sind grundsätzlich verboten, Schläge auf Arme oder Handschuh sind nicht als Zähler zu werten.  Beim Klammern verfährt der Ringrichter meistens so, dass er dieses Kampfverhalten zulässt und die Kontrahenten trennt, obwohl das Verhalten im Grunde regelwidrig ist. Falls sich aber das Klammern häuft, kann und wird der Ringrichter nach Ermahnungen auch Verwarnungen aussprechen, die zum Punktabzug führen.

Regelunterschiede im Amateur- und Profibereich

Abgesehen von den benannten gemeinsamen Grundregeln gibt es auch erhebliche Unterschiede, wenn man sich die Regeln bei den Amateuraktiven und den Profiboxern ansieht.

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Amateurregeln

Bei den Amateurboxern  ist   der Weltverband, die AIBA (Association Internationale de Boxe Amateure) federführend, wenn’s um das Regelwerk geht. Die erarbeiteten Regeln gelten auch für die olympischen Boxturniere. Grundlegender Unterschied zum Profiboxen besteht darin, dass die Rundenzahl auf drei begrenzt ist. Die Wertung  durch die fünf Punktrichter ergibt sich aus der unabhängigen Anerkennung eines Schlages als Treffer, indem die Wertung in einen Computer eingegeben wird.  Nur wenn mindestens drei der Punktrichter einen Treffer anerkennen, wird er vom Computer angezeigt.  Die Amateurboxer müssen bei allen Kämpfen einen Kopfschutz tragen; natürlich sind auch Zahnschutz und Tiefschutz in jedem Fall zu verwenden. Amateurboxer müssen zudem eine Oberbekleidung tragen, die ärmellos ist. Oberbekleidung und Unterbekleidung haben sich farblich zu unterscheiden, um Tiefschläge zu erkennen. Desweiteren  muss der Handschuh dort, wo die Fläche als Treffer gezählt werden kann, mit weißer Farbe markiert sein.

Die Kampfwertung bei den Amateuren ist ziemlich differenziert. Zunächst gibt es, wie oben beschrieben, die Punktwertung nach drei Runden. Ein Knock-Out ist, wie im Profiboxen, dann gegeben, wenn der niedergeschlagene Boxer bis „Zehn“ nicht den Kampf fortsetzen kann. Ebenso ist ein Kampf bei Aufgabe eines Boxers während des Kampfes oder in der Pause vorbei. Das Kürzel RSC-O („Referee stopped Contest – Outclassend“  wird verwendet, wenn der Ringrichter den Kampf so einschätzt, dass einer der Boxer deklassiert wird. RSC-OS bedeutet, dass der Boxer in der Wertung so weit zurückliegt (mehr als 20 Punkte), dass er den Kampf nicht mehr erfolgreich zu Ende führen kann. Ein Kampf wird abgebrochen, wenn ein Kontrahent nach Ringrichtereinschätzung verletzungsbedingt erkennbar nicht mehr weiter boxen kann (RSC-I). Wenn ein Boxer in einer Runde drei Mal zu Boden geht bzw. während des gesamten Kampfes vier Mal, wird der Kampf zugunsten des Gegners vom Ringrichter abgebrochen. Dies ist auch dann auch der Fall, wenn ein Boxer durch entsprechende Treffer  so angeschlagen wirkt, dass er den Kampf nach Ringrichter-Einschätzung nicht mehr fortführen kann. In der Amateurboxsprache bedeutet dies ein RSC-H = „Referee  stopped Contest – Headblows“. Weitere Kampfwertungen sind Disqualifikation, „Walk Over“ (bei Nichtantritt des Gegners) und  Kämpfe ohne Wertung (z.B. bei besonderen Vorkommnissen wie unsachgemäßer Ringbelag o. ä). Ein Unentschieden wird beim Amateurboxen nicht in internationalen Wettbewerben ausgesprochen. Der Ringarzt hat im Übrigen die Möglichkeit, dem Kampfrichter anzudeuten, dass der Kampf mit einem RSC abgebrochen werden muss. Ebenso kann er dafür sorgen, dass während der Ringpausen eine Untersuchung der beteiligten Boxer erfolgt.

Amateure und Gewichtsklassen

Hinsichtlich des Regelwerks zeigen sich auch insbesondere Unterschiede  der Profiboxer und  des Amateurboxsports, wenn’s  um die Gewichtsklassen geht. Der Weltverband der Amateurboxer AIBI kennt bei den Jugendlichen und Männern zehn Gewichtsklassen: Das Halbfliegengewicht geht bis zu 49 kg, Fliegen: 52, Bantam: 56, Leicht: 60, Halbwelter: 64, Welter: 69, Mittel: 75, Halbschwer: 81, Schwer: 91, Superschwergewicht: über 91 kg.   Der deutsche Amateurboxverband (DBB) weicht insofern davon ab, als er zusätzlich das Federgewicht (bis 57 kg) in seinen Listen führt.

Gewichtsklassen bei den Profis

Bei den Profiboxern  werden im Unterschied zu den Amateuren  17 Gewichtsklassen geführt, die in der Benennung nach den jeweiligen Profi-Weltverbänden  z.T. unterschiedlich sind, aber in den angegebenen Gewichtslimits übereinstimmen. Die angegebenen KG-Gewichte haben deshalb so „krumme“ Zahlen, weil sie nach den englischen Gewichtsmaßen  berechnet werden (englische Pfunds / lbs).   Für die meisten der Boxfreunde werden die Gewichtsklassen natürlich ein alter Hut sein, dennoch sollen sie  hier nochmals im Überblick zum Nachlesen vermerkt sein:

  • Minifliegengewicht  oder Strohgewicht bzw. Minimumgewicht):  bis 47,267 kg
  • Junior- oder Leichtfliegengewicht:  bis  48,988 kg
  • Fliegengewicht: bis 50,802 kg
  •  Superfliegengewicht oder Juniorbantamgewicht : bis 52,163 kg.
  • Bantamgewicht: bis 53,525 kg
  • Superbantamgewicht oder Juniorfedergewicht: bis 55,225 kg
  • Federgewicht: bis 57,153 kg
  •  Superfedergewicht oder Juniorleichtgewicht:  bis 58,967 kg
  • Leichtgewicht: bis 61,235 kg
  • Superleichtgewicht oder Juniorweltergewicht: bis 63,503 kg
  • Weltergewicht: bis 66,678 kg
  • Superweltergewicht bzw. Juniormittelgewicht:  69,853 kg.
  • Mittelgewicht: 72,574 kg
  • Supermittelgewicht:  bis 76,203 kg
  • Halbschwer: bis 79,378 kg
  • Cruisergewicht:  bis 90,718 kg
  • Schwergewicht: ab 90,718 kg

 

Weitere  Regeln im Profiboxen

Im Profiboxen wird die Anzahl der zu boxenden Runden jeweils vor dem Kampf festgelegt. In den meisten Kämpfen einigt man sich auf eine Rundenzahl von vier bis zehn, bei internationalen Kämpfen seltener auf weniger als 12 Runden. Die Entscheidung kann durch einen KO (wie bei den Amateurboxern nach zehn Sekunden Kampfunfähigkeit am Boden) und durch einen TKO erfolgen. In den meisten Kampfbewertungen  wird auch das Kürzel RTD verwendet.  Es bezeichnet den Abbruch des Kampfes durch den Ringrichter nach einer Runde, also in der Ringpause, wenn der Boxer beispielsweise zu erkennen gibt, dass er den Kampf nicht fortsetzen kann oder will.   Eine solche Aufgabe des Kampfes wird in den Statistiken wie ein regulärer TKO geführt und geht in die Kampfbewertung als KO-Sieg ein.  Die Verletzung eines Boxers, die durch einen fairen Treffer des Gegners herbeigeführt wird und zur Kampfunfähigkeit führt, wird ebenfalls als TKO gewertet. Gerät ein Boxer im Profikampf aus dem Ring (z.B. infolge eines Niederschlags), gibt man ihm zwanzig Sekunden Zeit, um in den Ring zurückzukehren. Andernfalls endet der Kampf mit dessen Disqualifikation. Im Gegensatz zu früheren Zeiten kann ein niedergeschlagener Boxer auch nicht darauf hoffen, durch das Rundenende bzw. durch den Gong  „gerettet“ zu werden.

Punktwertung bei den Profis

Bei einem Kampf über alle Runden wird er mit einer Punktwertung bedacht. Das Kürzel „UD“ bedeutet dabei beispielsweise, dass alle drei Kampfrichter in der Punktwertung übereinstimmen. Die Punktwertung  beim Profiboxen selbst wird heute in nahezu allen Fällen mit dem sogenannten  „Ten-Point-Must-System“  vorgenommen. Dieses Wertungssystem wird von Benjamin in einem Artikel vom Dezember 2009 überzeugend beschrieben (siehe hier unter der Kategorie „Regelwerk

Verfahren bei Fouls

Bei absichtlichen Fouls  wird ein verletzter Boxer zum Disqualifikationssieger erklärt, wenn er den Kampf nicht fortführen kann. Ist er noch kampfbereit, wird ein Zwei- Punkte-Abzug fällig.  Wenn die Verletzung erst im weiteren Kampfverlauf dazu führt, dass der betroffene Boxer nicht weiter boxen kann, siegt er durch „Technical  Decision“, falls er nach Punkten führt. Wenn er nach Punkten zurück liegt oder bei gleicher Punktzahl lautet die Entscheidung: „Technical Draw“, also Unentschieden. Bei unabsichtlichen Regelverstößen bzw. Fouls  wird wie folgt vorgegangen: Falls der betroffene Boxer in einem Zeitrahmen  bis zu vier Runden nicht weiter boxen kann, wird auf „No Contest“ entschieden, was heißt, dass der Kampf nicht gewertet wird. Bei Kämpfen, die über diese Zeit hinausgehen, werden beim Abbruch die Punkte ausgewertet, und der vorne liegende Boxer wird zum Sieger erklärt.  Bei einem unabsichtlichen  Tiefschlag kann der betroffenen Kämpfer fünf Minuten aussetzen. Falls er den Kampf nicht fortsetzt, wird sein Gegner zum Sieger erklärt.  

Regeln und Weltverbände

Zwischen den verschiedenen Profi-Weltboxverbänden gibt es darüber hinaus noch einige (kleinere) Unterschiede im Regelwerk. Beispielsweise wird teilweise immer noch unterschiedlich bei der sogenannten „Three Knockdown Rule“ gehandelt, wenn’s also um  den Kampfabbruch und die TKO-Wertung nach drei Niederschlägen geht.  In den Vereinigten Staaten wird außerdem häufig   nach  dem „No Standing Eight Count“ verfahren, wonach ein Kämpfer nicht stehend angezählt wird.  Dass der Ringarzt unabhängig vom Ringrichter  das Weiterführen eines Kampfes untersagen kann, ist ebenfalls nicht immer geklärt.  In den meisten Fällen darf nur der Ringrichter den Kampf abbrechen.

Ausblick

Manche Boxfreunde wünschen sich eine Angleichung der Regeln des Amateur- und Profibereichs, damit der gesamte Boxsport übersichtlicher wird. Dies wäre z.B. im Bereich der Gewichtslimits ziemlich sinnvoll. Zu fragen wäre auch, ob es nicht zur Vermeidung von Verletzungen ratsam wäre, einen  Kopfschutz wie im Amateurlager einzuführen. Eine solche Forderung könnte aber deshalb bei vielen Boxfreunden auf Widerstand stoßen und die Popularität des Boxsports mindern, weil dadurch die KO-Rate möglicherweise entscheidend gedrückt würde. Bertold  Brecht, einer der größten deutschen Literaten/Dichter und Boxsportfan, sagte mal, dass für ihn beim Boxen nur ein Sieg zählte, wenn der durch KO erzielt würde.   Eine Regelwerk-Angleichung scheint schon deshalb ziemlich aussichtslos zu sein, weil in den Weltverbänden der Profis erhebliche, nicht überbrückbare Differenzen bestehen. Deshalb wäre die Hoffnung auf eine Einigung auch hinsichtlich des Regelwerks wenig realistisch. Zunächst sollte versucht werden, die mittlerweile schlecht übersehbare Vielzahl von „Weltverbänden“ im  Profiboxen zu straffen. Aber auch ein solches Vorhaben wäre derzeit wohl ziemlich aussichtslos. Die Attraktivität des Boxsports würde aber durch eine solche Bereinigung der Weltverbände bestimmt nicht gemindert.

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10 Kommentare

  1. Dirk
    21. Dezember 2011 at 21:24 —

    Interessant zu lesen .

    Wie aber kommen die Unterteilungen der Klassen bis aufs Gramm zu stande ?

  2. Paul
    21. Dezember 2011 at 22:39 —

    @ Dirk
    Die Unterschiede erklären sich
    aus der Umrechnung der englischen
    Maße (lbs) in Gramm bzw. Kilogramm.
    Die englischen Maße gelten bei den
    Profis nach wie vor als Grundlage.:-)

  3. Sylor
    22. Dezember 2011 at 10:25 —

    Vielen Dank, sehr interessant zu lesen 🙂

  4. Tom
    22. Dezember 2011 at 23:34 —

    @ Paul

    Das hast du schön geschrieben(abgeschrieben),hmm ich bin mir nur noch nicht ganz sicher aus welchem Buch diese Zeilen stammen………,könnte aber aus Boxen…von B.Job stammen!???

  5. Paul
    23. Dezember 2011 at 11:36 —

    @ Tom

    Ich muss Dich enttäuschen. Abgeschrieben
    hab’ ich gar nichts. Natürlich sind verschiedene
    Quellen in dem Artikel aufgegriffen worden; das
    ist einfach so bei einem solchen Text, der auch
    auf Recherchen beruht, denn man hat eben
    nicht alles im Kopf. Zum Beispiel gebe ich zu,
    dass mir das genaue Gewichtslimit vom Superfliegengewicht
    nicht bekannt war. 🙂
    Daher fände ich’s gut, wenn Du den Vorwurf, ich hätte
    “abgeschrieben”, zurück nimmst. Denn: Das ist eine
    Behauptung, die ich nicht so einfach hinnehmen kann.

  6. ghetto obelix
    23. Dezember 2011 at 12:01 —

    Paul scheint ja hier eh für ganz ganz großes journalistische Arbeit bekannt zu sein… 😀 😀

  7. Nad
    4. März 2012 at 23:54 —

    Hi.
    Also eine klare Quellenangabe wuerde euer Problem doch ganz einfach loesen. Lernt man als Historiker zuerst. da kann jeder alles nachpruefen

    Gruß Nad

  8. matze
    3. Oktober 2012 at 12:07 —

    alles ageschrieben das merkt man

  9. michael
    3. Oktober 2012 at 15:30 —

    ich finge es ist nicht so gut weil man merkt das es bgeschrieben ist

  10. michael
    3. Oktober 2012 at 15:31 —

    und der text ist sehr enfach (zu einfach) geschrieben

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