Top News

Viele Verletzungen am Boxwochenende

 

Foto: Pepe Rodriguez (Ibeth Zamora Silva vs Keisher McLoad-Wells)

Es liegt in der Natur des Sports, dass Verletzungen passieren können. Gerade bei einer Kampfsportart wie dem Boxen kommt es leider hin und wieder dazu. Von vielen erfährt der Zuschauer gar nicht, doch am zurückliegenden Wochenende gab es eine regelrechte Häufung von Verletzungen, gerade bei Titelkämpfen.

Der Kampf zwischen Guillermo „El Chacal“ Rigondeux und James „Jazza“ Dickens war bereits nach 2 Runden entschieden. Für den Zuschauer kaum als so heftig wahrnehmbar, platzierte der gebürtige Kubaner in Runde 2 seine linke Schlaghand am Kopf seines Gegners. In der Ringpause stellte sich heraus, dass Dickens Kiefer gebrochen ist und der Kampf war vorbei. Rigondeaux wird aller Warscheinlichkeit nach noch einmal gegen Dickens antreten, weil mit diesem Ergebnis keiner von Beiden zufrieden sein kann. Der Kubaner liebäugelt darüber hinaus mit einem Kampf gegen Vasyl Lomachenko. Ob und wann es jemals dazu kommt, steht noch in den Sternen.

Mit großer Spannung erwarteten die Frauenboxfans das Duell zwischen Ramona Kühne und Ikram Kerwat in Berlin. Die Frage, ob Kerwat mit ihrer ungestümen Art oder Kühne mit ihrer Kampferfahrung die Oberhand gewinnen, war schnell entschieden. Kerwats Trainer Georg Bramowski schmiss nach Runde 5 das Handtuch und meinte, dass der Kampf sonst in der nächsten Runde mit einem schweren KO geendet hätte. Offenbar war die erfahrene Ramona Kühne doch noch eine Nummer zu groß für Ikram Kerwat, die angeblich bereits nach 3 Runden aufgeben wollte. In Runde 4 gab es einen Bodenbesuch Kerwats und ihr „Pulver“ schien verschossen zu sein. Bramowski überredete sie noch zur 5. anzutreten, danach das „Aus“. Offizielle Begründung: Kerwat habe sich den Arm ausgekugelt und war nicht mehr kampffähig. Entsprechende Fotos und ein Statement von Ikram Kerwat waren auf Facebook zu sehen. Mal sehen, wie es mit der sympatischen Wahlberlinerin weiter gehen wird. Georg Bramowski äußerte sich in der „BILD“: „Ich überlasse ihr die Entscheidung. (…) Man hat deutlich gesehen, dass Ikram mit sieben Profi-Kämpfen zu „grün“ gegen eine so wettkampferfahrene Boxerin wie Ramona Kühne ist.“ Bramowski will Kerwat auf alle Fälle weiter trainieren: „ Ich kann doch nach einer Niederlage nicht einfach hinschmeißen.“ Fraglich ist jetzt allerdings, was mit den beiden Co-Trainern Sven Ottke und Uli Wegner ist. Nach der Niederlage Kerwats war von Beiden nichts mehr zu hören und nichts zu sehen. Vielleicht tauchen sie ja wieder auf, wenn es die nächsten medienwirksamen Fototermine gibt.

Bei der Sauerland-Veranstaltung in Berlin sollte Tyron Zeuge zum jüngsten deutschen Weltmeister (der großen 4 Verbände) gemacht werden. Daraus wurde Nichts. Der italienische WBA-Champ Giovanni de Carolis verteidigte seinen Gürtel bravorös. Viele der Runden waren knapp, aber die Mehrzahl beim Titelverteidiger, der öfter und präzieser mit seinen Schlägen ins Ziel kam als der Herausforderer. Ab der Kampfmitte merkte man Tyron Zeuge an, dass etwas nicht stimmte. Er begann die Auslage zu wechseln und war nicht mehr im Vollbesitz seiner Kampffähigkeit. Im weiteren Verlauf des Kampfes schien er sich damit immer mehr zu quälen, schaffte jedoch noch eine hervorragend gute 9. Runde. In den Runden 11 und 12 muss es die Hölle für Zeuge gewesen sein, aber er überstand den Kampf. Laut Originalkommentar gauckelte man ihm vor, es stünde Unentschieden, was einfach mal nicht stimmen konnte, weil er hinten lag. Zeuge hatte mit Augen zudrücken bestenfalls 3 oder womöglich 4 Runden knapp für sich. Um so größer war die „Überraschung“, als das Urteil kam: 2x 114 : 114 und einmal sogar 114 : 115 für Zeuge. Es ist einfach unfassbar, wie man sich doch als dummer Zuschauer irren kann. Als Axel Schulz dann auch noch erklärte, dass Zeuge den Kampf ja eigentlich gewonnen hat, weil er ja einen Punkt mehr bekommen hat, war es ganz aus. Offiziell zu glauben hat man jetzt: Tyron Zeuge hat diesen Kampf nur wegen seiner Verletzung verloren. Aha, also auf ein Neues. Giovanni de Carolis hat also in Deutschland bei Sauerland so oft anzutreten, bis der WBA-Gürtel irgendwann einmal hier bleibt. Falls sich keiner verletzt und die Optik einigermaßen stimmt, wird es schon mal klappen.

Recht ungesund sah auch das aus, was im Kampf zwischen Abraham und Lihaug passierte. Der Norweger kassierte in diesem ungleichen Kampf von Abraham ganze Serien von harten Kopftreffern. Er schluckte diese „Abrahammer“ und ging nicht KO. Nach Meinung vieler Zuschauer war das unverantwortlich. Erst in Runde 8 kam dann endlich mal das Handtuch von der Ecke des Norwegers. Man muss sich fragen, was dieser Kampf überhaupt bezwecken sollte. Nach einer desatrösen Niederlage und dem Titelverlust von Abraham in Las Vegas (3x 108:120) hätte er mal in Berlin vor heimischem Publikum ein Rematch gegen seinen Bezwinger boxen sollen. Wenn er sich schon keinen Rückkampf zutraut und trotzdem gleich im nächsten Kampf wieder um einen Titel boxt (WBO-International), dann doch bitteschön gegen einen würdigen Gegner wie Jesse Hart oder auch Patrick Nielsen. Aber was passiert? Man wählt einen Gegner zum Verkloppen und Vorführen. Das der unerfahrene Junge dabei lebensgefährliche Verletzungen davontragen könnte, scheint niemanden zu interessieren. Hauptsache die Krone von „King Arthur“ ist wieder aufpoliert.

Nicht viel besser als Ikram Kerwat erging es der New Yorkerin Keisher McLoad-Wells bei ihren WM-Kampf gegen die mexikanische WBC-Weltmeisterin im Halbfliegengewicht, Ibeth Zamora Silva. Die 39-jährige aus den USA wurde von der momentanen Nr. 1 des Frauenboxens vorzeitig besiegt. In den ersten Runden gelang es der körperlich größeren McLoad, die kleine Mexikanerin auf Distanz zu halten und mit Treffern einzudecken. „La Roca“ musste in den ersten Runden allerhand „Leder fressen“. Ab der 3. Runde wendete sich das Blatt und die Weltmeisterin trumpfte immer mehr auf. Obwohl einige ihrer rechten Haken nur für frische Nachtluft sorgen, kamen genügend Treffer ins Ziel. McLoad hatte in Runde 7 nicht mehr viel zuzusetzen, musste nach einer Serie von Kopftreffern Knie nehmen und lies sich anzählen. Sie stand tapfer wieder auf, war aber mit ihrem Latein am Ende. Nachdem sie kurz darauf noch einmal aufs Knie ging, nahm Ringrichter Addiel Barrigan sie aus dem Kampf. Das war eine vernünftige Entscheidung, weil „la Roca“ sie sonst bei der nächsten Gelegenheit hart auf die Bretter geschickt hätte. Beim Ausziehen der Handschuhe zuckte sie zusammen. Sie erklärte später, sie habe sich während des Kampfes an der Schulter verletzt und nicht mehr länger verteidigen können. Auch hier eine Erklärung für eine vorzeitige Niederlage, der man nicht widerspricht.

Ebenfalls vom Verletzungspech ereilt wurde WBC-Champ Deontay Wilder bei seiner freiwilligen Titelverteidigung gegen Chris Arreola. Er zwang den Herausforderer im 4. Durchgang auf den Ringboden und verletzte sich dabei selbst schwer. Seine Rechte war nach 4 Runden nicht mehr einsatzfähig. In der Folge musste Wilder zusehen, wie er Arreola mit der Linken in Schach hält. Das gelang ihm recht gut. Arreola war nach 8 Runden schwer gezeichnet und trat nicht mehr zur 9. Runde an. Wilder verdiente bei diesem eingeschobenen Kampf 1,4 Mio Dollar, während sich Arreola mit 150 000 Dollar zufrieden geben muss. Für dieses Jahr wird Wilder wohl oder übel ausfallen, da erst einmal 2 OP`s angesagt sind. Eine gebrochene rechte Hand und ein Muskelfaserriss am Bizeps brauchen Zeit zum ausheilen. Der Pflichtkampf gegen Alexander Povetkin rückt damit in weite Ferne.

Die Verletzungsgefahr ist in jedem Boxkampf vorhanden. Profi-Boxer und -Boxerinnen tragen zur Unterhaltung des Publikums ihre Gesundheit zu Markte. Egal wie schlimm oder weniger schlimm die Verletzungen am Ende sind: Boxen ist und bleibt eine der anspruchsvollsten, aber auch gefährlichsten Sportarten. Das sollte man auch als Tastatur-Fighter berücksichtigen, wenn man über Boxer/innen und ihre Kämpfe schreibt und dabei womöglich jemanden als „Quitter“ bezeichnet.

Voriger Artikel

Boxsport - Telegramm 29 / 2016

Nächster Artikel

Wilder beendet Arreola's Titelträume

4 Kommentare

  1. 18. Juli 2016 at 19:39 —

    Vieles stimmt…
    aber:
    ”Giovanni de Carolis hat also in Deutschland bei Sauerland so oft anzutreten, bis der WBA-Gürtel irgendwann einmal hier bleibt.”….
    de Carolis muss garnichts, er kennt die Verhältnisse hier.Ob er das nach zweiten Beschiss nochmal herkommt ist seine Sache. Wie heisst es so schön ”fool me once shame on you – fool me twice shame on me”.

    -Thema: Abraham
    ”’Man muss sich fragen, was dieser Kampf überhaupt bezwecken sollte.” Der Zweck war allen klar inclusive Lihaug, der vor- und nach dem Kampf einen grossen Mund hat(te). Das Abraham nach einer Niederlage keine echte Herausforderung zum Wiederaufbau sucht ist wohl auch klar. Das ist übrigens in anderen Kampfsportarten genauso. ” Man wählt einen Gegner zum Verkloppen und Vorführen. Das der unerfahrene Junge dabei lebensgefährliche Verletzungen davontragen könnte, scheint niemanden zu interessieren.”…Interessieren sollte das zuerst mal Lihaugs eigene Ecke, die sich das alles mit angeschaut hat. Das Tyson die Leute in den ersten zwei Runden weggedroschen hat, bereitete auch niemandem Kummer und Sorgen. Klar hätte der Ringrichterrichter wesentlich eher abbrechen können, aber er hat es halt nicht gemacht. Darauf muss die Ecke nicht warten.

    • 19. Juli 2016 at 16:31 —

      sauerland ist der einzige grund warum de carolis überhaupt voll profi sein kann. er wurde von mittelmäßigen journeyman zum wm und hat damit jetzt schon 3 dicke zahltage gehabt. vorallem der letzte sollte richtig kasse gebracht haben denn da war er der champ und konnte forderungen stellen die sicher nicht zu knapp waren. er hat es jetzt 2x geschafft von einer sauerland veranstaltung gegen den lokalmatator mit dem titel abzuhauen. er wird sich den nächsten auftritt in deutschland egal gegen wen aber mal richtig vergolden lassen. wenn sauerland nicht zahlt dann boxt er da wo er die meiste kohle kriegt. und ja nach gegner kann er vielleicht dann auch da mit dem titel entkommen!

      • Eher ist Sauerland nach dem Robbery gegegn Vinzest I “entkommen” anstatt andersrum.

        De Carolis war derjenige der sich im Ausland stellte und nicht andersrum. Sauerland sollte dankbar sein, dass er diesen korrupten Affen überhaupt noch eine Chance gegeben hat nach dem was die mit ihm abgezogen haben. Und auch diesmal wurde er beim Urteil beschissen.

        Hoffentlich haben Carolis und sein Mangement Sauerland schön bluten lassen.

  2. 19. Juli 2016 at 22:03 —

    AA hat einen guten Punch,aber er ist definitiv zu langsam und technisch ist er nicht gut.
    Das super six Turnier hat alles gezeigt,die Spitzen Leute Boxen AA immer aus,deshalb braucht er schlechte Gegner.
    Die WBO ist ziemlich lächerlich.
    WBC,IBF,WBA sind schon Halunken,aber haben immer wieder technisch versierte Boxer als WM.

    Ich war in der Max Schmeling Halle und wollte mir diese Veranstaltung mal live ansehen.
    AA-Lihaug war nur lächerlich

Antwort schreiben