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Unterhaltsame Undercard in Manchester

Unterhaltsame Undercard in Manchester

Ein Beitrag von: KO-Autor

In der Manchester Arena ging es am gestrigen Abend auch schon vor dem Hauptkampf richtig zur Sache: Im ersten Gefecht der Veranstaltung standen sich der nahezu unbekannte Mexikaner Jovani Straffon (24(17) – 3(0) – 1), ein ehemaliger Obdachloser, und der erfahrene Ex-WM-Herausforderer James Tennyson (28(24) – 4(4)) aus Belfast gegenüber. Beide gingen sofort aufeinander los und landeten schwere Treffer, wobei sie die Deckungsarbeit nahezu komplett verweigerten. Doch „Straßenkämpfer“ Straffon war der hungrigere von beiden – und der etwas geschicktere. Er konterte eine Kombination Tennysons kurz und trocken ab und landete eine schwere Linke, die den Nordiren auf die Ringmatte beförderte. Schwer schwankend rappelte er sich noch einmal auf, aber anstatt nach dem Count zu klammern und die Runde so irgendwie zu überleben, ließ er sich sofort wieder in einen Schlagabtausch verwickeln. Unfähig, sich zu verteidigen, kassierte er weitere schwere Treffer, sodass Referee Michael Alexander nichts anderes übrigblieb, als den Kampf nach 2 Minuten und 10 Sekunden der ersten Runde abzubrechen. And the new IBO Lightweight Champion of the World: Jovani Straffon. Straffon sorgte für die Feelgood-Story des Abends, da er es mit dieser und weiteren Börsen endgültig geschafft haben dürfte, von der Straße wegzukommen.

DICK VS. SCHLAU

Der 21-jährige Johnny Fisher (2(2) – 0), Londoner Schwergewichts-Talent und Schützling des renommierten Trainers Mark Tibbs, tat sich zu Beginn schwer gegen den trägen, pyknischen und konditionsschwachen Journeyman Phil Williams (3(1) – 28(6) – 1). In der dritten Runden hatte Referee Howard Foster dann aber genug gesehen und brach den ungleichen Kampf zum Wohle aller ab. „Ich muss noch viel lernen und bin erstmal froh, dies auf derart großen Fightcards tun zu dürfen. Meine Kombinationen müssen noch wesentlich flüssiger und abwechslungsreicher kommen.“, urteilte Fisher selbstkritisch über seine eigene Performanceund punktete damit in Sachen Sympathie und Sachverstand.

BIVOL ODER DIE SCHÖNHEIT RUSSISCHER PRÄZISIONSMASCHINEN

Boxen muss nicht immer nur brutal sein, es geht auch ästhetisch, präzise und wunderschön. Dmitry Bivol (17(11) – 0), seines Zeichens Halbschwergewichtsweltmeister der WBA, kam wie immer topfit in den Ring und deckte seinen ebenfalls extrem athletischen Gegner Craig Richards (16(9) – 1(0) – 1) von der ersten Sekunde an ein – mit Kombinationen wie aus dem Lehrbuch.

Doch dieser fightete so gut er konnte zurück – nur fand das deutlich unter dem Niveau von Boxkünstler Bivol statt. Und wie es ist, wenn einer ständig nach dem Lehrbuch vorgeht: irgendwann kommt eine gewisse Langeweile auf. Am Ende steigerten beide Kämpfer in den Championship-Rounds noch einmal Ihren Einsatz, doch es blieb ein fader Beigeschmack zurück – und wurde zusätzlich verstärkt durchs Urteil.

Zwar sprachen sich alle Punktrichter einstimmig zugunsten Bivols aus, doch Punktrichter Steve Gray machte sich zum „Deppen des Abends“, in dem er den Fight nur 115:114 für den Russen wertete. Sich bemühen und versuchen, mitzuhalten reicht nicht aus, um solche eine Wertung zu bekommen. Dennoch hat sich Richards gut verkauft und kann viel Positives aus dem Kampf mitnehmen. Bivol jedoch braucht endlich eine adäquate Herausforderung, um sein ganzes Talent zur Entfaltung zu bringen. Er sei „offen für jeden Top-Ten-Boxer bei 168 oder 175“ betonte er im Post-Fight-Interview in gewohnt einsilbigem Englisch. Die Frage ist, ob die von ihm anvisierten Boxer genauso offen für Bivol sind.

WIE DER VATER, SO NICHT DER SOHN

Chris Eubank jr. (30(12) – 2(0)) hat etwas Neues gelernt: zuhören. In den Ringpausen hing er stets an den Lippen seines Trainers Roy Jones jr., der ihn mit präzisen Kommandos auf seinen Gegner Marcus Morrison (23(16) – 4(0)) einstellte. Was keine besonders schwierige Aufgabe war – zu überlegen war der Boxer in zweiter Generation von Beginn an.

Eubank hatte eine Menge Raum für seine üblichen Mätzchen, die ohne Publikum ihre Wirkung jedoch komplett verfehlten. Workrate, Speed und Aggressivität stimmen bei Eubank, einen Durchschnittsfighter wie Morrison hätte er eigentlich in wenigen Runden abfertigen müssen. Aber dieser blieb stehen und gab Eubank so die Chance auf ein gut bezahltes, hartes Sparring. Mehr war es nicht – und der Senior lächelte immer wieder (selbst-)zufrieden zum Geschehen im Ring – vielleicht, weil er genau weiß, dass der Sohnemann ihn in diesem Leben nie und nimmer erreichen wird? Das Urteil nach 10 Runden: 98:92 (x3) für den Brightoner.

WIE DER VATER, SO NICHT DER SOHN

Direkt danach durfte mit Campbell Hatton (1(0)) – 0) der zweite Filius einer britischen Boxlegende ran. Der relativ belastbare Levi Dunn (0 – 4(1)) wurde dafür bezahlt, dem jungen City-Fan aus Manchester ein Heimdebut nach Maß zu servieren. Dass aber eine perfekte Herkunft und der Kampfname „Hurrican“ nicht unbedingt ausreichen, um als Boxer zu überzeugen, bewies Hatton auch in diesem Vierrunder. Klar, er ging stürmisch vor und ballerte, was das Arsenal hergab, aber Präzision und Kontrolle im Ring gehen anders. Defense? Vielleicht in der nächsten Hatton-Generation. Und der KO wollte auch im zweiten Kampf nicht gelingen. Man darf trotzdem gespannt sein, wie es mit ihm weitergeht. Am klaren 40:36 für den Junior gab es natürlich nichts zu meckern.

DRAMA MIT (FRAUEN-)POWER

Mehr Spannung als erwartet brachte das Co-Main-Event des Abends: Katie Taylor (18(6) – 0) traf auf ihre Rivalin aus Amateurzeiten Natasha Jonas (9(7) – 2(1) – 1). Dabei ging es um nicht weniger als alle – IBF, WBC, WBA und WBO – Leichtgewichtstitel, jedoch ging Taylor als haushohe Favoritin in den Ring.

Aus einem Chessmatch in der ersten Runde, in der Taylor das Tempo bestimmte und die aktivere Boxerin war, entwickelte sich rasch ein actionreicher Fight mit guten Szenen für beide. Die erste Kampfhälfte wurde aber insgesamt von der Workrate und den etwas präziseren Treffern der Irin dominiert. Doch dann kämpfte sich Jonas zurück und landete auch deutlich mehr. Mit guten Kombinationen zu Kopf und Körper und ihrer Handspeed hielt Taylor dagegen. Bis auf die neunte Runde, in der beide ein wenig das Tempo herausnahmen, feuerten die Kämpferinnen bis zur letzten Patrone, ohne dass sich eine von beiden großartig absetzen konnte. Entsprechend knapp gestaltete sich das Urteil: 96-94 und zwei Mal 96-95 für die alte und neue Weltmeisterin Katie Taylor.

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1 Kommentar

  1. 2. Mai 2021 at 12:54 —

    Hat Richards nicht so schlecht gemacht. Aber Bivol … andere Liga.

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