Top News

Ulli Wegner: Am Monatsende ist Schluss

Wer hätte das jemals gedacht: Sauerland-Trainerlegende Ulli Wegner verlängert seinen Vertrag nicht noch einmal. Nach 20 Jahren bei Sauerland ist am 30. Juni Schluss. Der 76-jährige hatte zwar seit Jahren die Zusage des Sauerland-Teams, so lange Cheftrainer bleiben zu können wie er möchte, aber er will nicht mehr. Die Gründe dafür sind nicht nur altersbedingt. Wegner schildert in einem Interview mit dem Print-Magazin Box-Sport, was ihn bewogen hat aufzuhören. Einige Passagen dieses Interviews wurden bereits online veröffentlicht.

Der Hauptgrund für sein Aufhören scheint darin zu liegen, dass Wegner mit den Auffassungen der Sauerlands nicht mehr im Einklang ist. Wegner ist der Meinung, es müsste einiges geändert werden, damit Sauerland-Boxer wieder zur Weltspitze gehören. Wegner (Zitat): „Weltspitze ist der Anspruch, den wir haben. Das würde mich motivieren und vielleicht dazu bewegen, als Trainer bei Sauerland weiter zu machen. Ich will, dass meine Jungs Erfolg haben. Für Mittelmaß stehe ich nicht zur Verfügung.“

Hier muss man mal kurz innehalten und darüber nachdenken, was Wegner sagt. Glaubt er tatsächlich, seine Boxer waren Weltspitze? Boxer wie Ottke, Beyer, Huck, Abraham; May, Murat Gutknecht und viele mehr waren Europa- und Weltmeistertitelträger. Aber waren sie auch wirklich Weltspitze oder wurden sie durch geschickes Sauerland-Matchmaking in die Nähe der Weltspitze befördert?

Sky - Wählen Sie Ihr Lieblingsprogramm!

Ohne jeden Zweifel hat Ulli Wegner in den Jahren bei Sauerland eine große Leistung als Trainer erbracht und aus dem „vorhandenen Material“ das Beste heraus geholt. Woran man aber zweifeln muss ist, ob er wirklich das Alles selber glaubt, was er öffentlich über die Leistungen seiner Boxer zum Besten gegeben hat. Boxer wie Abraham oder auch Huck waren nur solange „Weltspitze“, bis sie den richtigen Gegnern gegenüber standen. Sven Ottke kam noch gut weg. Abraham versagte nach dem Aufstieg ins Supermittel beim Super-Six Turnier und konnte danach nur ansatzweise an frühere Erfolge gegen ausgesuchte Gegner im Mittelgewicht anknüpfen. Marco Huck war auch nur so lange Weltmeister, wie Sauerland hinter ihm stand. Bei anderen Boxern, wie Dominik Britsch war der Wunsch da, groß raus zu kommen, aber es reichte nicht, einfach nur der Liebling des Trainers zu sein.

Wenn Ulli Wegner jetzt die Reissleine zieht, dann ist das sicherlich auch dem Umstand zuzuschreiben, dass die finazielle Lage des Sauerland-Teams sich geändert hat. Man verfügt nicht mehr über den auskömmlichen ARD-Vertrag, der das Team jahrelang voll finanziert hatte. Man kann es sich nicht mehr leisten, Boxer, die maximal erweiterte Weltspitze waren, zu Stars zu machen. Einerseits fehlen dazu die finanzellen Mittel, andererseits sind auch die Zuschauer kritischer geworden und lassen sich nicht mehr jedes Urteil andrehen. Das Fehlurteil, was es zum Beispiel nach dem Kampf zwischen Huck und Lebedev gab und das Wegner auch noch verteidigte, würde heutzutage zu einem riesigen Shitstorm führen.

Das Problem von Ulli Wegner ist die fehlende Perspektive auf wenigstens einen oder zwei Boxer, die nach Huck und Abraham bei Sauerland zu Weltmeistern und Publikumslieblingen gemacht werden könnten. Auch Wegners Traum, einen Schwergewichtsweltmeister zum Erfolg zu führen, wird sich nicht erfüllen lassen. Er hat zwar Kubrat Pulev versprochen ihn weiter zu betreuen, wenn der es wünscht. aber ob Pulev jemals Weltmmeister eines der 4 großen Weltverbände wird, muss man angesichts der momentanen Konkurrenz bezweifeln.

Was einem als Zuschauer und Boxfan bleibt, ist die Gewissheit, dass Ulli Wegner immer versucht hat, das Optimale für seine Boxer zu erreichen. Das allein und auch seine ganze Art, an die man sich über die Jahre gewöhnt hatte, machen ihn zu einer deutschen Trainerlegende. Man wird ihn vermissen und kann ihm nur alles Gute im wohlverdienten Ruhestand wünschen.

Voriger Artikel

Boxsport – Vorschau auf das kommende Wochenende

Nächster Artikel

Claressa Shields und Christina Hammer siegten in Detroit

10 Kommentare

  1. Profilbild von Brennov
    22. Juni 2018 at 12:51 —

    Ein ganz großer geht.
    damit geht die ära der 1990iger und 2000er entgültig zu ende. auch wenn huck, abraham und brähmer noch mal boxen werden aber ihre zeit ist genauso um wie die von wegner und von sauerland.

  2. Profilbild von Loebel Chrissy, der Riemenschlucker

    Bei der Überschrift dachte ich, er hört auf zu tanken
    aber warum mit etwas aufhören, dass man
    so gut kann?

  3. Profilbild von Peddersen
    22. Juni 2018 at 16:59 —

    Gott sei Dank, wird Zeit Junge!! Junge!!!!!!!

  4. Profilbild von Dickn
    22. Juni 2018 at 18:59 —

    DER Boxtrainer geht….”Glaubt er tatsächlich, seine Boxer waren Weltspitze? Boxer wie Ottke, Beyer, ” Was soll das nachgetrete bei einem alten Mann? Und ja, die Boxer gehörten während Ihrer Zeit zur Weltspitze, dazu zählt man da mehr als nur 1-2 Leute. Er meinte auch sicher nicht alle Boxer die er jemals trainiert hat.

    • Profilbild von reineckefuchs
      22. Juni 2018 at 23:21 —

      Lies den letzten Absatz, dann wirst du merken, dass es nicht um “Nachtreten” geht, wenn man einfach mal realistisch die Wahrheit sagt.

      • Profilbild von Max Power
        24. Juni 2018 at 00:40 —

        sag mal was da lost ist.
        wieso gibts seit 2 wochen keine tippspiel-threads mehr?

      • Profilbild von Brennov
        24. Juni 2018 at 13:08 —

        naja aber Wahrheit? ist es die wirklich. im Mittelgewicht gehörte Abraham sicher vor seinem aufstiegt zu den besten 3 wenn er nicht sogar der beste war. im smg waren ward und froch dann besser aber ob es noch mehr bessere gab. was ist die weltspitze? nur der beste? selbst dann war der ein oder andere nah dran.
        nachtreten ist es nicht aber so ein unqualifizierter Kommentar muss auch nicht sein.

  5. Profilbild von Dr. Fallobsthammer ( ͠° ͟ʖ ͡°)

    Solche Jahrhunderttalente wie Ottke wird es leider nie wieder geben.

  6. Profilbild von Luzifer
    25. Juni 2018 at 12:15 —

    Naja, es hat schon lange zwischen Sauerland und Wegner gekriselt, das konnte auf Dauer nicht gut gehen.

    Bin aber mal gespannt ob er als Trainer dennoch weiter macht?

Antwort schreiben