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Tyson Fury vs Deontay Wilder – Pöbelparty im Schwergewicht

Ein Beitrag von F. W.:

Um ein großer Champion zu sein, musst Du dran glauben, der Beste zu sein. Wenn Du es nicht bist, tue wenigstens so.“ Muhammed Ali – von dem diese Worte stammen – war vermutlich der Vorreiter des Trashtalk im Boxsport. Nicht nur, dass er seine Gegner mit Spott, Hohn und Beleidigungen überschüttete, im Ring ließ er dann Taten folgen, machte sogar zeitweise Vorhersagen über die Runde seines KO-Sieges.

Aber auch Ali hatte sich das nur abgeguckt. Sein Vorbild: der Wrestler George Raymond Wagner, besser bekannt als „Gorgeous George“. Über ihn sagte der Boxjournalist Bert Sugar (Boxing Illustrated, The Ring, Bert Sugar’s Fight Game): „Er war ein Mann, den man zu hassen liebte!“ Fakt ist: Wagner zeigte, wie wichtig ein Image sein kann. Nachdem Ali feststellen musste, dass Wagners lautstarke Selbstinszenierung bei Zuschauern und Presse gut ankam, nahm der junge Boxer sich ein Beispiel am lautstarken Auftritt des Wrestlers.

Heutzutage wäre Ali allerdings ein harmloser Vertreter dieses Genres: der Trashtalk scheint mittlerweile fast zum guten Ton im Kampfsport zu gehören. Auch Floyd „Money“ Mayweather beherrscht die „Müllsprache“, die Wikipedia übrigens mit „informelle, unflätige Aussprüche in Wettbewerbssituationen“ erklärt und für die es wohl keine deutsche Übersetzung gibt.

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So äußerte Mayweather zum Beispiel vor dem Kampf gegen McGregor: „Mixed martial arts is for beer drinkers!“ Aber auch schon lange vorher hatte Mayweather ein loses Mundwerk. Vor der Begegnung mit Ricky Hatton (immerhin 43-0-0 bei 31 KO-Siegen) sagte der US-Amerikaner im Jahr 2007: „He didn’t fight 43 Floyd Mayweathers, because if he did, he’d be 0 – 43.”

Oft haben solche diffamierenden Äußerungen wohl vor allem ein Ziel, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, einen Kampf besser vermarkten zu können. In der Regel wird das natürlich keiner zugeben, sodass die folgende Äußerung von David Haye schon eine Ausnahme ist. Im Interview mit dem britischen Sportradiosender „talkSPORT“ erklärte Haye im Bezug auf den ersten Kampf gegen Tony Bellew, er habe nur “den Schurken gespielt“ und die Rivalität hochgefahren, um den Kampf im Schwergewicht besser zu verkaufen: „Ich habe nie ein Problem mit Tony gehabt“ sagte Haye, der sich vor dem Kampf nach ganz anders anhörte. So gab der „Hayemaker“ zum Beispiel im Interview mit der britischen Tagszeitung „The Sun“ zum Besten: “Ich habe noch nie einen Kampf gemacht, wo ich den Schädel meines Gegners so gerne aushöhlen wollte wie jetzt!“

Die aktuellen Trashtalk-Könige sind zurzeit in der Königsklasse zu finden: Der Brite Tyson Fury und Deontay Wilder aus den USA dürften wohl „den Vogel abschießen“. Beide sind für ihre verbalen Ausfälle bekannt, Wilder bekam im Frühjahr 2018 sogar Ärger mit dem Verband WBC. Nachdem der Amerikaner in einem Radiointerview den Hörern mitgeteilt hatte: „Ich möchte eine Leiche in meinem Kampfrekord haben!“ kündigte die WBC eine Untersuchung des Falles an. Daran gemessen fasst Wilder seinen kommenden Gegner Tyson Fury ja geradezu mit Samthandschuhen an, ein bisschen Angebrülle, ein paar Äußerungen à la „Ich habe in die Augen des Killers gesehen und ich sah nur ein Kätzchen.“ Ein paar abwertende Bemerkungen von Tyson Fury: „”Er ist ein Spargeltarzan, ein Penner ohne Kinn. Ich will ihn in Stücke reißen wie ein Pitbull.” Dann ein bisschen Rumgschubse – fertig ist der medienwirksame Cocktail, der für viele Zuschauer, Zuhörer, Leser und Klicks im Internet sorgt. Muhammed Ali würde sich vielleicht im Grabe herumdrehen. Möglicherweise hätte er aber auch seinen Spaß daran.

 

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3 Kommentare

  1. 30. November 2018 at 01:43 —

    Man darf davon ausgehen, dass das Ganze reine Show ist, um das schwindende Interesse am Boxsport zu retouchierchen.
    Tatsache ist, dass Wilder, Fury, Joshua in der Wahrnehmung des Sportinteressierten meiner Meinung nach nur noch bestenfalls Randerscheinungen in der weltweiten Sportszene sind.
    ..

  2. 30. November 2018 at 06:59 —

    Mal abgesehen von Canelo ist PPV in den Staaten tot. Was macht jetzt Wilder? Er bringt die Rassendiskriminierung ins Spiel in der Hoffnung, dass der dumme casual White Boy USD 79,00 bezahlt, um ihn verlieren zu sehen. Ganz billiger Trick, klappte fast immer bei Pretty Boy.

  3. 30. November 2018 at 13:51 —

    Muss heißen:

    retuschieren

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