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Tyson Fury und Otto Wallin kämpften volle 12 Runden

Wer hätte das gedacht? Die Mehrheit der Boxfans glaubte vor dem Kampf an einen KO-Sieg Furys. Doch diesmal wurden im Gegensatz zu Furys vorherigem Kampf gegen Tom Schwarz volle 12 Runden gekämpft. Das Punkturteil war mit 116:111, 117:111 und 118:110 recht klar und deutlich zu Gunsten des „Gypsy King“.

Fury, der scheinbar auch einige Fans in Mexiko zu haben scheint, baute seine Show rund um den Kampf gegen Wallin „mexikanisch“ auf. Er erschien bereits zum Wiegen mit einer mexikanischen Kopfmaske und auch beim Einmarsch zum Kampf waren sein Outfit und sein ganzer Auftritt mexikanisch geprägt. Selbst seine Handschuhe und seine Hose waren in den Farben Mexikos. Schließlich ging es bei diesem Kampf ja auch um einen einmaligen mexikanischen Fantasiegürtel, den „WBC-Maya“, was auch immer die Mayas mit dem Boxsport zu tun hatten. Außerdem ist der 16. September der mexikanische Nationalfeiertag. Auch das dürfte bei der Fury-Show eine Rolle gespielt haben.

Die Zuschauer in der T-Mobile Arena und weltweit an den Bildschirmen sahen in den ersten Runden einen eher verhaltenen Kampf. Wallin hatte seine Mühe, an Fury heran zu kommen. Der wechselte immer mal die Auslage und war offensichtlich auf den Rechtsausleger Wallin gut vorbereitet. Der Schwede ging etwas beherzter in die 3. Runde und kam mal mit einem Jab durch. Er wurde im Verlauf dieser Runde aber mehrmals von Fury getroffen. Das waren schon Schläge, die etwas mehr Power hatten. Fury verschaffte sich Respekt und die Rollenverteilung war spätestens jetzt klar geregelt: Fury war Chef in Ring. Dennoch: Fury wurde über dem rechten Auge getroffen, wobei eine Platzwunde entstand.

Genau dieser Cut schien Wallin die Hoffnung zu geben, den Kampf gegen alle Erwartungen gewinnen zu können. Er setzte darauf, diese Verletzung weiter zu bearbeiten. Womöglich war er darauf aus, dass Fury aus dem Kampf genommen wird. Doch diese Rechnung ging nicht auf. Der Cut blutete zwar immer wieder, aber Ringrichter Tony Weeks hatte auch nach der Untersuchung der Verletzung durch den Ringarzt in Runde 6 keinerlei Veranlassung, deswegen den Kampf zu beenden.

Nachdem die Hälfte der Distanz vorüber war, zeigte Fury etwas mehr Entschlossenheit. Bis dahin sah es über weite Stecken so aus, als würde er nur einen lockeren, vielleicht sogar knappen Sieg einfahren wollen. Offenbar hatte er dann in der Pause zur 7. Runde von seiner Ecke die Order bekommen etwas mehr zu tun, was er auch umsetzte. Fury sorgte wieder für klare Verhältnisse, obwohl er wegen der blutenden Verletzung etwas beeinträchtigt war. Er traf mit starken Einzelhänden, später schlug er auch ein paar Kombinationen, die Wallin durchschüttelten. Erstaunlich, was der Schwede scheinbar schadlos wegsteckte. Wallin widmete diesen Kampf übrigens seinem kürzlich verstorbenen Vater. Vielleicht machte ihn genau das so stark.

Zum Ende der 10. Runde war klar, dass Wallin nur noch durch KO gewinnen kann. Er setzte weiter darauf, Furys Cutverletzung zu bearbeiten. Das blieb allerdings ohne Erfolg. Auch in den letzten beiden Runden waren die enormen Anstrengungen Wallins zu erkennen, aber Fury verwaltete seinen Vorsprung und brachte seinen Punktsieg sicher ins Ziel. Man konnte es kaum glauben: Wallin hat es tatsächlich bis zur letzten Glocke geschafft und sah dabei nicht mal schlecht aus.

Nach 12 Runden war Otto Wallin trotz seiner ersten Niederlage froh über den Kampf: “Ich habe alles gemacht, was ich konnte. Tyson Fury ist ein richtiger Champion. Ich habe versucht, ihn zu treffen. Ich war über den Cut froh, aber ich konnte das nicht fortsetzen. Ich habe großes Herz gezeigt.”

Tyson Fury zollte seinem Gegner Respekt:  “Das war ein besonderes Wochenende. Otto Wallin ist ein großer Schwede. Rest in Peace für seinen Vater. Ich habe den Schlag vor dem Cut nicht gesehen. Ich habe danach auf dem rechten Auge nichts gesehen. Aber ich bin ein großer Kämpfer, ich bin der Gypsy King. Viva Mexico. Ich bin der Lineal Champion. Deontay Wilder, Du kannst mir nicht entkommen. Ich war gut vorbereitet. Meinen Respekt für Wallin. Er war ein harter Typ. Sein Vater würde sehr stolz auf seinen Sohn sein.“

Auf Fury wartet nun das Rematch gegen Deontay Wilder. Das Unentschieden aus dem ersten Kampf wird sich sicher nicht wiederholen. Nach bisherigen Angaben soll der Kampf im Februar 2020 stattfinden.

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12 Kommentare

  1. 15. September 2019 at 13:07 —

    Miserable Leistung von Fury.Wallin hat seine Sache super gemacht.Ein unentschieden wäre durchaus vertretbar gewesen.Wilder wird im Rematch den Zigeunerkönig ausknocken.Wilder hat richtig Gewicht zugelegt und sieht nicht mehr aus wie ein Cruisergewichtler.

  2. 15. September 2019 at 13:19 —

    Da kann sich Tom Schwarz mal ne Scheibe von abschneiden.. Gute kämpferische Leistung von Wallin!! Fury hatte hinten raus schon Konditionsprobleme.. So ist es halt wenn die eingekaufte“Flasche“ leider nicht umfällt. Kann auch nicht glauben, dass die vom Gewicht her nur 6kg auseinander waren.. Das sah aus wie Schwergewicht gegen Halbschwergewicht.. Sieg geht in Ordnung!!!

  3. 15. September 2019 at 17:49 —

    Guter Kampf von beiden, aber es ist vor allem Wallin, der sich hier beglückwünschen darf. Erstens hat er einen Klassefight abgeliefert, mit irrsinnig viel Herz, aber auch einer guten Technik und erstaunlichem taktischem Geschick. Zweitens dürfte er sich damit seine Rente gesichert haben, denn der Marktwert des Schweden hat sich seit gestern mit Sicherheit verzehnfacht und Börsen für Challenges gegen die Besten oder 1-B-Leute wie Chisora, Povetkin oder Pulev kann er schon einmal einplanen, wenn er diszipliniert bleibt.

    Ich habe gleich gesagt, jeder, der Wallin mit Schwanz vergleicht, hat vom Boxen nicht viel Ahnung, aber das hätte ich ihm wirklich auch nicht zugetraut. Der Cut war natürlich fatal für Fury, aber so mit Volldampf den KO suchen ist auch einfach nicht sein Ding – seine Stärken liegen in der Defensive, im Negieren der Skills des Gegners und im Konterboxen. Von daher eher eine 3+ nach Schulnoten für seine Performance. Hatte es 116 : 112, der 118 : 110 Score ist ungerecht gegenüber Wallin meiner bescheidenen Meinung nach.

    Bin vor allem mal gespannt, ob der eingeplante Termin im Februar für das Wilder-Rematch eingehalten werden kann, könnte mir vorstellen, dass der Cut länger zum Abheilen bis zu einem risikolosen Kampfeinsatz braucht.

  4. 15. September 2019 at 19:53 —

    Ich finde Carlos‘ Urteil gar nicht so falsch. Ganz objektiv hatte ich auch 6 Runden bei Wallin. Mir war jedoch klar, dass es mit Heim und „WM-Bonus“ niemals reichen würde. War jetzt keine Robbery oder irgendwas, was dem Nahe käme. Gegen schnellere, leichtere Boxer hat Fury deutlich mehr Probleme als gegen statische, schwere Leute. Für mich wäre er gegen Usyk nur Außenseiter. Gegen Ruiz, AJ oder Wilder sehe ich ihn jedoch überlegen (falls er stehen bleibt).

    • 16. September 2019 at 11:26 —

      Klar, ein Typ, der noch nie im Schwergewicht gekämpft hat (die paar WSB-Kämpfe mal außen vor) ist jetzt Favorit gegen einen der unbestritten besten HW der Welt – wegen einer mittelmäßigen oder vielleicht sogar unterdurchschnittlichen Performance. Und Milch ist übrigens bei Kindern krebserregend.

      • 16. September 2019 at 18:03 —

        Wenn du meine Beiträge öfter verfolgen würdest, dann wüsstest du, dass ich die These, das Usyk der gefährlichste Gegner für Tyson Fury wäre, schon in der Vergangenheit artikuliert (und auch begründet) habe.

        Aber Differenzierung ist ja bekanntlich nicht so deins. Lieber Aufmerksamkeit um jeden Preis. Gegen ADHS hat deine Milch zumindest nichts ausrichten können.

        • 17. September 2019 at 01:56 —

          Wallin vs. Fury war ein Draw.

          Usyk wäre Favorit gegen Fury.

          Und warum sollte ich deine „Beiträge“, die einen derart abstrusen Müll mit vollem Ernst verbreiten, „öfters verfolgen“?

          Aber „The Great One“, ich bin sicher, du findest dafür auf jeden Fall eine „Begründung“.

          • 17. September 2019 at 09:11

            Belassen wir es dabei „ Adolf“

  5. 15. September 2019 at 19:55 —

    Fury würde ich übrigens zutrauen, dass er den WBC Biene Maja-Belt künftig mit sich rumschleppt 😉

  6. 16. September 2019 at 14:04 —

    ich hatte es am ende 115:113 fury. Leider.
    Man hätte den kampf wegen der verletzung durchaus abbrechen können. hätte wallin sie gehabt wäre es 100% abgebrochen worden. fruy hat sich mit “heim bonus” und “star bonus” gerade so zum sieg gerettet. wallin ist trotz der niederlage der gewinner und wir lukrative angebote bekommen die er sich auch verdient hat. alles in allem war es trotzdem ein guter kampf.

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