Top News

Tony DeMarco stirbt mit 89 Jahren

Tony DeMarco stirbt mit 89 Jahren

Auch wenn der Name Tony DeMarco heutzutage selbst den meisten Boxfans nichts mehr sagt, im Bostoner Stadtteil North End wurde DeMarco bis zu seinem Tod am vergangenen Montag von jedermann nur „Champion“ genannt. Der 89-jährige ‚Boston Bomber‘, dem zu Ehren die Stadt Boston im Jahr 2012 sogar eine Bronzestatue aufstellen ließ, hat auch eine „eigene Straße“ in Boston: den „Tony DeMarco Way”.

DeMarco wurde als Sohn sizilianischer Einwanderer am 14. Januar 1932 unter dem Namen Leonardo Liotta in Boston geboren. Als er 11 Jahre alt war, begann Tony DeMarco für einen Bostoner Club zu boxen. Schon im Alter von 15 Jahren trainierte er mit Profis, war aber zu jung, um eine Profilizenz zu bekommen. Mit Hilfe eines Priesters und eines 18-jährigen Freundes löste der junge Boxer dieses Problem, wie er später einmal in einem Interview erzählte: „Ich ging zu Pater Mario, der mir eine gefälschte Taufurkunde gab, und ich habe mir den Namen eines anderen Jungen namens Tony DeMarco für die Urkunde ausgeliehen. Natürlich dachte Pater Mario – als der gute Mensch, der er war – ich würde das nutzen, um einen Job zu bekommen, und nicht, um im Alter von 16 Jahren ein professioneller Kämpfer zu werden.” Das offizielle Mindestalter für Boxprofis lag damals bei 18 Jahren.

Im Laufe seiner Karriere besiegte Tony DeMarco viele der besten Leicht- und Weltergewichtler jener Zeit, darunter Paddy DeMarco, Teddy „Red Top” Davis, Chris Christensen und Pat Manzi. Dabei galt er weniger als Filigrantechniker, sondern als rauer und zäher Krieger. Legendär sind seine beiden Kämpfe gegen Carmen Basilio, in etwa zu vergleichen mit der Rivalität zwischen Arturo Gatti und Micky Ward.

Mit seinem Sieg über Johnny Saxton krönte sich DeMarco am 1. April 1955 zum Weltmeister. „Ich kann es nicht glauben“ soll DeMarco danach in der Umkleidekabine mit feuchten Augen geflüstert haben: „Es ist passiert. Gott sei Dank. Gott sei Dank.” Schon rund zehn Wochen später verlor er den Titel an Carmen Basilio, der ihn in der 12. Runde niedergeschlagen konnte.

Nach 71 Kämpfen hängte Tony DeMarco 1962 mit einer Bilanz von 58-12-1 bei 33 Siegen durch KO seine Handschuhe an den Nagel. Im Rückblick auf seine Karriere sagte er einmal: „Hauptsächlich betrachte ich mich als Schläger.”

„Er ist jetzt zu Hause“, hat seine Frau Dorothy erklärt: „Er ist nicht gestorben. Er ist nach Hause gegangen.” “Er war der Held von North End”, schrieb einmal ein Sportjournalist: “Nicht weil er der beste Boxer, sondern weil er so verdammt mutig ist.“

RIP, Tony DeMarco.

Voriger Artikel

Andy Ruiz jr fordert Tyson Fury heraus

Nächster Artikel

Boxsport – Telegramm vom 15. Oktober 2021

3 Kommentare

  1. 14. Oktober 2021 at 20:51 —

    toller box history artikel. ich finde es gut wenn sowas ab und an mal hier auftaucht.

Antwort schreiben