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Tod einer Trainerlegende: Der Mann hinter Ali

Im Alter von 90 Jahren verstarb am Mittwoch, dem 01. Februar 2012, Angelo Dundee. Nach Angaben des „Miami Herold“ erlag er in einem Krankenhaus in Miami den Folgen eines Herzinfarktes. Vor einer Woche noch war er wegen eines Blutgerinnsels ärztlich behandelt worden.  Mitte Januar hatte Dundee an den Feiern zum 70. Geburtstag von Muhammad Ali teilgenommen. Jimmy Dundee, sein Sohn, erklärte, dass „Angelo  …  im Beisein seiner Familie und seiner engsten Freunde gestorben“ sei. Er sei „sehr glücklich darüber gewesen, dass er Alis 70. Geburtstag noch erleben durfte“.

Angelo Dundee wurde am 30. August 1921 in Philadelphia geboren. Er hieß eigentlich Angelo Mereno. Er und sein Bruder „tauften“ sich aber nach dem US-amerikanischen Leichtgewichtler Johnny Dundee um.

Angelo Dundee war Schüler des bekannten Boxtrainers Lou Stillman. Er zog nach New York, später nach Miami  (Florida) und beteiligte sich dort an der später weltbekannten Boxschule „Fifth Street Gym“. Den ersten von ihm  trainierten Boxer, der über die US-Grenzen ein Markenzeichen wurde, kann man in  Carmen Basilo sehen, den späteren Weltmeister im Welter-und Mittelgewicht. Legendär  wurde Dundee als Trainer des frühen Cassius Clay bzw. späteren Muhammad Ali. Er betreute ihn, als er  im Titelkampf gegen Sonny Liston  sensationell siegte und Schwergewichtsweltmeister wurde. Auch als Cassius Clay zum Muslim konvertierte und sich von da an Muhammad Ali nannte, blieb er trotz der Einflussnahme der Black Muslims, die einen anderen Trainer aussuchen wollten, dessen Betreuer. Mit Ali trat er in allen Gegenden der Welt auf und coachte ihn in den Kämpfen  gegen große Gegner wie  Patterson, Frazier, Foreman oder Spinks. Nach Alis Rückzug aus dem Boxgeschäft wurde er Trainer und Betreuer von Sugar Ray Leonard und führte ihn u. a. zu Siegen gegen Duran und Hearns.

Angelo Dundee ist als Motivationskünstler legendär. Er führte nicht nur die Größten des Boxsports, sondern trainierte in seiner Boxschule Hunderte von Nachwuchsleuten. Insbesondere brachte er sie dazu, die Kunst des linken Jabs  zu beherrschen. Im „Thrilla in Manila“, dem dritten Kampf gegen Joe Frazier, hätte Ali nach der 14. Runde den Kampf aufgegeben,  als beide mit ihren Kräften am Ende waren, wäre nicht Angelo Dundee gewesen, der ihn anbrüllte, aufzustehen und weiter zu kämpfen, weil er sah, dass Frazier am Ende war. Dann stand Ali, Frazier blieb sitzen. Weltmeister blieb Muhammad Ali.

Der  Werbespot von einer Pizzakette, in dem Ali zum letzten Mal auftritt, geriet zu einer Hymne an seinen Trainer, der ihn zum Größten gemacht hat. Er wurde am Tag des Finales der Football-Saison vor zehn Jahren  ausgestrahlt und rührte Millionen Amerikaner zu Tränen. Dennoch enthielt der Spot einen wahren Kern: Es wird ein junger Schwarzer gezeigt, der sich im Sparring unter Aufsicht von Dundee im Ring bewegt. Dann bricht er das Sparring ab, sagt zu Dundee, dass es keinen Zweck habe und dass Dundee als Trainer nichts tauge. Angelo Dundee zeigt keine aggressive Reaktion, fordert den Jungen vielmehr freundlich  auf, mit ihm zum Abschied eine Pizza in einem Restaurant zu essen. Dort wird, ohne dass sie bestellt worden ist, eine Riesenpizza serviert. Der junge schwarze Boxer will sie deshalb barsch zurückweisen. Die Bedienung, eine junge Kellnerin, zeigt auf einen Mann, der etwas entfernt von den beiden ruhig am Tisch sitzt. Sie sagt, dass der Mann ihr aufgetragen habe, mitzuteilen, dass die Pizza für einen Trainer sei, der ihm alles beigebracht habe, was fürs Boxen wichtig ist. Der Mann am Tisch ist Muhammad Ali, der dem jungen Schwarzen nun zuzwinkert und winkt.   

Im Kampf Sugar Ray Leonards  am 16. September 1981 gegen Tommy Hearns um den Weltergewichtstitel nach WBC- und WBA-Version  sah Dundee mit Schrecken eine Punktniederlage Leonards herannahen. Er pushte  seinen Mann, indem er ihn anbrüllte, dass er im Begriff sei, alles zu versauen: “You’re blowing it, son… you’re blowing it“. Und Leonard siegte durch TKO in der 14. Runde. Der Kampf ging übrigens als „Fight oft he Year“, gekürt  von Nat Fleischers  „The Ring Magazine“,  in die Annalen ein.

Insgesamt trainierte und betreute Angelo Dundee 15 Weltmeister. Neben den bereits genannten Boxern  sind es unter anderem  der spätere George Foreman, Carmen Basilio, Jimmy Ellis oder der Weltmeister im Weltergewicht der späten 1960er und frühen 1970er Jahre, José Napoles. Angelo Dundee wird als einer der größten Trainer der Boxgeschichte eine Legende bleiben.

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3 Kommentare

  1. Jax
    2. Februar 2012 at 19:47 —

    Er hat den Sport geprägt und viele legendäre Kämpfer geformt. Möge er in Frieden ruhen.

  2. boxfreund
    3. Februar 2012 at 00:45 —

    ein seeliges alter,ein erfülltes leben !!
    wir sollten uns ein beispiel nehmen !!!
    DANKE für deine arbeit und ruhe in frieden

  3. Riza
    5. Februar 2012 at 22:17 —

    R.I.P

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