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Tarver kann gegen Kayode nicht überzeugen, bleibt nach Unentschieden aber IBO-Champion

Antonio Tarver, Lateef Kayode ©Esther Lin / SHOWTIME.

Antonio Tarver, Lateef Kayode © Esther Lin / SHOWTIME.

IBO-Cruisergewichts-Champion Antonio Tarver (29-6-1, 20 K.o.’s) hat auf dem von Showtime übertragenen Event in Carson (Kalifornien) seinen Titel gegen den ungeschlagenen Nigerianer Lateef Kayode (18-0-1, 14 K.o.’s) verteidigt. Nach einem sehr verhaltenen Beginn reichte es für den 43-jährigen Amerikaner Dank eines starken Finishs jedoch nur zu einem Unentschieden.

Tarver schlug in der ersten Runde noch kaum, und auch Kayode war nicht so aggressiv, wie man im Vorhinein vermutet hatte. In der zweiten Runde marschierte der Champion zwar stetig nach vorne, brachte aber immer noch sehr wenige Schläge, Kayode, der mit seiner Beinarbeit und Beweglichkeit viele Anwesende überraschte, schlug einige Serien, die aber zumeist auf die Deckung gingen. In der dritten Runde brachte Tarver mit einem linken Uppercut seinen bislang besten Schlag ins Ziel, der physisch enorm starke Kayode ließ sich davon aber nicht beeindrucken.

In der vierten Runde traf Tarver einige Male recht gut zum Körper, Kayodes höhere Schlagfrequenz, Physis und Entschlossenheit stellten Tarver aber vor relativ große Probleme. Auch in der fünften Runde machte Tarver klar zu wenig und drohte damit einen Großteil der frühen Runden abzugeben.

Ab der sechsten Runde begann der Kampf sich aber langsam zu drehen, Tarver wirkte deutlich aggressiver und traf einige Male gut mit dem rechten Haken und der linken Geraden. In der siebten Runde ging Kayode nach einem Treffer Tarvers beinahe zu Boden, wie die Zeitlupe aber zeigte, handelte es sich nicht um Schlagwirkung, sondern vielmehr um einen Stolperer. In der achten Runde war Kayode nach einem linken Volltreffer Tarvers jedoch in sichtbaren Schwierigkeiten, seine Fitness ließ ihn die Situation aber gut überstehen.

Auch in der neunten Runde konnte man beim Nigerianer klare Schlagwirkung feststellen, doch auch hier kehrte Kayode am Ende mit eigenen guten Aktionen zurück. Tarver wechselte im zehnten Durchgang die Auslage und beschäftigte den im Rückwärtsgang boxenden Kayode mit einer hohen Schlagfrequenz. Kayode startete daraufhin eine wuchtige Serie zum Körper, von der allerdings beinahe alle Schläge auf dem Tiefschutz Tarvers landeten.

Beide Boxer wirkten in der elften Runde bereits etwas müde, für den 28-jährigen Kayode war es das erste Mal in seiner Karriere, dass er mehr als zehn Runden gehen musste. Am Ende kam Tarver jedoch mit einigen linken Geraden durch, die ihm die Runde gesichert haben dürften. Der Kampf stand damit auf des Messers Schneide, Tarver hätte sich mit einer starken Schlussrunde noch den Sieg sichern können, machte aber zu wenig und ließ Kayode noch einmal stärker werden.

Das Urteil von 115-113 (Tarver), 115-113 (Kayode) und 114-114 brachte am Ende ein gerechtes Unentschieden, das aber keinem der Boxer so wirklich weiterhilft. Eigentlich wollte der künftige Hall of Fame-Fighter Tarver mit einem eindrucksvollen Sieg seinen Schwergewichtsambitionen neuen Schwung verleihen, diese Pläne liegen nach dieser nicht sonderlich überzeugenden Leistung aber erstmal auf Eis. Kayode steht nach einer guten boxerischen Performance gegen einen Top-Mann ohne Titel da, dürfte in den Ranglisten aber kaum zurückfallen.

“Die einzige Gerechtigkeit heute war, dass ich meinen Titel behalten durfte”, sagte Tarver im Interview mit seinem Arbeitgeber Showtime, wo er normalerweise als Kommentator tätig ist. “Ich habe jede Runde dominiert, er hat nur mit der Innenhand geschlagen und kaum getroffen. Ich habe langsam angefangen, ich habe ihn nach der sechsten Runde aber klar dominiert. Ich wollte ihn abtasten. Er hat den ganzen Abend daneben geschlagen. Ich hatte noch nie ein Unentschieden. Das ist definitiv ein Makel in meiner Bilanz. Er hat von mir eine Lehrstunde erhalten. Wenn er mich niedergeschlagen hätte, könnte ich es ja noch verstehen. Ich will noch einen Kampf im Cruisergewicht machen. Das kann ich aber nur gegen Leute wie Huck und Wlodarczyk machen. Danach will ich ins Schwergewicht wechseln um gegen die Klitschkos zu kämpfen.”

Der von Freddie Roach trainierte Kayode sah sich ebenfalls als Sieger an. “Seht mich an, seht ihn an. Jeder weiß, dass ich gewonnen habe”, so Kayode. “Ich habe meinen Job gemacht. Jetzt musst du dich bei mir entschuldigen. Ich bin besser als du. Dieses Urteil gab es doch nur, weil er für Showtime arbeitet. Ich will ein Rematch auf HBO. Ich habe mich bewegt, habe mit meinem Jab getroffen. Ich habe gewonnen.”

Im zweiten Hauptkampf des Abends konnte Mittelgewichts-Anwärter Peter Quillin (27-0, 20 K.o.’s) einen überzeugenden Sieg gegen Ronald “Winky” Wright (51-6-1, 25 K.o.’s) einfahren. Quillin wirkte von Beginn an wie der physisch deutlich stärkere Fighter und konnte Ex-Weltmeister Wright in der fünften Runde mit einem rechten Haken zu Boden schicken. Der künftige Hall of Fame-Boxer Wright ließ stellenweise sein altes Können aufblitzen, war in der achten Runde aber nach einem Uppercut erneut in großen Schwierigkeiten und überstand die kritische Situation nur Dank seiner Erfahrung.

In der neunten Runde nahm Quillin, um sich nicht zu verausgaben, den Fuß wieder etwas vom Gas und ließ Wright wieder in den Kampf zurückkommen. In der zehnten Runde kam Wright mit einigen guten Treffern durch, ihm fehlte aber die nötige Schlagkraft, um Wirkung bei seinem um 12 Jahre jüngeren Gegner zu erzielen. Das Urteil ging mit 97-92, 98-91 und 98-91 klar an Quillin, allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass Wright seit über drei Jahren nicht geboxt hat und mittlerweile 40 Jahre alt ist. Ein Kampf zwischen Quillin und einer jüngeren, aktiveren Version von Wright wäre wohl deutlich knapper ausgegangen. Nichtsdestotrotz macht der von Freddie Roach trainierte Quillin, der diesen Sieg seinem aus Kuba eingewanderten Vater widmete, mit diesem Sieg einen großen Schritt in Richtung eines WM-Kampfes.

© adrivo Sportpresse GmbH

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19 Kommentare

  1. Mancebo
    3. Juni 2012 at 10:21 —

    Hat jemand den Kampf gesehen? Ist das Unentschieden gerecht?

  2. EddyGuerrero
    3. Juni 2012 at 10:26 —

    geh auf boxingscene . com da kann man die ganzen kämpfe anschauen war ein langweiliger kampf

  3. TheIron
    3. Juni 2012 at 10:45 —

    Hab bis Runde 8 geguckt…ist generell nicht viel passiert im Kampf…bös Runde 8 hätte ich Kayode leicht vor, also wird das Unentschieden schon okay gewesen sein…aber ich war voll enttäuscht von Kayode…saß war nichts, irgendwie langweilige und herzlose Leistung…

  4. Mancebo
    3. Juni 2012 at 11:26 —

    Ist das Unentschieden gerecht…? Oder war einer der beiden besser?

  5. robbi
    3. Juni 2012 at 11:32 —

    Sowie es auf figo berichtet wird sieht es fast so aus als hätte kayode besser ausgesehen als tarver….ich hoffe kayode boxt mal gegen unseren huck…das wird n richtiger kampf und tarver gegen lebedev…..hernandez gegen alexeev

  6. Tom
    3. Juni 2012 at 12:05 —

    @ Mancebo

    Man kann das Urteil so stehen lassen,allerdings liest sich der Bericht von adrivo besser als der Kampf es war!

  7. ghetto obelix
    3. Juni 2012 at 12:27 —

    Also ich hatte Kayode knapp vorne.
    Tarvers Aussge, er hätte jede Runde gewonnen ist natürlich ein Witz 😀
    Kayode ist nicht nur ein reiner Schläger, wie viele behaupten, er hat auch boxerisch was drauf ! Man versteht zwar kaum was er redet, der Ringmoderator von Sho glaub ich hat ihn auch nicht so recht verstanden 😉 aber von Lateef wird man sicher noch hören
    Huck vs. Tarver fänd ich ge.il !!

  8. JohnnyWalker
    3. Juni 2012 at 14:12 —

    öde öde öde !!! Die Veranstaltung war aber trotzdem recht sehenswert vor allen Dingen Trout, Bika und Santa Cruz waren gute und teilweise auch spektakuläre Kämpfe. Qullin vs Wright und Kayode vs Tarver haben das Level der Veranstaltung um einiges nach unter gefahren.

  9. Mr. Wrong
    3. Juni 2012 at 14:27 —

    VK boxt Doppel D

    bild.de/sport/mehr-sport/vitali-klitschko/letzter-kampf-gegen-charr-24457222.bild.html

  10. Alonso Quijano
    3. Juni 2012 at 14:31 —

    leute euch aufgefallen das gg vs pirog am selben tag kämpfen wie stiglitz abraham???

  11. SemirBIH
    3. Juni 2012 at 15:01 —

    @Alonso

    Interessiert keinen Mensch. Hauptsache die Kämpfe finden nicht gleichzeitig statt, weil ich nämlich beide gucken möchte.

  12. Alonso Quijano
    3. Juni 2012 at 15:04 —

    würde gehen weil der eine in ami land stattfinden würde

  13. Mr. Wrong
    3. Juni 2012 at 15:17 —

    Pirogs Management ließ heute verlauten, der Kampf gegen GGG sei zu 90% fix.
    Falls die WBO die Unification nicht sanktioniert, würden die beiden ohne Titel boxen bzw. nur um Golovkins. Grund dafür ist die Übertragung von HBO, der Kampf wird sowas wie Showdown gegen Martinez sprich der Sieger wird höchstwahrscheinlich gegen Martinez boxen.

  14. cuba style
    3. Juni 2012 at 15:24 —

    qullin hat gute chancen wm zu werden aber nicht unbedingt gegen martinez aber ich denke sturm und geale würde er vor großen problemen stellen
    tarver gegen kayode urteil geht inordung kayode hatte vllt. eine runde mehr aber war echt nicht leicht zu werten

  15. Alonso Quijano
    3. Juni 2012 at 16:09 —

    Mr. Wong guckt doch bei boxrec da geht steht das es bei den kampf um 3 gürtel geht

  16. Canelo
    3. Juni 2012 at 16:32 —

    . “Seht mich an, seht ihn an. Jeder weiß, dass ich gewonnen habe”, so Kayode. “Ich habe meinen Job gemacht. Jetzt musst du dich bei mir entschuldigen. Ich bin besser als du. Dieses Urteil gab es doch nur, weil er für Showtime arbeitet. Ich will ein Rematch auf HBO. Ich habe mich bewegt, habe mit meinem Jab getroffen. Ich habe gewonnen.”

    genau das hab ich beim urteil auch gedacht. mehr brauch man dazu nicht sagen.
    und zu Peter Quillin wenn der noch etwas mehr an der kondition arbeitet dann hat er echt gute karten.

  17. alpsboxing
    4. Juni 2012 at 01:11 —

    Fuer mich wars 114:114; kayode war die ersten 6 runden besser, tarver hat viel zu spaet mit dem gegenschlag begonnen. Wie will er so gegeg wlodarcyk oder huck gewinnen?

  18. SergioMartinez
    5. Juni 2012 at 02:01 —

    Der Kampf traver und Lateef war ultra langweilig aber die Entscheidung geht durch aus in Ordnung.
    Danach musst Traver der typische Grossmaul Boxer wieder sprueche klopfen wie ein Weltmeister was ihn noch unsympatischer macht.(Schaut euch den Kampf bloss nicht an Zeitverschwendung )
    Der Kampf mit Peter Quillin war aber echt gut und ist durchaus sehenswert

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