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Sven Elbir: „Der deutsche Boxsport besteht leider nur aus Pussies!“

In diesem Interview erklärt Sven Elbir, warum es so selten zu deutsch-deutschen Duellen im Profiboxen kommt und wen er aus der deutschen Top 8 (BoxRec) gerne vor die Fäuste bekommen würde. Weiter enthüllt der 26-Jährige Boxprofi, ob ein Kampf gegen seinen Freund Björn Schicke von Agon Sports realistisch ist.

Du hast deinen letzten Kampf am 23. November 2019 in Neustadt-Glewe gegen den Brasilianer Morrama Dheisw de Araujo Santos bestritten. Was macht so eine lange Pause mit einem Boxprofi?

Sven Elbir: „Am Anfang war ich extrem down als alles abgesagt wurde und ich habe mit dem Training aufgehört. Dann habe ich das einige Tage sacken lassen. Als mein Körper anfing sich durch die Pause zu verändern, war ich gezwungen, wieder mit dem Training anzufangen.“

Also bist du recht ehrgeizig bezüglich deines Körpers?

Sven Elbir: „Ja, genau. Das war eher meine Motivation als zu sagen, dass es bald wieder los geht im Boxen. Wenn ich trainiere, dann trainiere ich auch richtig. Bei mir gibt es nie halbe Trainingseinheiten. Jetzt halte ich mich gut fit. Das heißt, wenn alles wieder aufmacht muss ich nur drei, vier Wochen richtig anziehen und könnte wieder kämpfen.“

Im Mittelgewicht stehst du bei BoxRec auf Rang neun in Deutschland. Vor dir sind folgende Boxer platziert: Slawa Spomer, Thomas Piccirillo, Wanik Awijan, Ronny Mittag, Björn Schicke, Denis Radovan, Ibrahim Guemues und Patrick Wojcicki. Würdest du gegen jeden boxen?

Sven Elbir: „Das System von BoxRec habe ich bis heute nicht verstanden und ich boxe schon seit sechs Jahren bei den Profis. Kurz vor der Corona-Krise war ich auf Rang fünf in Deutschland und jetzt bin ich auf Platz neun. Die ranken alles hoch und runter, wie sie wollen. Viele, die nicht in den Top Ten waren sind  da jetzt. Ich blicke bei BoxRec nicht mehr durch. Der deutsche Boxsport besteht leider Gottes nur aus Pussies heutzutage! Ich meine nicht alle, aber den Großteil. 90 bis 95 Prozent der Boxer, aber ich will keine Namen nennen. Viele gehen guten Kämpfen aus dem Weg und suchen sich die Gegner aus. Viele bezahlen ihre Gegner zum Verlieren und sind deshalb gut geranked. Und dann gibt es die Manager und Promoter, die zu gierig sind, um guten Gagen für gute Kämpfe zu zahlen. Das ist eine Mischung aus beidem: Boxer, die sich nicht trauen und Angst haben, wo alles mehr Schein als Sein ist. Und Manager, die nicht bereit sind, Geld zu zahlen, aber gute Kämpfe auf die Beine stellen wollen. Ich würde gegen jeden boxen, aber die Angebote stimmen meist nicht. Entweder kommen sie zu kurzfristig, oder sie wollen eine Börse bieten, wo du weißt, dass du dir das nicht wert bist. Und ich bin kein Boxer, der große Vorstellungen hat und 40.000 oder 50.000 Euro kassieren will. Ich rede von normalen Gagen, die sie nicht bereit sind zu zahlen. Deswegen ist der deutsche Boxsport auch ein bisschen am Abgrund und man sieht die interessanten Duelle nicht.“

Was wären interessante Fights?

Sven Elbir: „Die einzigen interessanten Duelle, die ich mir jetzt einfallen sind: Björn Schicke gegen Ronny Mittag, Ronny Mittag gegen Denis Radovan und Patrick Wojcicki gegen mich. Wenn sie nicht bereit sind Geld zu zahlen, kann ich verstehen, dass Boxer nicht bereit sind gegeneinander zu kämpfen.“

Aber gerade die deutsch-deutschen Duelle wollen die Boxfans sehen!

Sven Elbir: „Ich kann mir vorstellen, dass die Promoter und Manager das Geld haben. Sie sind nur nicht bereit zu investieren. Wenn in England Leute aus der Top Ten gegeneinander boxen, kassieren die Summen, die man sich in Deutschland gar nicht vorstellen kann. In Deutschland wollen sie dich mit ein paar tausend Euro abschreiben und ich rede von Boxern, die in den Top Ten geranked sind.“

Würdest du gegen deinen Freund Björn Schicke von Agon Sports boxen?

Sven Elbir: „Björn Schicke und ich haben schon Angebote bekommen gegeneinander zu boxen. Ich erinnere mich an zwei oder drei Angebote. Grundsätzlich würden wir gegeneinander boxen. Für ein paar tausend Euro würden wir die Freundschaft aber nicht auf das Spiel setzen! Björn ist eine Person, die ich respektiere. Er ist ein großartiger Sportler und auch außerhalb des Rings ein super Typ. Wir verbringen ab und zu Zeit zusammen. Am Ende des Tages will jeder seine Familie ernähren und deshalb erwarten wir eine ordentliche Börse. Ansonsten macht es keinen Sinn gegeneinander zu kämpfen.“

Würdet ihr nach einem Kampf weiter befreundet bleiben?

 Sven Elbir: „Ich bin bis jetzt immer ein guter Verlierer gewesen! Bei den Amateuren war es auch oft so, dass man gegen Freunde boxen musste. Ich kann mich an keinen erinnern mit dem ich danach verstritten war. Das ist Sport und man lernt sich auch durch den Sport kennen. Für mich gibt es keinen Grund auf jemanden sauer zu sein, wenn ich verliere. Andersherum sehe ich es genauso, wenn jemand gegen mich verliert, kann man sich nach dem Kampf immer noch zum Essen oder auf einen Kaffee treffen und in die Augen gucken.“

Würdest du gegen deinen Bruder in den Ring steigen, wenn gerade auch Boxprofi wäre?

Sven Elbir: „Das wäre ein No-Go. Das würde ich niemals machen. Gegen kein Geld der Welt! Bei den Klitschkos ist es vielleicht anders, weil beide sehr populär und erfolgreich sind. Da will man das unbedingt sehen.“

Wann wird die erste Boxveranstaltung in Deutschland wieder stattfinden?

Sven Elbir: „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass vor dem 31. August nichts passieren wird. Wenn das Boxen in Deutschland wieder erlaubt wird, dann muss man schauen, ob die Gegner von außerhalb nach Deutschland einreisen können. Solange die Einreisebestimmungen beschränkt sind – und die meisten Gegner kommen von außerhalb – werden keine großen Boxveranstaltungen stattfinden. Es sei denn, sie schaffen es gute deutsch-deutsche Duelle hinzukriegen. Ich rechne mit dem Schlimmsten und wenn es früher passiert, umso besser.“

Das ganze Interview: 

 Fotos: Instagram Sven Elbir

Quelle: K.o. & Co

 

 

 

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1 Kommentar

  1. 25. Mai 2020 at 18:32 —

    Okay, ein Kampf für 40.000 bis 50.000 Euro Börse muss es nicht sein, aber ein paar 1000 Euro sind auf der anderen Seite zu wenig. Und der einzige Gegner, den man in seinem Record findet, wo man sagt, naja, national vllt. in den Top 5 der Gewichtsklasse war Patrick Wojcicki und gegen den hat er verloren.

    Ich glaube, da sollte man sich doch freuen, wenn man auf dem Niveau Kämpfe bestreiten kann, wo man irgendwo zwischen 2000 und 3000 Euro Gage kriegt, was ich schon viel finde. Wenn ich in Deutschland in meiner Gewichtsklasse grad mal in den Top 10 bin, kann ich halt keine großen Brötchen backen.

    Und es macht auch einen Unterschied, ob ich hier auf nem Event vor 500 Leuten boxe oder in England auf der Undercard vor 50.000 Leuten.

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