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Super Six World Boxing Classic: Die Bilanz

Carl Froch ©Claudia Bocanegra.

Carl Froch © Claudia Bocanegra.

Mit dem gestrigen Finalsieg von Andre Ward gegen den Briten Carl Froch ging das Super Six Word Boxing Classic Supermittelgewichts-Turnier nach über zwei Jahren Laufzeit zu Ende. Zeit also, Bilanz unter das ambitionierte Projekt zu ziehen, das sich vor zwei Jahren zum Ziel gesetzt hat, den besten Mann im Supermittelgewicht zu ermitteln.

Die Ankündigung des vom US-Sender Showtime und Sauerland organisierten Turniers sorgte 2009 für großes Aufsehen, so etwas hatte es in dieser Form im Boxen noch nie gegeben. Um ein möglichst globales Publikum anzusprechen, einigte man sich darauf, drei Amerikaner und drei Europäer zu verpflichten. Auf europäischer Seite gingen WBA-Champion Mikkel Kessler, WBC-Weltmeister Carl Froch und der aus dem Mittelgewicht aufgestiegene Arthur Abraham an den Start, bei den Amerikanern Ex-Mittelgewichts-Weltmeister Jermain Taylor und die beiden ungeschlagenen Talente Andre Ward und Andre Dirrell.

Nicht vertreten waren IBF-Weltmeister Lucian Bute, der es vorzog, seinen Titel vor ausverkaufter Kulisse in Kanada zu verteidigen, und WBO-Champion Robert Stieglitz. Dass Taylor, der seinen letzten Kampf gegen Froch durch Knockout verloren hatte, nominiert wurde, war für viele nicht wirklich nachvollziehbar. Von Ward und Dirrell wusste man zwar, dass sie boxerisch sehr talentiert waren, zur unmittelbaren Weltspitze zählten sie aber zu jenem Zeitpunkt noch nicht.

Den Startschuss gaben am 17. Oktober in Berlin Arthur Abraham und Jermain Taylor, am selben Abend gingen in Notthingham auch Carl Froch und Andre Dirrell an den Start. Während Abraham nach einem ausgeglichenen Kampfverlauf in den Schlusssekunden einen spektakulären Knockout feierte, gewann Froch gegen den flinken Dirrell Dank Heimvorteil knapp nach Punkten. Fünf Wochen später sorgte Andre Ward mit seinem dominanten Sieg gegen den Turnierfavoriten Mikkel Kessler für die erste große Überraschung.

Im Januar 2010 ging es dann schließlich mit den schlechten Nachrichten los: Jermain Taylor, der im Kampf gegen Abraham eine leichte Gehirnblutung erlitten hatte, kündigte seinen Ausstieg aus dem Turnier an. Er wurde durch seinen amerikanischen Landsmann Allan Green ersetzt.

In der zweiten Gruppenphase musste Arthur Abraham im März gegen Andre Dirrell die erste Niederlage seiner Karriere hinnehmen, als er nach Punkten klar zurückliegend für einen regelwidrigen Schlag disqualifiziert wurde. Mikkel Kessler und Carl Froch lieferten sich im April einen Anwärter auf den Kampf des Jahres, bei dem sich Kessler knapp nach Punkten durchsetzen konnte. Andre Ward feierte im Juni einen ungefährdeten Punktsieg gegen Taylor-Ersatz Allan Green.

Im August folgte schließlich der nächste Rückschlag fürs Turnier: Mikkel Kessler legte auf Grund einer langwierigen Augenverletzung seine Karriere auf Eis und gab seinen Rückzug aus dem Super Six bekannt. Im Oktober dann die nächste Hiobsbotschaft: Andre Dirrell, bei nach dem Abraham-Kampf “neurologische Probleme” festgestellt wurden, gab ebenfalls seinen Ausstieg bekannt. Von den sechs Anfangsteilnehmern waren damit nur mehr drei Leute übrig.

Im November feierte der für Mikkel Kessler eingesprungene Jamaikaner Glen Johnson einen TKO-Sieg gegen Green, Carl Froch boxte in Helsinki Arthur Abraham gnadenlos aus und holte sich den von Kessler niedergelegten WBC-Gürtel. Andre Ward, der eigentlich gegen Dirrell hätte boxen sollen, absolvierte einen Aufbaukampf gegen Sakio Bika, der aber nicht zum Turnier zählte.

Im ersten Semifinale (Mai 2011) setzte sich Andre Ward nach Anfangsschwierigkeiten am Ende klar gegen Arthur Abraham durch, der damit nach drei Turnierniederlagen in Folge ausschied. Carl Froch hatte drei Wochen später gegen Glen Johnson zwar einige heikle Situationen zu überstehen, gewann aber überaus verdient nach Punkten.

Im Finale trafen schließlich mit Ward und Froch zwei Leute aufeinander, die von Beginn beim Turnier dabei waren. Auf Grund seiner dominanten Leistung gegen Kessler, gegen den Froch verloren hatte, ging Ward als leichter Favorit ins Rennen. Und die Buchmacher sollten Recht behalten: Froch kam von Beginn an nicht mit Wards Schnelligkeit und amerikanischem Stil zurecht und verlor am Ende einstimmig nach Punkten.

Obwohl der Kampf auf einem sehr guten boxerischen Niveau stattfand, hatte man sich das Finale bei Turnierstart wohl etwas anders vorgestellt: statt in einem Riesenstadion wurde in Atlantic City in einer Halle mit nur 5600 Zuschauern geboxt, zum einen, weil weder Ward noch Froch außerhalb ihrer Heimat ein großer Publikumsmagnet sind, andererseits hatte das Turnier durch seine überlange Laufzeit, die vielen Verschiebungen und Ausstiege eindeutig an Fahrt verloren.

Es gilt daher als extrem unwahrscheinlich, dass es zu einer Neuauflage des Super Six in einer anderen Gewichtsklasse kommen wird. Sollte es in Zukunft zu solchen Boxturnieren kommen, dann mit Sicherheit nur in verkleinerter Form und ohne langwierige Gruppenphase. In dieser Hinsicht war der Prototyp des Super Six-Turniers wohl kein Erfolgsmodell. Andererseits bekamen die Boxfans in den vergangenen zwei Jahren stets Paarungen auf konstant hohem Niveau zu sehen, anstatt der sonst üblichen freiwillige Titelverteidigungen gegen handverlesene Gegner und Pflichtverteidigungen gegen künstlich in der Rangliste hochgespülte Leute. Auch die Ausgangsfrage, wer denn nun der stärkste Mittelgewichtler der Welt ist, wurde fürs erste beanwortet, Ward wird aber in unmittelbarer Zukunft gegen Lucian Bute boxen müssen, um seine Reputation zu festigen.

© adrivo Sportpresse GmbH

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18 Kommentare

  1. Tom
    19. Dezember 2011 at 02:47 —

    Die Idee war ja ansich nicht schlecht,nur an der Umsetzung hat es gewaltig gehapert!

  2. Norman
    19. Dezember 2011 at 04:10 —

    @BOX

    was laberst du denn da wladimir ist zwar dumm kann nicht boxen kämpft nur gegen schwache gegner und ist ein feigling der 12 nur sein jap einsetzt damit niemand an sein kinn kommt.
    aber falls er auf männer stehen würde wäre das doch auch in der heutigen zeit sowas von egal ich glaube du bist selber manuel charr und stehst selber auf männer und regst dich nur deswegen darüber auf

    Manuel Charr wird in runde 7-8 klitsch KO schlagen ?????????

    du glaubst wohl auch noch an den weihnachtsmann der charr penner wird vitali nie im leben ko schlagen
    falls der kampf jemals zustande kommen sollte was ich nicht glaube weil vitali sich nicht mit einem silverbeld gegner lächerlich machen will und die rtl spackos doch eh die leute nehmen wo mehr geld reinkommt obwohl zu sehn wie charr spätestens runde 3 ausgeknockt wird würde ich auch fürs ppv beszahlen.wie gesagt falls der kampf kommt und charr gewinnt zwischen der 7 und 8 runde durch ko überweise ich dir freiwillig 50€ siegbonus du träumer

    und charr war nix ist nix und wird nie was werden der kann genauso wenig boxen wie du selber und ein deutscher ist der auch nicht der ist einfach nur lächerlich
    charr ist doch voll panne wie kann man fan von so jemanden sehn spätestens gegen chris arreola kann er seine kariere beenden wem hat der den schon geboxt nenn mir nur einen großen namen und was ist ein silverbelt

    das ist so als ob man beim kindergeburtztag einen lutscher als 4 platzierter bekommt weil 3 andere schneller waren und damit man nicht anfängt zu weinen und die erwachsenen weiter ihre ruhe haben

  3. punch
    19. Dezember 2011 at 08:10 —

    Guter Artikel adrivo, nur die Zeile “gewann Froch gegen Direll dank Heimvorteil“ könnt ihr mal getrost streichen…

  4. Stefan
    19. Dezember 2011 at 09:06 —

    “Andererseits bekamen die Boxfans in den vergangenen zwei Jahren stets Paarungen auf konstant hohem Niveau zu sehen, anstatt der sonst üblichen freiwillige Titelverteidigungen gegen handverlesene Gegner und Pflichtverteidigungen gegen künstlich in der Rangliste hochgespülte Leute.”

    Ich denke, das rechtfertigt so ein Turnier. Man hätte bloß diese Gruppenphase weglassen sollen, bzw. verkürzen sollen.

    Dazu kommt noch, dass eigentlich nur die Teilnehmer den Besten unter sich ausmachen, was für mich aber nicht heißt, dass man als Gewinner dann der allerbeste seiner Gewichtsklasse ist. Ich meine, was wäre wenn Johnson von Anfang an dabei gewesen wäre?

  5. TheIron
    19. Dezember 2011 at 11:11 —

    Super Six Tournament was great!!!!!

    Leute, das war der Hammer!!! Überlegt doch mal was für (und vor allem, es gab nur) sehr gute Kämpfe!!! wir sehen durften…Stellt Euch mal vor das Turnier hätte es nicht gegeben…

    Dann hätte Abraham noch 4 weitere Male gegen Leute wie Sebastian “Double Trouble” Demers oder Elvin Ayala geboxt…Ich hab diese Kämpfe sooooo satt!!! Und ich hab auch die deutschen TV_Sender so satt, die diese Kämpfe immer noch als was besonderes verkaufen wollen…in Amerika werden Gegner von Showtime und HBO abgelehnt, weil diese zu schlecht sind und hier werden extra Leute wie Murray oder Hearns verpflichtet…Ich hab keinen Bock mehr auf diese Kämpfe!!! Und die anderen Super Six Teilnehmer hätten ohne das Turnier auch nicht nur gegen besonders gute Leute geboxt…also, summa sumarum, hätte es das Turnier nicht gegeben hätte es auf der Welt 10 Kämpfe mehr gegeben die niemand braucht!!!

    Finde es auch echt schade, dass AA wieder mit so na Pfeife einsteigt…

  6. xyz187
    19. Dezember 2011 at 12:04 —

    Das Turnier ansicht war eine gute Idee , nur was mich am meisten gestört hat , die sonder wünsche von den Amerikaner , bzw. von Dirrel und Ward die wollten nie gegeneinander kämpfen oder nur in Amerika boxen , da hätte man mehr konzequent sein müssen !

  7. tony67
    19. Dezember 2011 at 13:43 —

    ich hab kein book das ganze durch zu lesen aber jermain taylor hatte doch alle seine kämpfe im super six turnier verloren oder?

  8. BOX
    19. Dezember 2011 at 13:51 —

    Das beste am super Six war das jeder gesehen hat
    Das wenn Abraham gegen ein echten Gegner boxt
    Was dabei rauskommt

  9. mr.loco
    19. Dezember 2011 at 14:14 —

    mann sollte so ein turnier unter alle 4 weltmeistern veranstalten und den 4 aktuellen top 3 fightern der der jeweiligen verbände!

    allerdings sollte nie der wm gürtel des amtierenden weltmeisters aufs spiel gesetzt sein, da man auch verständiss für die hart erarbeitete karriere eines fighters haben sollte, der plötzlich (siehe arthur) vor dem nichts stehen kann.

    Statt dessen sollte der sogenannte superchamp (Ehrenchamp ) so ermittelt werden!
    so etwas könnte man gut vermarkten, bei kürzeren vorrunden. und es wäre eine absolute Win-Win situation!

  10. DR_BOX
    19. Dezember 2011 at 14:17 —

    @ Box

    Weisst, Du was mir an Dir besonders gur gefällt?

  11. boxfan85
    19. Dezember 2011 at 15:52 —

    War eine sehr gute Idee,nur etwas zu lang.
    Aber trotzdem hat uns das Tunier viele gute Kämpfe beschert,die wir sonst nicht zu sehen bekommen hätten.

    Solche Tuniere sollte es öfter geben,besonders dem Schwergewicht könnte das helfen.
    Ich denke das es da auch Überraschungen geben würde.
    Das würde das HW wieder beleben.

  12. satanicboy
    19. Dezember 2011 at 15:53 —

    @ Boxfan85

    Klitschko gegen Klitschko im Finale 😉

  13. TheIron
    19. Dezember 2011 at 15:55 —

    @ mr.loco:

    Bei so nem Turnier sollten die Gürtel der WM nicht auf dem SPiel stehen und statt dessen sollten die Gewinner der jeweiligen Verbände alle zu Superchamps ernannt werden????

    Ich hoffe nicht, dass Du das ernst meinst…Was ein Schwachsinn…als Boxsport-Fan kann man das doch nicht wollen…

  14. Tom
    19. Dezember 2011 at 16:12 —

    @ tony67

    J.Taylor hat nur einen Kampf in diesem Turnier bestritten und den hat er gegen A.Abraham nach Punkten führend durch KO in der 12.Runde verloren!

    Übrigens,lesen bildet!

  15. Peddersen
    19. Dezember 2011 at 16:33 —

    Tom

    Taylor hat nach Punkten geführt? Umgekehrt wohl eher.

  16. Tom
    19. Dezember 2011 at 18:33 —

    @ Peddersen

    Sehe ich nicht so!

    Habe aber im Moment auch nicht die reguläre Punktwertung von damals vorliegen!

  17. gewaar
    20. Dezember 2011 at 13:11 —

    Ist zwar sehr weit ausgeholt, aber mir würde ein Turnier im kompletten KO System gefallen. 8 Boxer, alle 4 Weltmeister dabei, Viertelfinale, Halbfinale und Finale. Begrenzter Zeitraum, vorher festgelegte Austragungsorte. Zusätzlich zwei Reservekämpfe, damit verletzte Boxer schnell durch andere ersetzt werden können. Hohe Strafzahlungen bei unbegründetem Ausstieg. Wäre innerhalb eines Jahres machbar, soweit die Theorie. Die Realität wird das aber wohl nicht zulassen, leider….

  18. Alonso Quijano
    3. Januar 2012 at 14:51 —

    witzig

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