Sturm vs. Zbik: Wer gewinnt? Analyse & Abstimmung

Sebastian Zbik, Felix Sturm ©Marianne Müller.
Sebastian Zbik, Felix Sturm © Marianne Müller.

WBA-Superchampion Felix Sturm (36-2-2, 15 K.o.’s) und Sebastian Zbik (30-1, 10 K.o.’s) haben auf den ersten Blick viele Gemeinsamkeiten: beide gelten als exzellente Technicker, gehen in ihren Kämpfen meistens über die volle Distanz und haben in der Vergangenheit schlechte Auslandserfahrungen gemacht (Sturm gegen De La Hoya, Zbik gegen Chavez). Allerdings werden aus den ehemaligen Universum-Stallkollegen keine Freunde mehr: „Bad Blood“ (dt.: Böses Blut) lautet das Motto des Mittelgewichts-WM Duells in Köln, das am Freitag live auf Sat.1 ausgestrahlt wird.

Boxen.de vergleicht die Stärken und Schwächen beider Boxer und bittet danach zur großen Abstimmung, wer den Kampf in der Lanxess Arena Eurer Meinung nach gewinnen wird.

Schnelligkeit: Sowohl Sturm als auch Zbik gelten als überaus schnelle Boxer. Bei Sturm kommt besonders die Führhand blitzschnell angeflogen, die zumeist ausreicht, um den Gegner zu kontrollieren. Zbik schlägt etwas variabler, was man vor allem im letzten Kampf gegen Julio Cesar Chavez Jr. sehen konnte, den er besonders in den ersten vier Runden mit seiner Speed ganz schön alt aussehen ließ.
Urteil: 10-10 Unentschieden.

Schlagkraft: Sowohl Sturm als auch Zbik sind beide keine klassischen Puncher, was man an der fürs Mittelgewicht sehr mageren K.o.-Quote von 37,5 % (Sturm) und 32,26% (Zbik) ablesen kann. In seinen letzten beiden Kämpfen erzielte Sturm jedoch kurz vor Ende der letzten Runde gegen Matthew Macklin und Martin Murray sichtbare Schlagwirkung, da erstmals im Kampf richtige Kombinationen abfeuerte und es nicht, wie sonst üblich, bei kurzen Einzelaktionen beließ. Zbiks zahlreiche klarste Treffer hinterließen gegen Chavez keinerlei Wirkung, dafür hat Zbik einen K.o. gegen Ruben Varon im Kampfrekord, gegen den Sturm über die volle Distanz gehen musste.
Urteil: 10-10 Unentschieden.

Erfahrung: Felix Sturm, der 2003 erstmals WBO-Weltmeister wurde, kann bereits auf 17 WM-Kämpfe zurückblicken, von denen er 13 gewinnen konnte. Zbik, der von 2009 bis 2011 Interims-Weltmeister der WBC war, verlor den am Grünen Tisch gewonnenen regulären Titel allerdings schon wieder bei der ersten Verteidigung. Darüber hinaus hat Sturm bislang die klar bekannteren Namen geboxt.
Urteil: 10-9 Sturm.

Stil: Felix Sturm boxt zumeist einen Stil, der auf minimales Risiko ausgerichtet ist. Aus der geschlossenen Doppeldeckung kommt die linke Führhand blitzschnell hervorgeschossen, der WBA-Superchampion macht danach aber sofort wieder zu, um sich keinen Konter einzufangen. Hinzu kommen noch einige klare Aktionen pro Runde, die zumeist ausreichen, um sich einen Durchgang zu sichern. In seinen letzten Kämpfen ließ sich Sturm jedoch unnötigerweise auf viele Schlagabtausche in der Halbdistanz ein, was daraufhin deuten könnte, dass die Beinarbeit beim 33-Jährigen mittlerweile etwas nachgelassen hat. Zbik dürfte mit 30 Jahren der etwas frischere Boxer sein, muss aber für einen Sieg Sturms Jab neutralisieren, variabel schlagen (so wie Chavez-Fight) und eine hohe Schlagfrequenz an den Tag legen.
Urteil: 10-10 Unentschieden.

Nehmerfähigkeiten: Felix Sturm hat in seiner Karriere bereits ein Mal durch K.o. verloren (2006 gegen den ehemaligen Halbmittelgewichts-Weltmeister Javier Castillejo), Zbik war in seinem vierten Profikampf zwar kurz am Boden, hat seitdem aber nie mehr Bekanntschaft mit den Brettern gemacht. Da beide Boxer nicht über die größte Schlagkraft verfügen und zudem über recht gute Defensivfähigkeiten verfügen, werden die Nehmerfähigkeiten wahrscheinlich nicht kampfentscheidend sein.
Urteil: 10-9 Zbik.

Heimvorteil: Für Sturm ist der Kampf gegen Zbik der fünfte in Eigenregie. Darunter gab es mit dem Split-Decision Sieg gegen den Iren Matthew Macklin eine umstrittene Entscheidung. Beim Unentschieden gegen den Briten Martin Murray hatten die meisten Experten und Fans Sturm eigentlich klar vorne gesehen. Zbik hat als Auswärtsboxer bei dem Kampf in Amerika gegen Chavez bereits ein Mal schlechte Erfahrungen gemacht, hatte aber auf Grund der Situation bei Universum nur wenige andere Optionen. Da die Erfahrung zeigt, dass sich bei knappen Kämpfen zumeist die Heimboxer durchsetzen (nicht nur in Deutschland!), hat Sturm bei einem engen Kampfverlauf wohl die besseren Karten.
Urteil: 10-9 Sturm.

Fazit: Vieles deutet also darauf hin, dass das Duell in der Lanxess Arena ein eng geführter Fight über 12 Runden wird. Den drei Punktrichtern aus Frankreich, Panama und Italien wird daher wohl eine entscheidende Rolle zukommen. Jean-Louis Legland war bereits bei Sturms vorzeitigem Sieg gegen Ronald Hearns tätig und hatte u.a. Hugo Hernan Garay 2008 zurecht als klaren Sieger gegen Jürgen Brähmer gesehen. Guillermo Perez Pineda ist ein WBA-Mann, der u.a. den Kampf zwischen Nikolai Valuev und Evander Holyfield unentschieden wertete. Stefano Carozza war einer der drei Punktrichter bei Sturms klarem Punktsieg gegen Giovanni Lorenzo und wertete den Kampf zwischen Nikolai Valuev und David Haye mit 116-112 für den Briten. Sollten sich die drei Punktrichter nicht ganz einig sein, oder gibt es nach dem Kampf Diskussionen über das Urteil, wäre auch ein Rematch des zumindest in Deutschland äußerst zugkräftigen Duells denkbar.

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© adrivo Sportpresse GmbH

150 Gedanken zu “Sturm vs. Zbik: Wer gewinnt? Analyse & Abstimmung

  1. 9.? du meinst 8.?

    ja aber beim boxen sollte man das schon ein bischen wie beim fussball machen finde ich.
    wenn ein holländer für holland spielt kann er nach deutschland kommen auch seinen deutschen pass bekommen aber nicht für deutschland starten

  2. also ich mochte (mag) sturm nicht, aber das war eine klasse leistung, super tempo, richtig guter jab von sturm, respekt an beide, aber in dieser form fragt man sich, warum sturm sich immer so rumdrückt – hat er absolut nicht nötig! da können auch pirog/golovkin kommen. nicht können, müssen!

  3. nö, vielleicht nicht der beste, aber er gehört zu den besten – und diese taktiererei hat er nicht nötig. bin dafür, dass die champions gegeneinander kämpfen und gute, spannende kämpfe zeigen, das heute war ein guter anfang …

  4. yasin sagt:
    13. April 2012 um 23:45

    grigorian ist der mit sturm verwandt? der kann doch nicht weil der denkt der verliert eh aufgeben? das ist doch kein kirmeskampf

    ––––––

    😉 😉 hab ich im ersten moment auch gedacht, aber ich glaube szik war wirklich satt!

  5. Es ist genau das passiert, was ich ganz oben hier geschrieben habe. Es hat sich am Stil entschieden wer gewinnt und Sturm hat sich durchgesetzt,weil Zbik einfach nicht die substanz hatte, auf diesem Level 12 runden durchzuhalten.

    Zbik konnte einfach nicht den jab von Sturm neutralisieren und er konnte ihn auch nicht einfach so wegstecken. am ende ist das ganze system von zbik zusammen gebrochen.
    Zu wenig kondition um 12 runden auszuhalten, zu wenig nehmerfähigkeiten um den Jab von Sturm wegzustecken, zu wenig power um sturm ko zu hauen und technisch zwar in der Lage, aber zu unintelligent um den Jab von Sturm zu meiden und die richtige antwort drauf zu geben.

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