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Sport1 zeigt Sauerland-Event aus Dänemark

Wie bereits durch einen etwas einseitigen Pressetext angekündigt, wird der Sender Sport1 am Samstag live von der Sauerland-Boxveranstaltung in Dänemark berichten. In Struer werden ein Interim-Titelkampf und mehrere Aufbaukämpfe für etwaige zukünftige Sauerland-Leistungsträger gezeigt. Große und bekannte Namen fehlen.

Genau das spiegelt die gegenwärtige Boxsport-Realität wieder. Außerhalb von Großbritannien gibt es in ganz Europa eben nur vereinzelt wirklich gute Boxer und hochkarätig besetzte Veranstaltungen. Das schließt allerdings nicht aus, dass man spannende Kämpfe zu sehen bekommt. Wir müssen wir uns einfach damit abfinden, dass das Niveau den Boxsports in Europa nicht dem entspricht, was man „Weltklasse“ nennt. Egal ob es uns und den Veranstaltern gefällt oder nicht.

Bei der Veranstaltung von Nisse Sauerland (SPAG) tritt u.a. der Hamburger Araik Marutjan an. In seinem 3. Profikampf trifft er auf Nikoloz Gvajava (9(7)-10(5)-2) aus Georgien. Der gute Mann aus Tiblissi hat 8 seiner letzten 9 Kämpfe verloren und schaffte in seinem letzten Kampf ein Unentschieden. Marutjan sollte also mit ihm keine Probleme haben, wenn er auf der Erfolgsleiter nach oben klettern will. Es ist übrigens nicht sein Comeback-Kampf nach der Verletzung bei seinem Profidebüt im März 2017, wie es die Sauerland-Presseabteilung angekündigt hat. Er kämpfte bereits im Januar in Riga auf der Undercard zu Briedis vs Usyk. Dabei besiegte er den Ungarn Richard Hegyi mit 3x 40:36.

Im Hauptkampf dieses Events (hier die unvollständige Card) treten 2 Frauen gegeneinander an. Die Lokalmatadorin Dina Thorslund (10(6)-0-0) kämpft im Super-Bantamgewicht gegen die Amerikanerin Alicia Ashley (24(4)-11-1). Dabei geht es entgegen anderslautender Berichte um den INTERIM-Gürtel des Verbandes WBC. Die 24-jährige Thorslund ist EBU-Champ und strebt jetzt nach einem größeren Titel. Ihre Gegnerin ist mehr als doppelt so alt (50) und trug diesen Gürtel schon mehr als einmal. Sie verlor ihn 2016 überraschend gegen die Kenianerin Fatuma Zarika.

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An dieser Stelle lohnt es sich, mal den Hintergrund etwas zu beleuchten: Nach dem WM-Kampf zwischen Ashley und Zarika erklärte der Promoter Don Elbaum seinen Konkurs. Beide Boxerinnen haben für ihren WM-Fight in Flint / Michigan keinen Cent gesehen. Das war nicht das erste mal, dass die Kenianerin um ihre Börse gebracht wurde. Zarika verteidigte ihren WBC-Titel im Super-Bantam zuletzt im Dezember 2017 in Nairobi gegen Catherine Phiri (Ex-WBC-WM im Bantamgewicht) aus Sambia durch einen Punktsieg (97:92, 98:91 und 99:92).

Fatuma Zarika ist in Kenia genau wie Catherine Phiri in Sambia sowas wie eine Nationalheldin und ein großes Vorbild für Frauen. Das Problem dabei ist, dass es für das Frauenboxen so gut wie keine Sponsoren gibt. Afrikanische Boxerinnen werden gerne ins Ausland zu Kämpfen eingeladen, wo sie dann natürlich nicht zum Gewinnen antreten. Die amtierende Weltmeisterin Zarika kennt dieses Problem. Sie hat gegenwärtig größte Schwierigkeiten, etwas mit ihrem WBC-Weltmeistertitel anzufangen. Sie muss laut WBC innerhalb von 6 Monaten verteidigen, findet aber keinen Promoter. Falls sie bis Mai keinen Titelkampf nachweisen kann, verliert sie den WM-Gürtel kampflos. Genau das scheint es zu sein, worauf Dina Thorslund und das Sauerland-Team spekulieren: Thorslund gewinnt den Interim-Kampf gegen Alishia Ashley und wird dann womöglich am grünen Tisch zur regulären Weltmeisterin, weil Zarika keinen Kampf zustande bekommt. Im Moment wird gesagt, dass Zarika angeblich verletzt ist und deshalb bis Mai ihren Gürtel nicht verteidigen kann. Man weiss also schon jetzt, was in 2 Monaten sein oder nicht sein wird. Männer bekommen 12 Monate und länger Zeit, ihren Titel zu verteidigen. Im Falle von der Kenianerin ist der Titel nach 6 Monaten futsch. Sie ist angeblich 3 Monate nach ihrer letzten Titelverteidigung verletzt und ihr Titel geht deswegen den Bach runter. Scheinbar kann es gar nicht schnell genug gehen, ihr den Gürtel wegzunehmen. Eigentlich eine traurige Geschichte und bestimmt kein Grund zum Jubeln für eine neue Weltmeisterin.

Man kann nur an den Verband WBC appelieren: Setzt nach dem Kampf am 10. März unbedingt einen Pflichtkampf zwischen Interim Weltmeisterin und der regulären Weltmeisterin an!

Wie bereits in der offiziellen Sauerland-Presseerklärung zu lesen war, gibt es den Kampfabend aus Dänemark am Samstag ab 20:00 Uhr auf Sport1 zu sehen. Was dabei geboten wird, ist zumindest eine gute Einstimmung für die Kämpfe aus den USA in der späteren Nacht auf Sonntag.

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7 Kommentare

  1. 8. März 2018 at 16:46 —

    Na mit irgendetwas muss Sauerland die vereinbarten 20 Übertragungen bei Sport1 ja füllen, das man da eher die “jungen Wilden” zu sehen bekommt war wohl vorher schon klar. Warum nicht mal nordische Talente anschauen? Aber die Übertragung am 24.3. scheint ja recht gut zu werden, viele verschiedene Titelkämpfe!

    @ reineckefuchs

    Habe mir die Mädels und deren Rekorde mal etwas genauer angesehen, ich weiß zwar nicht zu welcher Leistung eine 50jährige Boxerin noch fähig ist, aber auf Grund der Erfahrung, besonders in Titelkämpfen, würde ich eher Ashley favorisieren.

    Und was die Kenianerin betrifft, die lebt doch in den USA, da müsste sich doch ein rechtschaffender Promoter finden lassen und auch Sponsoren!?

    • 8. März 2018 at 22:40 —

      Normalerweise ist Ashley die bessere Boxerin. Sie ist eine Boxerin, die noch aus der Brooklyner Boxergeneration von Tyson, Bowe und Briggs stammt. Im August wird sie 51! Ob sie den WM-Kampf gegen eine 24-jährige konditionell durchhält, weiss man nicht. Ebenso wenig weiss man, wie die Punktrichter aufgestellt sind und ob Ashley überhaupt nach Punkten gewinnen kann (darf?). Immerhin boxt sie auf einer Sauerland-Veranstaltung gegen eine Sauerland-Boxerin.

      Was die Kenianerin betrifft: Ja wenn das so einfach wäre wie du es sagst, würde sie es wohl so machen.

    • 8. März 2018 at 23:01 —

      wäre mittag nicht abgesagt worden nächste Woche dann hätte sport1 das soll erfüllt. 5 pro Quartal. so werden es jetzt nur 4 aber dann halt im nächsten 6. finde es gut was Sport 1 macht. samstag schau ich aber lieber sky Sport News. aber am 24. geht’s richtig rund.

  2. 9. März 2018 at 21:13 —

    Nun ja, typische Veranstaltung zum Kampfrec aufbessern. Die 50 jährige dürfte ja schon in den Wechseljahren sein.

    • In den Wechseljahren verringert sich bei Frauen die Estrogen-Produktion rapide während gleichzeitig die Produktion von Testosteron ansteigt!
      Deshalb haben ältere Frauen auch oft so ein männliches Aussehen und bekommen teilweise starke, sichtbare (Schnurr-)Bärte!

      Also das ideale Alter, um die ersten Schritte aus der Küche zu machen und das Abenteuer im Boxring zu suchen…

  3. 9. März 2018 at 23:40 —

    Die “50-jährige” arbeitet als Trainerin im “Gleasons Gym” und bezeichnet sich selber als “Schulschiff” für die jüngere Generation.

    Ich habe von Triple M (Malte Müller-Michaelis, WBC-Mann für das Frauenboxen) die Auskunft bekommen, dass ursprünglich ein Kampf zwischen Sauerland-Boxerin Dina Thorslund und WBC-Weltmeisterin Fatuma Zarika geplant war. Die Kenianerin hat sich beim Training einen tiefen Cut geholt und kann nicht antreten. Deshalb hat man Alicia Ashley angefragt.

    Die Siegerin aus dem Kampf zwischen Thorslund und Ashley kämpft dann später gegen Zarika, sobald sie wieder einsatzfähig ist.

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