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Skandalurteil um Gevor – Sauerland legt Protest ein

Der 26-jährige Sauerland-Profi Noel Gevor (22-1-0, 10 K.o.) konnte am Samstagabend im „Auswärtsspiel“ gegen Krzysztof Wlodarczyk (53-3-1, 37 K.o.) in der Hala Arena mit einer taktischen Glanzleistung überzeugen. Nur den Punktrichtern im polnischen Posen fehlte die nötige Neutralität, um dem besseren Boxer den Sieg zuzusprechen.

Besonders die variantenreichen Kombinationen des 26-jährigen Cruisergewichtlers sorgten für Action in dem Duell, welches die großen Highlights vermissen ließ. Technisch klug boxte Gevor seinen 35-jährigen Kontrahenten aus, der seine beste Zeit im Ring bereits hinter sich hatte.

Zwar startete Wlodarczyk stark und aktiv in den Fight, doch ließ seine Kondition ab Runde drei nach. Fortan dominierte Gevor das Gefecht durch seine gute Verteidigung und Beweglichkeit. Hinter einer geschlossenen Doppeldeckung verstand er es den Kampf zu bestimmen und die präziseren Treffer zu landen. Der Hamburger ließ in den gesamten zwölf Runden kaum Treffer des Favoriten aus Polen zu.

Die Punktrichter werteten den Kampf um den IBF-Eliminator im Cruisergewicht mit 116:112 (Miroslaw Brozio/ Polen), 115:114 (Mufadel Elghazaoui/ Holland) und 113:115 (Holger Wiemann/ Deutschland) für den polnischen Lokalmatador. Das 1:2-Punkturteil spiegelte jedoch nicht die Realität des Gefechts wider.

War dem holländischen Punktrichter Mufadel Elghazaoui ein Fehler unterlaufen? Jedenfalls war er in dem Glauben das Gefecht unentschieden gewertet zu haben und punktete die Schlussrunde daher 10:10. Nach dem Schlussgong lautete sein Urteil nicht Remis, sondern 115:114 für Wlodarczyk.

Im Endeffekt wäre auch ein Unentschieden ein fragwürdiges Urteil zugunsten des Heimboxers gewesen. Es hätte den Hamburger Profiboxer jedoch vor seiner ersten Niederlage im sauberen Kampfrekord bewahrt. So legte der Berliner Sauerland-Boxstall Protest gegen das tendenziöse Urteil ein.

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Kritisch muss man das hinterfragen, ob sein deutsches Management diese Niederlage nicht billigend in Kauf genommen hat, weil Gevor mit einer K.o.-Quote von 43 Prozent nicht der „Knockouter“ ist, der seine Fights durch krachende Niederschläge klar entscheiden kann. Es war abzusehen, dass er es sehr schwer haben würde mit seiner brillianten Technik einen Sieg im Ausland einzufahren – selbst wenn er jede Runde knapp geholt hätte…

Nisse Sauerland: „Wir sind enttäuscht vom Ergebnis, denn wir haben Noel vorn gesehen, sind aber stolz auf seine Leistung.“

Der zweifache Ex-Weltmeister Krzysztof Wlodarczyk wurde seiner Favoriten-Stellung in einem sehr fairen Kampf nicht gerecht, konnte keine Runde deutlich für sich entscheiden, bekam dennoch den knappen Sieg im eigenen Land zugesprochen.

Auch Sauerland-Geschäftsführer Frederick Ness lobte Gevor: „Noel ist noch jung und wird seinen Weg gehen. Er wird jetzt in den Urlaub fahren und danach werden wir gemeinsam entscheiden, wie wir wieder angreifen.“

Sollte der Protest vom Team Sauerland nicht erfolgreich sein, wird der Pole in einem WM-Kampf auf den starken IBF-Champion Murat „Iron“ Gassiev (24-0-0, 17 K.o.) aus Russland treffen. In diesem Duell rechnen ihm die Experten kaum eine Chance auf einen Sieg ein. Selbst ein Heimvorteil würde Wlodarczyk dann nicht mehr retten…

Foto: Noel Gevor Facebook Fanpage

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1 Kommentar

  1. 25. Mai 2017 at 21:37 —

    Na ja, leider gibt es überall auf der Welt etwas Heimbonus, andererseits sehe ich speziell in diesen Kampf kein wirkliches Fehlurteil!
    Gevor hat ab der 8. Runde auch nachgelassen, zudem sind viele seiner Schläge auf der Deckung gelandet oder er hat auch einige Luftlöcher geschlagen
    So übermächtig wie es in dem Bericht steht war er nicht!
    Außerdem soll sich Sauerland Event nicht so anstellen, denn auf deren Veranstaltungen gab es immer wieder weitaus fragwürdigere Urteile!

    Und das Wlodarcyzk gegen Gassiev mit so einer Leistung wohl keine Chance hätte stimmt schon, aber gleiches gilt für Gevor auch!

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