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SES – Boxen auf der Seebühne

Die SES-Veranstaltung auf der Magdeburger Seebühne hat dafür gesorgt, dass der Boxsport einen weiteren kleinen Schritt zurück in die Normalität machen konnte. Nachdem sich das Magdeburger Team alle Mühe gegeben hat, den zuständigen Behörden ein tragfähiges Konzept vorzulegen, durfte erstmals in Deutschland wieder eine Boxveranstaltung vor Live-Publikum stattfinden. Unter strengen Hygiene-Auflagen war ein Publikum von max. 1000 Personen erlaubt.

Damit hat damit eine Vorreiterrolle übernommen und es konnte aufgezeigt werden, unter welchen Umständen gegenwärtig mit Publikum geboxt werden kann. Dafür verdient das Steinforth-Team ein großes Lob. Auffallend war allerdings auch, dass bei der mehr als vorsichtigen Gegnerwahl für die SES-Boxer nichts dem Zufall überlassen wurde. Nach Kampfpausen von teilweise mehr als einem Jahr galt es wohl vordringlich, erst einmal Ringstaub abzuschütteln.

Der Mitteldeutsche Rundfunk zeigte am Samstag Abend die wichtigsten Kämpfe:

Agit Kabayel vs Evgenios Lazaridis: In dem auf 10 Runden angesetzten Kampf ging um den WBA-Continental Gürtel. Der von Sükrü Aksu trainierte Kabayel gab bestenfalls die erste Runde ab. Es gelang ihm zwar, seinen Gegner auf flinken Beinen im Vorwärtsgang in Schach zu halten, aber wirklich überzeugend war das, was man im Ring sehen konnte, leider nicht. Lazaridis hatte wohl sehr schnell gemerkt, wie er sich gegen die Rechte von Kabayel schützen kann. Es reichte ihm, seine Führhand richtig zu positionieren, um Schläge an seinen Kopf zu verhindern. Im Nachhinein gab Trainer Aksu an, dass Kabayel ohne sein Wissen mit einer verletzten Hand in den Ring gestiegen ist. Diese Risikoabschätzung hat Kabayel alleine getroffen. Schließlich ging es nach langer Pause endlich wieder in den Ring und um einen, wenn auch kleinen Titel. Normalerweise hätte er gewiss mehr Druck machen können und ob der gebürtige Grieche dann über die Runden gekommen wäre, ist zumindest fraglich. Jetzt bleibt abzuwarten, was nach dem ausheilen seiner Handverletzung der nächste Schritt für Kabayel ist.  Schwenkt er womöglich auf die WBA-Schiene ein und fordert den regulären WBA-Champ Charr heraus? Letzteres wäre gewiss ein sehenswerter Kampf für das Publikum, aber ob Charr davon begeistert wäre, ist zumindest fraglich. Finanziell gesehen, wäre so ein Kampf in Deutschland für beide Seiten kaum lohnenswert. Ein Kampf in den USA, wie es z.B. Charr schon will, gegen Ruiz jr wäre einträglicher.

Nina Meinke vs Edina Kiss: Auch Nina Meinke hatte zuvor schon längere Zeit nicht mehr gekämpft. Sie stand zuletzt im April 2019 im Ring und verteidigte dabei ihren EBU-Gürtel im Federgewicht. Am Samstag ging es bei ihrem Comeback über 8 Runden gegen die Ungarin Edina Kiss. Sie hatte ihre Gegnerin zwar gut im Griff, ließ aber zu, dass Kiss über die Runden kam. Nur zwei der drei Punktrichter vergaben überhaupt eine Runde an die Ungarin. Die 27-jährige Spandauerin dominierte in diesem Kampf deutlich. Trotzdem muss man sagen, dass sie scheinbar ihr Potential noch immer nicht voll ausschöpft. Der Rechtsauslegerin war schon noch etwas Ringrost anzumerken und die Frage nach einem WM-Kampf ist momentan etwas verfrüht. Will sich Nina Meinke für eine WM empfehlen, hätte sie ihre Gegnerin noch stärker unter Druck setzen oder sogar vorzeitig besiegen müssen. Der in den Kampfpausen schon fast behutsame und väterliche Umgang ihres Trainers Kay Huste sollte wohl beruhigend auf sie wirken. Deutliche Ansagen, wie sie diesen Kampf womöglich vorzeitig entscheiden kann, fehlten völlig. Will Nina Meinke vielleicht im nächsten Jahr tatsächlich um einen WM-Gürtel boxen, wird sie sich steigern müssen.

Peter Kadiru vs Eugen Bruchmüller: Zu diesem Kampf kann man nicht viel sagen, weil der als Ersatz eingesprungene Bruchmüller den Kampf frühzeitig aufgab. Er hatte sich wohl durch einen „Luftschlag“ in Runde 2 eine Verletzung zugezogen und konnte den Kampf nach 3 Runden nicht mehr fortsetzen. So bekam der 23-jährige Hamburger Kadiru zwar einen vorzeitigen Sieg auf seine Uhr, aber konnte wieder nicht zeigen, dass er zu den verheißungsvollen Newcomern im Schwergewicht gehört. Er braucht ein paar Siege gegen 50/50 Gegner. Das haben ihm andere junge Boxer in ihrer Entwicklung voraus und da kann auch ein Herr Bönte nicht helfen.

Mit dieser Veranstaltung wurde ein wichtiger Schritt raus aus der Corona-Krise gemacht. Dafür kann man aus Zuschauersicht SES nur dankbar sein. In den 3 Hauptkämpfen wurde allerdings wieder einmal nicht viel riskiert, was die Gegnerwahl anbelangt. Es wurde dabei auch deutlich, woran es ebenfalls mangelt. Bis auf die zu berücksichtigende Handverletzung von Kabayel fehlte es bei den Heimboxern am unbedingten Siegeswillen und einem echten Killerinstinkt. Eigenschaften die gebraucht werden, wenn man „ganz oben was reißen“ will. Auch da muss man Kabayel letztendlich mit einschließen. Bevor er von großen Fights in den USA oder sonstwo träumt, sollte er erstmal daheim einen Christian Hammer oder Marco Huck deutlich besiegen können.

 

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