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Seniesa Estrada vs Miranda Adkins – 7 Schläge in 7 Sekunden – KO

Das „herausragendste“ Boxsportereignis des letzten Wochenendes ist bereits hinlänglich bekannt: In einem Frauenkampf gab es ein rekordverdächtiges KO-Ergebnis. Es gibt Anlass genug, vielleicht noch ein paar Worte darüber zu verlieren.

Sieben Schläge in den ersten sieben Sekunden des Kampfes zwischen Seniesa Estrada und Miranda Adkins reichten für eine schnelle Entscheidung aus. Eine solche “KO-Kurzarbeit“ hat es bisher in keinem anderen Frauenkampf gegeben. Wer zum Kampfbeginn nochmal zum Kühlschrank gehen wollte bevor es richtig los geht, kam noch nicht einmal bis zur Küche. Der Kampf war wohl der kürzeste KO-Frauenkampf aller Zeiten. Das war schon beachtlich. Trotzdem bekommt man Falten auf der Stirn, wenn man ein bisschen darüber nachdenkt.

Bei der DAZN-Veranstaltung von Oscar de la Hoya in Indio / Kalifornien sollte es wohl darum gehen, dass einige „Golden-Boy“ – Boxer ein bisschen Ringrost ablegen und nach den Monaten des Corona-Stillstands wieder langsam ins Kampfgeschehen oder salopp gesagt: „auf Trab“ kommen. Neben vier Männer-Kämpfen gab es eine Begegnung zwischen Frauen. Das war der einzige Fight, bei dem um einen Titel gekämpft wurde. Zwischen der 28-jährigen Seniesa Estrada (18(7)-0-0) und der 42-jährigen Miranda Adkins (5(5)-0-0) sollte es um den WBC-Silverbelt im Halbfliegengewicht gehen. Eigentlich sollte Estrada gegen Jacky Calvo (15(1)-5-0) kämpfen, die aber wegen einer Knieverletzung abgesagt hatte. Wie das dann mit der Ersatzgegnerin Adkins ablief, kann man hier sehen:

Man fragt sich wohl zu Recht, ob das nicht ein komplettes Mismatch war. Wie kommt so eine Kampfpaarung zustande? An der Veranstaltung mit gerade mal 5 Kämpfen wirkten zwei Matchmaker mit. Ja, man kann sagen: „Hinterher ist man immer schlauer“, aber so einen krassen Kampfverlauf hatte man wohl kaum auf dem Schirm, als man die neue Herausforderin auswählte. Offenbar ahnte Adkins sogar, was ihr gleich blüht, als Estrada auf sie zu kam. Das ist dann das Ergebnis, wenn man mit einem gepimpten Kampfrekord zu einem Titelkampf gekommen ist, der nicht wirklich verdient erscheint. Adkins hat ihre 5 Gegnerinnen vorzeitig bezwungen. Allerdings waren es 5 „Opfer“.

Die 42-jährige Herausforderin aus Kansas hat überhaupt erst mit 39 Jahren angefangen in den Ring zu steigen. Sie gewann einen Kickbox-Kampf gegen eine Debütantin vorzeitig. Dann folgten vier weitere vorzeitige Siege gegen Debütantinnen und eine Revanche gegen eine Boxerin, gegen die sie schon im vorherigen Kampf gewonnen hatte. Mit einem so zusammen gebastelten Kampfrekord stand sie dann einer erfahrenen Boxerin gegenüber, die seit über 10 Jahren im Ring Erfahrungen sammeln konnte.

Miranda Adkins kam schon ganz verhalten, fast schon zögerlich, aus ihrer Ecke und wurde dann in Rekordzeit „schrankfertig“ gemacht. Es sah natürlich spektakulär aus, was man da in den wenigen Sekunden geboten bekam. Aber gleichzeitig läuft einem ein eiskalter Schauer über den Rücken. Man bekommt es mit der Angst zu tun und fragt sich in so einem Moment, ob das “Opfer“ überhaupt wieder auf die Beine kommt.

Boxsport-Journalist Dan Rafael schrieb unmittelbar nach diesem KO auf Twitter: „Ich habe viele Mismatches gesehen, aber dieser Frauenkampf war buchstäblich das Schlimmste, was es gibt. Estrada hat die arme Frau in 7 Sekunden brutal zusammengeschlagen.“

Diverse Kommentare in den verschiedensten Netzwerken sprechen von einem eindeutigen Mismatch. „Es war, als hätte man sie vor einen fahrenden Zug geschoben“ oder Vergleiche wie „Kampf zwischen Lamm und Löwe“ kann man überall lesen. Man sollte sich vielleicht mal Gedanken machen, wie man solche katastrophalen Kämpfe in Zukunft vermeiden kann. Adkins konnte den Ring zum Glück auf eigenen Beinen verlassen. Aber was wäre passiert, wenn das nicht der Fall gewesen wäre? Wer hätte womöglich die Verantwortung dafür gehabt, wenn Adkins einen bleibenden Schaden davon getragen hätte? Wäre es nicht ratsam, dass sich die Veranstalter und Matchmaker mal darauf verständigen, nur wenigstens halbwegs ebenbürtige Gegner gegeneinander antreten zu lassen?

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