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Schanzen-Showdown: Bejaran empfiehlt sich für größere Aufgaben!

Am Sonntag, den 20. März 2016 veranstaltete die Boxpromotion „Boxen im Norden“ in Kooperation mit „PSP Boxing“ im ausverkauften Delphi Showpalast in Hamburg eine Kleinringveranstaltung in bester Location. Im szenigen Schanzenviertel wurde den 620 Zuschauern eine urige Boxshow mit Konzertcharakter geboten. Dabei durften Kiez-Größen wie „Milliarden-Mike“ und Kalle Schwensen natürlich nicht fehlen! Insgesamt standen zehn Profiboxkämpfe auf dem Programm und eine unerwartete Showeinlage gab es auch!

Henry Camps sorgte mit seiner Einlaufmusik nicht nur für kubanisches Flair im Showpalast, sondern auch für Szenenapplaus und den größten Lacher des Abends: Im Superweltergewichtskampf gegen Borislav Glogoric aus Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na schickte der flinke 27-Jährige den Ringrichter auf die Bretter. In der zweiten Runde tänzelte Camps so beweglich im Ring umher, dass der Ringrichter nicht mithalten konnte und sich trotz seines Gewichtsvorteils nicht mehr halten konnte und zu Boden ging! Im Szenenapplaus des amüsierten Publikums erholte sich der Gefallene blitzschnell wieder von dem Schock und setzte seine Arbeit erfolgreich fort. An dieser Mission wurde das Bewegungstalent Camps leider durch eine Schulterverletzung in der dritten Runde gehindert. Zuvor überzeugte der Superweltergewichtler durch seine technischen Vorteile gegenüber dem kompakten, schlagstarken Bosnier. Durch die unglückliche Verletzung von Camps konnte Gligoric einen überraschenden Auswärtssieg einfahren und sich über einen technischen Knockout in Runde drei freuen. Eine Neuauflage des Duells wäre wünschenswert, damit der bessere Boxer beim nächsten Mal den Ring als Sieger verlässt!

Im Supermittelgewicht trat der Lokalmatador Sebastiano Lo Zito gegen den Debütanten Edis Dzambas aus Bosnien an. Das Gefecht war auf vier Runden angesetzt. Der „Neo-Boxer“ mit Kickboxhintergrund war kurzfristig als Ersatzgegner eingesprungen und als Debütant ein unbeschriebenes Blatt in der Boxwelt. Was sollte auf den talentierten Hamburger mit italienischen Wurzeln zukommen? Keiner konnte es wissen und wahrscheinlich war das auch gut so. Denn von Sekunde eins versuchte Dzambas Rambazamba zu machen und stürmte wie ein wildgewordener Stier durch den Ring. Mit seinen unkoordinierten Schwingern überraschte er nicht nur den Techniker Lo Zito, sondern auch das Publikum. Nach dem ersten Schock über diesen unorthodoxen „Schläger-Stil“ zeigte ihm Lo Zito, wie man richtig boxt! „The Sicilian Stallion“ unterbrach die Keilerei durch seinen guten Jab, der seinen Gegner auf Distanz hielt. Dazu zeigte er durch gekonnte Meidbewegungen, dass er kein leicht zu treffendes Ziel darstellte. In der ersten Runde sprang der „Rambazamba-König“ unkoordiniert mit seinem Kopf an den von Lo Zito. Dies beantwortete der 25-jährige Hamburger mit jeweils einem Treffer zum Körper sowie zum Kopf, welche den Bosnier erstmals in die Knie zwangen. Nachdem dieser vom Ringrichter angezählt wurde, erholte er sich wieder. Dzambas hatte es gleich doppelt schwer im Ring, weil er es nicht nur mit einem überlegenem Mann zu tun hatte, sondern auch Gefahr lief das Schlagduell gegen die Ringseile zu verlieren und sich zu verheddern.

Auch in der zweiten Runde ließ sich Lo Zito nicht von dem irren Blick des Bosniers beeindrucken und es gelang ihm mehr Ruhe in das Gefecht zu bringen. Dzambas schaltete erschöpft eine Stufe runter und ließ sich von Lo Zito aus der Distanz ausboxen. Durch einen Körpertreffer wurde er dann erneut auf den Ringboden geschickt. Im dritten Durchgang sprang „Rambazamba-Dzambas“ mit seinem rechten Knie fast an den Kopf von Lo Zito und verdeutlichte damit unnötig seine Vergangenheit als Kickboxer. Glücklicherweise traf dieser unsportliche Reflex sein Ziel nicht und wurde vom Ringrichter verwarnt! Im weiteren Verlauf spielte „The Sicilian Stallion“ vermehrt mit seinem Gegner und tänzelte seine Schlagversuche gekonnt aus. In der letzten Runde gab es keine Überraschungen mehr von Seiten des Underdogs, außer ein zweites angehobenes Knie. Vielleicht sollte der Kickboxer lieber beim Kickboxen bleiben!

Darauf konnte der Schützling von Erfolgstrainer Khoren Gevor den zermürbten Dzambas in den Ringseilen stellen und durch einen Schlaghagel zu Boden schicken. Das Duell wurde fortgesetzt bis ihn das gleiche Schicksal auf der anderen Ringseite ereilte. Darauf startete der „Rambazamba-König“ einen Fluchtversuch im Ring, bevor er sich zum dritten Mal am Ringboden wiederfand. Nun brach der Ringrichter das ungleiche Duell ab. Lo Zito siegte verdient durch technischen Knockout in Runde vier. Der studierende Boxer war nach dem Kampf etwas enttäuscht über die mangelnde Qualität seines Gegners, aber schätzte es dennoch erstmals in seiner jungen Profikarriere in die vierte Runde gegangen zu sein. Am Montag wurde aus dem studierenden Boxer wieder ein boxender Student, weil er morgens um 8 Uhr in der Universität sein musste und ein Referat über „Schulsozialarbeit“ anstand. Ein Boxer mit Köpfchen, der nach seinem Kampf die Sympathien der Zuschauer gewonnen hat und sicher noch eine erfolgreiche Zukunft vor sich hat!

Im Frauenweltergewichtskampf zwischen Bintou Schmill und Ester Konecna kam es zu einer Auseinandersetzung auf Augenhöhe. Über sechs Runden lieferten sich die beiden Frauen einen interessanten Kampf. Die Togoerin aus Nienburg Schmill zeigte sich komplett austrainiert und bekam es mit der größeren Konecna inklusive Reichweitenvorteil zu tun. Zunächst versuchten beide Kämpferinnen mit langen Händen zu boxen, wobei Schmill durch ihre bessere Technik auffiel. Leider verpasste sie es dennoch oft aktiv und konsequent mit dem Jab Treffer zu landen, um sich die Runden auf den Punktzetteln der Ringrichter zu sichern. Vielmehr versuchte sie zu sehr mit ihrer Kontrahentin aus Tschechien in einer arroganten „Floyd Mayweather-Manier“ zu spielen. Es ist nur blöd, wenn man durch die vielen Meidbewegungen vergisst selbst Treffer zu landen! Dazu wirkt der Stil schnell arrogant, wenn man eben nicht „The Best Ever“ ist und die ersten Runden nicht unbedingt für sich entscheiden konnte! Durch dieses Auftreten kann man sich bei engen Runden wahrscheinlich die Sympathien der Punktrichter und Zuschauer verspielen…

Der erste Durchgang verlief knapp, wobei Konecna bis zur vierten Runde die etwas aktivere Boxerin war, mit ihrer Führhand punktete und auch mit ihrer harten Rechten durchkam. Die 31-jährige Schmill verpasste es zunächst einfach mit ihren Händen zu arbeiten. „The Voice“ brachte zu wenig Hände, die dazu noch zu locker geschlagen wurden. Nur die letzten beiden Runden konnte die talentierte Boxerin eindeutig für sich gewinnen und endlich die richtige Körpersprache an den Tag legen. Leider zeigte Schmill viel zu spät, was in ihr steckt. Dadurch musste sie sich am Ende mit einer Niederlage durch ein 2:1 Punkturteil für die tschechische Auswärtsboxerin zufriedengeben. Schlussendlich hat die Aktivität das Gefecht entschieden und nicht die zu lange versteckte Qualität der vermeintlich besseren Boxerin….

Der Hauptkampf:

An der schwarzen Decke im Delphi Showpalast schien der goldene Sternenhimmel zum Greifen nah, besonders für den Hauptkämpfer Rafael Bejaran! Der Hamburger Mittelgewichtler lieferte in seinem 23. Profifight gegen David Makaradze aus Georgien eine dominante Vorstellung über zehn Runden ab. Zwar erwies sich sein 36-Jähriger Gegner als kämpferisch und weigerte sich zu Boden zu gehen, dennoch war die technische Überlegenheit Bejarans deutlich zu sehen. Der „Karibik Tiger“ konnte sich durch seine gute Führungshand, Kombinationen und seine Leichtfüßigkeit Runde um Runde sichern. Makaradze stürmte stets mit seinem Kopf voran nach vorne. Dazu versuchte er Druck aufzubauen und Bejaran sein Tempo aufzuzwingen, um in der Nahdistanz seine Schläge anbringen zu können. Zwischendurch setzte er zum Klammern an, um sich kleine Erholungspausen zu gönnen.

Doch Bejaran machte nicht nur im Infight eine gute Figur mit variablen Aktionen zum Kopf und Körper, sondern verstand es dazu sich seinen Kontrahenten mit langen Händen vom Leib zu halten. Der Dominikaner bewies auch eine gute Arbeit in der Defensive und hatte keine Probleme den Kampf deutlich mit 100:90, 100:91 und 99:91 für sich zu entscheiden. Damit verteidigte Bejaran die Internationale Deutsche Meisterschaft des BDB erfolgreich und empfahl sich für größere Aufgaben. Diese wird wahrscheinlich schon am 5. Juni 2016 in seiner Heimatstadt anstehen. In der Großen Freiheit 36 soll das nächste Event der Hamburger Boxpromotion veranstaltet werden. Dabei soll der „Karibik Tiger“ dann um einen Interconti-Titel boxen. Mehr dazu erfahren wir sicher in Kürze von dem „Boxen im Norden“-Team.

Weitere Kampfergebnisse:

Cruisergewicht: Waldemar Schönbeck siegte durch t.K.o. in Runde zwei gegen Haris Radmilovic.

Halbschwergewicht: Josko Stoychev gewann durch K.o. in Runde eins gegen Goran Ristic.

Supermittelgewicht: Gabriel Tunic fuhr einen K.o.-Sieg in Runde zwei gegen Bohuslav Jano ein.

Halbweltergewicht: Tunahan Keser siegte durch K.o. in Runde zwei gegen Sinisa Legen.

Schwergewicht: Ilja Mezencev gewann durch K.o. in Runde eins gegen Pavel Siska.

Mittelgewicht: Maria Lindberg fuhr einen t.K.o.-Sieg in Runde drei gegen Timea Belik ein.

 

Foto: Boxen im Norden

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4 Kommentare

  1. 23. März 2016 at 10:08 —

    und was ist mit den rematch gegen fury? kommt das noch oder wars das dann?

  2. Wieso sollte man jungen Sportlern die in den Profisport streben das letzte groesste Ziel ihrer Amateurlaufbahn so kaputt machen
    —————————————————————

    @cubastyle

    Wieso? Vielleicht weil es ihm scheißegal ist? Was kümmert einen Quentin Clinchentino der Sport? Da gehts doch schon seit jahren nur um max. Profit.

    Und wer als Profi Boxer überhaupt über eine Teilnahme bei Olympia nachdenkt, ist schon nicht mehr zurechnungsfähig genau wie die Fans die das supporten.

    Als würde es nicht reichen die Pizzataxi Fahrer hier in DE zu vermöbeln, muss sich Waldemar den Nachwuchs vorknöpfen noch bevor er zu Fallobst gereift ist. Was ein Sportsmann.

  3. Wieso sollte man jungen Sportlern die in den Profisport streben das letzte groesste Ziel ihrer Amateurlaufbahn so kaputt machen
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    @ cubastyle

    Wieso? Vielleicht weil es ihm scheißegal ist? Was kümmert einen Quentin Clinchentino der Sport? Da gehts doch schon seit jahren nur um max. Profit.

    Und wer als Profi Boxer überhaupt über eine Teilnahme bei Olympia nachdenkt, ist schon nicht mehr zurechnungsfähig genau wie die Fans die das supporten.

    Als würde es nicht reichen die Pizzataxi Fahrer hier in DE zu vermöbeln, muss sich Waldemar den Nachwuchs vorknöpfen noch bevor er zu Fallobst gereift ist. Was ein Sportsmann.

  4. Wenn er das schafft, dann kann wirklich niemand sagen, dass er nicht in die Boxing Hall of Fame von Fukushima gehört.

    Waldemar ist und bleibt ein guter Mensch.

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