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Ryan Garcia: Ich habe keine Zeit zu feiern

Ryan Garcia: Ich habe keine Zeit zu feiern

Keine Frage: mit seinem eindrucksvollen Sieg über Luke Campbell hat ‚King Ry‘ gezeigt, dass er ganz vorne mitboxen kann. So weit, so gut. Aber Garcia inszeniert sich jetzt als „Loudmouth“. Das mag in weiten Kreisen durchaus auf fruchtbaren Boden fallen, für viel Gesprächsstoff und noch mehr Spekulationen sorgen. Aber es gefällt nicht jedem.

Dass der 22-jährige nicht – wie von der WBA angeordnet – gegen Devin Haney und antreten will: ok. Dass Garcia sich nun, nach seinem ersten richtigen Härtetest, anscheinend nicht nur für unbesiegbar hält, sondern seine potenziellen Gegner auch nicht ernst nimmt: fahrlässig.

Oder ist es jugendlicher Leichtsinn, der ‚King Ry‘ dazu bewegt, Sätze wie „Ich werde Gervonta Davis in zwei Runden ausschalten!“ von sich zu geben. Hat Ryan Garcia vergessen, dass Luke Campbell ihn auf die Bretter geschickt hat? Ja, Garcia konnte den Niederschlag schnell überwinden, der Knockdown zeigte aber, dass auch er nicht unverwundbar ist.

Da hilft es auch nicht, wenn Garcia in Interviews erklärt: „Alle Kämpfer, gegen die er (Gervonta Davis) bisher antrat, waren keine starken Gegner. Hat man ihn jemals gegen irgendjemanden kämpfen sehen, der Power hat?“

Ich persönlich halte Jose Pedraza, Francisco Fonseca, Yuriorkis Gamboa oder Leo Santa Cruz nicht gerade für Fallobst. Sicher kann man mäkeln: Pedraza sei nicht schlagstark genug, der Sieg über Fonseca wäre nicht regelkonform zustande gekommen, Gamboa sei zu alt gewesen und Leo Santa Cruz habe einfach eine zu schwache Physis.

Fakt dürfte aber sein: der einzige Gegner, gegen den Gervonta Davis bislang verloren hat, ist seine Disziplin. Vor allem mit dem Gewicht hatte ‚Tank‘ Davis in der Vergangenheit des Öfteren Probleme. Aber auch außerhalb des Boxrings machte der Boxer aus Baltimore schon negative Schlagzeilen: zuletzt, als er Anfang 2020 verhaftet worden war, weil er seine Ex-Freundin Andretta Smothers bei einem Promi-Basketballspiel angegriffen hatte. Schon 2017 wurde Davis inhaftiert, weil er mit einem Freund aneiandergeraten war. 2018 gab es erneut Probleme: ‘Bad Boy‘ Davis kam in Washington wegen einer Schlägerei in Polizeigewahrsam.

Ganz anders präsentiert sich Ryan Garcia. Der 22-jährige mit dem Saubermann-Image ist „Schwiegermutters Liebling“, hat in den sozialen Netzwerken Millionen Follower und verkörpert damit wohl eher „das Gute“. So gesehen hat die Begegnung der beiden durchaus Potenzial: Bad Boy gegen Saubermann, „Mayweather Promotions“ vs „Golden Boy“, Linksausleger gegen Southpaw und vieles mehr.

Woher Garcia allerdings die Gewissheit nimmt, dass er ‚Tank’ Davis so schnell ausschalten kann, bleibt mir ein Rätsel. Beide Kontrahenten sind bislang unbesiegt, Ryan Garcia hat eine Bilanz von 21-0-0 bei 18 Siegen durch KO, Gervonta Davis kann das mit 24-0-0 bei 23 Knockouts noch toppen. Eklatant ist allerdings der Größenunterschied, der ‚King Ry‘ in die Karten spielt: 178 cm zu 166 cm. Verbunden mit klaren Reichweitenvorteilen: 178 cm zu 171 cm. Zwar hat Davis in der Vergangenheit meist mit größeren Gegnern den Ring geteilt (Leo Santa Cruz: 171 cm, Hugo Ruiz: 175 cm, Jorge Pedraza: 173 cm), aber einen so großen und guten Mann hat ‚Tank‘ noch nicht geboxt.

Die Reichweite von 175 cm hat allerdings auch Leo Santa Cruz nicht geholfen. Zwar konnte sich der 32 Jahre alte Mexikaner gut verkaufen, beschäftigte Davis mit Kombinationen, scheute aber auch vor offenem Schlagabtausch nicht zurück. Ein Fehler, denn man bei ‘Tank’ nicht unbedingt machen sollte: er stellte Santa Cruz in einer Ecke und beendete den Kampf mit einer harten Linken ans Kinn seines Gegners.

Was Ryan Garcia aber nicht von vollmundigen Ansagen in Richtung von WBA-Weltmeister Davis abhält: „Du wirst zu Boden fallen und wenn du aufwachst, wirst du viel Geld haben. Du wirst ein Held in Baltimore sein. Es ist alles gut, mach dir keine Sorgen. Zwei Runden und es ist vorbei!“

Falls das nur dazu dienen soll, das Publikum für diesen Kampf zu begeistern: alles ok. Bei vielen hat der Umstand, dass es Campbell gelang, Garcia niederzuschlagen, aber Zweifel geweckt. Womöglich auch bei ‚Tank Davis‘. Davis überlegte nicht lange und antwortete: „Ich gehe lieber mit Gewalt gegen Scheiße vor, anstatt zu reden!“

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6 Kommentare

  1. 7. Januar 2021 at 18:36 —

    Kann auch nicht ganz nachvollziehen, warum Ryan nicht gegen Haney, sondern ausgerechnet gegen Tank antreten möchte. Halte ihn u. U. für gefährlicher als selbst Lopez. Gegen Haney wäre es für Garcia in den ersten Runden sicherlich ein Gegrinde, da Devin mit seiner Schnelligkeit und technischen Stärke Runden gewinnen würde, aber Garcia würde ihn früher oder später hart treffen. Die Defense von Haney ist nicht die beste – ein Shoulder-Roll macht noch keinen Floyd.

    Beinarbeit und Defense sind aber wiederum auch nicht gerade die Stärke von „King Ryan“ – ganz im Gegenteil. Und Tank ist boxerisch mindestens so gut wie Haney, wenn nicht besser. Nur weil er einen Haufen Power hat, heißt das nicht, dass er nicht slick boxen kann. Halte das für ein Missmatch und denke, Ryan wird Mitte des Kampfes schwer ausgeknockt werden.

  2. 8. Januar 2021 at 08:58 —

    Geschickter Schritt von Garcia:
    Ich halte Haney stylewise für absolutes Gift und würde ihn als klaren Favoriten gegen Garcia sehen. Der hat sicher die Duelle bei den Amateuren noch im Hinterkopf, wo er chancenlos war.

    Tank Davis gegen Garcia wäre aber für mich auch das interessanteste Duell: Beide Puncher, beide mit defensiven Nachlässigkeiten; wenn Davis die Distanz verkürzen kann, wird es für Garcia sehr unangenehm, aber ich glaube der ist reif genug um mit seinem Skillset Davis zu kontrollieren. Aber sicher nicht über eine längere Distanz, und wenn beide das Duell schon verbal anfeuern: Gebt uns den Kampf!

    • 8. Januar 2021 at 19:18 —

      Der hat sicher die Duelle bei den Amateuren noch im Hinterkopf, wo er chancenlos war.
      ––––––
      Das würde mich wundern, wenn Garcia da ein „Trauma“ davon nachbehalten hätte – das war vor 5 oder 6 Jahren. AJ ist bei den Amateuren auch mal von Whyte ausgeknockt worden.

      Aber, da hast du natürlich recht, mit zwei Punchern, die mit offenem Visier aufeinander losgehen und sich auch außerhalb des Rings für eine gute Runde Smacktalk nicht zu schade sind, lässt sich mehr Geld verdienen. Es wird zu 100 % ein geiler Kampf, keine Frage. Allerdings finde ich Puncher vs. Techniker/Speedo genauso „interessant“, insofern kann man da eh nicht viel falsch machen.

  3. 8. Januar 2021 at 12:21 —

    “Eine shoulder-roll macht noch keinen Floyd”.
    🙂 Du kleiner Bestätiger
    Ein Addy macht ja auch kein Hirn. Zwei aber auch nicht..

    • 8. Januar 2021 at 19:22 —

      Giganull = wenn einer versucht, ins Becken zu pissen, wenn die anderen gerade 100 Meter Freistil schwimmen, aber der Schwanz nicht lang genug ist, um ins Wasser zu treffen.

  4. 8. Januar 2021 at 22:14 —

    Boah
    Das musste ich 3x lesen. Was hast du nur für Fantasien. Da ist er wieder, der Neid.
    Wohnst du in der Nähe eines Schwimmbads? Du arbeitest so stilvoll mit Metaphern. Das hat die deutsche Dichtung so groß gemacht.
    ……… Tagebuch eines…..Bademeisters :-)😂😂😂😂😂😂😂
    Fister10: Honky-Addy9
    Nächste Runde

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