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Rückblick: Das Universum Jahr 2011

 ©Universum Box-Promotion.

© Universum Box-Promotion.

Die angeschlagene Hamburger Promotionfirma Universum kam auch 2011 nicht wirklich wieder auf die Beine: WBO-Weltmeister Jürgen Brähmer wird nach zwei Absagen in Folge der Titel aberkannt, Sebastian Zbik bekommt am Grünen Tisch zwar einen Titel zugesprochen, verliert ihn aber schon im nächsten Kampf wieder. Im Juni wird eine neue Geschäftsführung präsentiert, Universum kann in den restlichen sechs Monaten aber nur eine Boxveranstaltung auf die Beine stellen.

Hier die wichtigsten Ereignisse im Zeitraffer:

4. Januar: WBO-Weltmeister Jürgen Brähmer sagt seinen Vereinigungskampf gegen WBA-Champion Beibut Shumenov krankheitsbedingt ab. Der Halbschwergewichtler hat sich kurz nach seiner Ankunft in Kasachstan eine Magendarm-Erkrankung zugezogen. Shumenovs Promoter Dan Goossen und die Boxfans sind über die kurzfristige Absage alles andere als happy.

18. Januar: Interims-Weltmeister Sebastian Zbik bekommt am Grünen Tisch den regulären WBC-Titel überreicht, da der eigentliche Champion, Sergio Martinez, auf Anraten von HBO auf die Pflichtverteidigung gegen den in den USA völlig unbekannten Deutschen verzichtet. Die Freude bei Universum ist riesengroß.

22. März: Dreifach-Weltmeisterin Susi Kentikian, die sich angesichts der angespannten Lage bei Universum schwer tut, an Kämpfe zu kommen, wechselt zum befreundeten Promoter SES-Boxing.

26. März: Schwergewichts-Europameister Alexander Dimitrenko bestreitet im Universum-Gym gegen den Polen Albert Sosnowski die erste Titelverteidigung seines im Vorjahr gewonnenen Gürtels. Nach einem actionreichen, aber technisch nicht gerade hochwertigen Kampf landet Dimitrenko in der zwölften Runde einen harten Uppercut, der Sosnowski minutenlang regungslos am Boden zurücklässt. Susi Kentikian gewinnt gegen die technisch limitierte Mexikanerin Ana Arrazola einstimmig nach Punkten.

29. März: Jürgen Brähmer wird vom Landgericht Schwerin im Strafverfahren wegen Körperverletzung und Beleidigung in allen Punkten freigesprochen. Der Fortsetzung der Boxkarriere steht damit nichts mehr im Wege, sollte man meinen…

1. April: der reguläre WBA-Weltmeister im Supermittelgewicht, Dimitri Sartison, muss seinen für 9. April geplanten Vereinigungskampf gegen WBO-Champion Robert Stieglitz auf Grund einer Innenseitenband-Ruptur sowie einen Meniskus-Anrisses absagen. Stieglitz kämpft daraufhin gegen Ex-Universum-Boxer Khoren Gevor.

10. April: Halbweltergewichtler Marcos Maidana besiegt in Las Vegas Ringlegende Erik Morales mit einer Mehrheitsentscheidung und sichert sich damit den Interims-Titel der WBA. Morales, der vor dem Kampf von vielen als Opferlamm eingeschätzt wurde, verkauft sich überraschend gut und liefert sich mit dem gefürchteten Puncher Maidana ein Duell auf Augenhöhe. Am Ende des Jahres liegt Maidana vs. Morales liegt bei vielen Abstimmungen zum “Fight of the Year” ganz weit vorne.

18. Mai: Jürgen Brähmer tritt wegen einer im Training erlittenen Sparring Cutverletzung nicht zum Kampf gegen seinen Pflichtherausforderer Nathan Cleverly an. Die WBO erkennt dem Deutschen daraufhin den WM-Titel ab und ernennt Cleverly zum Weltmeister.

4. Juni: Sebastian Zbik verliert seinen WBC-Titel bei seiner ersten Titelverteidigung gegen den Mexikaner Julio Cesar Chavez Jr. Besonders die Anfangsrunden kann Zbik auf Grund seiner technischen Vorteile klar dominieren, ab Mitte des Kampfes marschiert der physisch überlegene Chavez seinen Gegner jedoch nieder und erzielt mit seinen Schlägen mehr Schlagwirkung. Über das Urteil wird vielerorts heftig diskutiert, hätte der Kampf statt in Los Angeles in Deutschland stattgefunden, wäre der Titel wohl bei Zbik geblieben.

28. Juni: Universum meldet sich mit einem neuen Führungsteam zurück. Im neuerrichteten DIMA-Sportcenter wird Waldemar Kluch als neuer Geschäftsführer vorgestellt, Klaus-Peter Kohl übt nur mehr eine Beratertätigkeit für das Hamburger Unternehmen aus.

26. August: Karoly Balzsay kann mit einem knappen Punktsieg gegen den ungeschlagenen Ukrainer Stanyslav Kashtanov den von Dimitri Sartison niedergelegeten WBA-Titel im Supermittelgewicht holen. Da die WBA mit Andre Ward bereits einen übermächtigen Superchampion hat, ist Balzsay nur ein Weltmeister zweiter Klasse.

27. August: Ruslan Chagaev verpasst gegen Alexander Povetkin die Chance, sich seinen alten Titel zurückzuholen. Zwar hat der Ex-Weltmeister den ungeschlagenen Russen in der sechsten Runde in großen Schwierigkeiten, Chagaev kann aber nicht entscheidend nachsetzen. Eine zu passive Schlussphase ist der Grund, warum der Usbeke am Ende deutlich nach Punkten verliert.

24. September: Europameister Alexander Dimitrenko kommt bei seiner zweiten Titelverteidigung gegen Michael Sprott mit einem blauen Auge davon: zwar kann der 2-Meter-Hüne die Mehrzahl der Runden für sich entscheiden, in den Runden, die er aber verliert, sieht Dimitrenko sehr schlecht aus. Voll überzeugen kann hingegen Rakhim Chakhkiev, der den zähen Amerikaner Michael Simms in vier Runden ausknockt. Denis Boytsovs rechte Schlaghand übersteht den Aufbaukampf den Amerikaner Matt Greer ungeschadet, Juan Carlos Gomez verliert, durch eine Schulterverletztung gehandicapt, überraschend gegen den Amerikaner Darnell Wilson.

14. November: Alexander Dimitrenko, der auf Grund einer Ellenbogenverletzung nicht zur Pflichtverteidigung gegen den Finnen Robert Helenius antreten kann, wird von der EBU der EM-Titel aberkannt. Immerhin wird Dimitrenko als Pflichtherausforderer vom Sieger des Duells um den vakanten Titel zwischen Robert Helenius und Dereck Chisora installiert.

21. November: Der Vertrag zwischen Universum und WBA-Mittelgewichts-Champion Gennady Golovkin läuft aus. Der lange anhaltende Rechtsstreit zwischen dem Promoter und dem ungeschlagenen Kasachen ist damit beendet.

© adrivo Sportpresse GmbH

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12 Kommentare

  1. Der-Pate
    29. Dezember 2011 at 22:09 —

    Also alles nur positive Ereignisse, Respekt an Waldemar Kluch und seinen Berater Dietmar Poszwa, ich frage mich wann Herr Kluch seine Entscheidung bereut, dass er sich das angetan hat oder wann ihm klar wird, dass er auch vielleicht über den Tisch gezogen wurde von Kohl ?

  2. Tom
    29. Dezember 2011 at 22:47 —

    Der Universum-Boxstall ist am Boden,von Kohl und Co. herruntergewirtschaftet und auch W.Kluch kann das sinkende Schiff nicht mehr retten!

  3. Monk
    30. Dezember 2011 at 00:15 —

    Am meisten nervt mich das dort ein paar gute bis sehr gute Boxer ihre wertvolle Zeit am vergeulden sind. Und jetzt noch die Alibi Veranstalltung um die Boxer bei laune zu halten, ist ein weiterer Beweis, das da nichts mehr kommen wird. Boytsov, Chagaev, CHAKKHIEV,… solten schnell da verschwinden und sich durchklagen. Sie haben nur ein Leben und ihre Zeit bis zur Rente ist sehr……..

  4. Grumpy
    30. Dezember 2011 at 00:58 —

    Auch ich sehe UBP am Ende. Inzwischen ist ja auch klar, daß Kluch nicht über das enorme Geld verfügen kann, daß er anfangs großko.tzig genannt hat. Doch was sollen die Boxer machen, die einen Vertrag haben? Bis auf SE sind keine großen Veranstalter vorhanden und nicht jeder hat das “Kleingeld”, um sich auf einen Rechtsstreit mit seinem Arbeitgeber einzulassen – insbesondere da der Arbeitgeber dann sofort eine fristlose Kündigung aussprechen dürfte, die den Boxer zwar nicht vom Vertrag entbindet, den Promoter aber zumindest vorübergehen von den Gehaltszahlungen.

  5. Grumpy
    30. Dezember 2011 at 00:59 —

    @ Adrivo
    Vielen Dank für diese gute Übersicht.

  6. Monk
    30. Dezember 2011 at 01:10 —

    Grumpy
    die perfekte Lösung hätte ich bestimmt auch nicht. Aber mich würde diese Situation ganz schön nervös machen. Vielleicht ins Ausland, oder vielleicht würde es ja einer zu SE schaffen. Also die 3 sollten es eigentlich nicht SO schwer haben eine Platzt zu finden. Culcay und Sturm habens auch irgendwie geschafft

  7. Monk
    30. Dezember 2011 at 01:21 —

    Grumpy
    meine Vermutung warum sie überhaupt noch sind, ist ihre Menthalität. So wollen Universum helfen und glauben auch daran. Gerade die Russen sehe ich ja hier im Ländle wo ich wieder wohne. Die sind nur Häuser am bauen und das mit normalen Gehältern. Ihr Geheimnis ist, das sie 1. gut sparen können und 2. weil sie sich gegenseitig alle helfen

  8. Grumpy
    30. Dezember 2011 at 01:25 —

    @ Monk
    Bei Culcay sollten wir mal abwarten, denn das ist nur eine Scheinselbstständigkeit unter Sauerland. Der hat allerdings auch einen Namen und Erfolge zu bieten.

    Sturm ist seit seiner Selbstständigkeit boxerisch alles andere als erfolgreich. Außerdem hat er nur zum Ziel gehabt, seine eigenen Kämpfe zu vermarkten, wodurch ein ein grottenschlechtes Rahmenprogramm bot. Wenn er so weiter macht, wird er bald vor leeren Rängen oder in kleinsten Hallen boxen, worunter auch seine TV-Übertragung leiden würden.

    Bei UBP sehe ich z.Z. keinen Boxer, mit dem das breite deutsche Publikum zu begeistern wäre. Denen, die ggfs. das boxerische Talent haben, fehlt die Präsenz in den Medien, was an ihrem jetzigen Promoter, aber auch an ihrer mangelnden Ausstarhlung und ihren geringen Deutschkenntnissen liegt, was ihre Vermarktung sehr schwer macht.

    Ein Blick auf die Klitschkos zeigt, was ich meine.

  9. Monk
    30. Dezember 2011 at 01:38 —

    nein, absolut nicht, bloß nicht selbständig machen. Die sollten sich nur aufs Boxen konzentrieren. Ich würde mir wünschen das Universum selbst sie frei läßt und aufgibt, aber das ist wohl zuviel verlangt. Naja, wir können ja nur zuschauen was pas.sieren wird. Aber nerven tut mich das schon. Bei Boytsov wirds auch langsam mal Zeit das mal richtige Leute boxt, besser gestern wie heute. Wie soll der sich den entwickeln, wenn er immer über die gleiche Hürde springt. Auch wenn er oft verletzt war, hätte man ihm was besseres bieten können. So war doch in den letzten Jahre immer die Politik von Universum “Hauptsache ein guter Rekord”. Bei Boytsov hatte ich immer gedacht der hat Potenzial, aber mit dieser Taktik??? und jetzt noch das finazielle Problem?? ich habe da kein gutes Gefühl

  10. Grumpy
    30. Dezember 2011 at 02:31 —

    O.K. nicht selbstständig. Allerdings will UBP jetzt soviel Geld wie möglich aus dem Laden ziehen, um entweder
    1. mit dem Rest des Teams was Neues anzufangen oder
    2. den Schaden beim inzwischen absehbaren Untergang so gering wie möglich zu halten.

    Für den letzten Kampf gegen Greer, in dem Boytsov seine Faust auf “Haltbarkeit” testen sollte, hätte auch ein schwaches Sparring gereicht. Boytsov hat einfach keine annähernd guten Leute geboxt, weshalb es nicht möglich ist, ihn zuverlässig einzustufen. Der einzige bessere war der schlagschwache Taras Bydenko, der aber boxerisch rechts limitiert ist.

    Ich werde auch abwarten und mir die nächste UBP-Veranstaltung live ansehen. Danach werden wir mehr wissen oder zumindest erahnen können.

  11. BoxingFreak
    30. Dezember 2011 at 10:37 —

    Also der Gegner für Chakhkiev ist ja mal ne Hausnummer, Respekt Herr Kluch. Nr. 7 der WBC Kotlobay. Lebenszeichen?

  12. Baron
    30. Dezember 2011 at 11:10 —

    Hoffentlich fällt Universum wieder auf die Füße.Hamburg ohne einen vernünftigen Boxstall ist wie die Kuh ohne Milch.

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