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Roman Gorst – vom „No name“ zum Champion?

Ein Beitrag von F. W. :

Insider bezeichnen ihn als Ausnahmeathleten und sagen von ihm könne man noch großes erwarten. Seinen letzten Gegner schlug er bereits in der ersten Runde KO. Doch wirklich bekannt ist dieser Boxer nicht – oder vielleicht besser gesagt: noch nicht! Und das, obwohl Roman Gorst, der bei den Amateuren innerhalb von 10 Jahren neunmal bayerischer Meister und auch deutscher Vizemeister im Schwergewicht war, nun bei den Profis boxt.

Das Boxen wurde dem Bayern allerdings nicht in die Wiege gelegt, ganz im Gegenteil, wie Roman Gorst im Boxen.de-Interview zugibt: „Ich bin mit 16 Jahren zum Boxen gekommen und das eher zufällig, ich habe ein Ziel gebraucht, eine Aufgabe. Ich war übergewichtig, wog 130 kg und suchte eine Herausforderung. Ich bin dann über einen Streetworker mit dem Boxen in Berührung gekommen und wollte eigentlich zuerst nur abnehmen. Ich war zwar dick, aber nicht der „dicke Typ“, ich fühlte mich nicht wohl in meinem Körper.“ Der Steetworker hieß übrigens Christian Walter und ist bis zum heutigen Tage Roman Gorst`s Trainer.

Vermutlich nicht ohne Grund. Innerhalb von nur 3 Monaten verlor Roman Gorst 35 (!!!) kg, Boxen wurde „sein Ding“: „Es gab sofort Erfolgserlebnisse, im Training habe ich gemerkt, dass ich besser wurde, schneller, stärker! Natürlich habe ich auch gemerkt, dass ich nicht besser wurde, wenn ich trainingsfaul war! Und da habe ich niemandem die Schuld in die Schuhe schieben können. Wenn ich schlecht war, war es nur meine Schuld und wenn ich gut war, lag es auch nur an mir! Das hat mir am Boxen gefallen!“

Boxen kann man auch als Amateur, wie kommt man auf die Idee, mit 29 Jahren dann noch zu den Profis zu wechseln? Roman Gorst klärt mich auf: „Mein Ziel war eigentlich schon immer, Profi zu werden! Aber ich wollte das mit einer guten Amateurgrundlage tun. Der Auslöser für den Wechsel zu den Profis war mein Ausscheiden bei den Deutschen Meisterschaften 2017: Eigentlich hatte ich gewonnen! Ich habe den Kampf dominiert, meinen Gegner sogar niedergeschlagen und trotzdem verloren. Damit war das Kapitel Amateurboxen nach 170 Kämpfen für mich erledigt, das Thema Boxen aber nicht!“

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Roman Gorst ist zwar jetzt Profi, hat aber „nebenbei“ noch einen anderen Beruf: „Ich arbeite im Moment noch als Fitnesstrainer, werde aber zu meinen Wurzeln als Koch zurückkehren. Einer meiner Sponsoren hat ein wunderschönes Hotel und da werde ich bald – mit angepassten Arbeitszeiten – wieder am Herd stehen.“

Stichwort „Vermarktung“: es gibt zwar Boxer, die sich selber managen, aber das war nicht Roman Gorst`s Ding, er hat bei Thomas Holefeld Promotion unterschrieben. Warum? „Selber managen? Das kam für mich nie in Frage. Ich will mich auf den Sport konzentrieren und wenn ich weit nach oben komme, dann haben wir beide was davon, mein Promoter und ich!“

Natürlich hilft eine Partnerschaft beiden Beteiligten und so konnte Roman Gorst als nahezu unbeschriebenes Blatt zum Beispiel schon mit Kubrat Pulev Sparring machen. „Ja, das war super, eine coole Herausforderung! Am Anfang hatte ich schon Respekt, war sehr angespannt, Pulev ist im Moment – glaube ich – auf Platz 7 im weltweiten Ranking, aber ich habe mich gut geschlagen. Pulev hat mich sogar gelobt und das, obwohl ich „eine harte Nuss“ für ihn war. Ich denke, es hat uns beiden etwas gebracht!“

Gorst`s kommender Gegner am Samstag im Alex Sportcentrum in Nürnberg ist im Ranking nicht ganz so weit oben: Jan Hrebik aus Tschechien belegt Platz 313 und hat eine eher ernüchternde Bilanz: 10 Kämpfe, 9 Niederlagen, davon 7 durch KO. Bringt einem solch ein überhaupt Gegner etwas? „Mein letzter Gegner hatte eine bessere Bilanz und hatte einen schlechteren Platz im Ranking! Aber ich nehme Hrebik nicht auf die leichte Schulter. Ich bin gut vorbereitet, werde gewinnen und komme dann auch auf den Ranglisten weiter nach oben!“

Mit 29 Jahren ist man im Schwergewicht nicht zu alt, aber auch kein Youngster mehr. Nur zur Erinnerung: Mike Tyson wurde mit 20 schon Weltmeister. Wohin soll`s gehen für den Profiboxer Roman Gorst? „Ich will mich so schnell wie möglich nach oben boxen! Ich möchte um Gürtel kämpfen, ich will bekannte Namen in meiner Bilanz haben. Dafür trainiere ich jeden Tag!“

Am Samstag wird nicht nur in Nürnberg geboxt, sondern auch in Manchester: Oleksandr Usyk und Tony Bellew treffen aufeinander. Hast Du einen Tipp? „Ja, schade, dass ich selber am Samstag boxe, das hätte ich mir gerne live angeschaut. Mein Favorit ist Usyk. Ich halte ihn für den stärkeren Boxer, technisch, taktisch, schlauer. Aber Bellew mag ich auch, er kann auch Kämpfe noch drehen, wenn er hinten liegt. Ich bin gespannt!“ Dann drücken wir Dir die Daumen, Danke für das Interview.

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