Top News

Oscar Rivas – Erster Weltmeister im Bridgergewicht

Mit einem Punktsieg über Ryan Rozicki sicherte sich der gebürtige Kolumbianer Oscar Rivas den ersten WM-Gürtel im „Bridgergewicht“, der vom Weltverband WBC eingeführten neuen Gewichtsklasse zwischen Cruiser- und Schwergewicht. Beide Boxer standen sich im „Olympia Theater“ Quebec gegenüber und lieferten dem Publikum in der Halle und an den Bildschirmen weltweit einen packenden Fight, der den Erwartungen an einen WM-Kampf auch ohne spektakuläre Aktionen gerecht wurde. Ein schnelles Ende durch ein KO schien durchgängig von Runde 1 bis 12 von beiden Seiten her möglich zu sein.

Zwischen Rivas und Rozicki ging es von Beginn an richtig zur Sache. Von einem langsamen abtasten oder „Maß nehmen“ war keine Spur zu sehen. Nach einer ausgeglichenen Runde setzte Rivas seinen Gegner in den letzten Sekunden reichlich unter Druck. Rozicki war angeklingelt und kam an den Seilen ins wanken, aber die Rundenglocke verhinderte einen Bodenbesuch.

Rozicki konnte sich in der Pause erholen. Man merkte recht deutlich, dass beide Boxer richtig Dampf in den Fäusten hatten. Rivas versuchte zum Auftakt der 2. Runde nachzusetzen, aber er merkte sehr schnell, dass Rozicki seine Krise überwunden hatte und seinerseits Eindruck bei den Punktrichtern machen wollte. Rivas schien härter und präziser zu treffen, aber diese Runde ging an Rozicki.

In den weiteren Runden konnte Rivas mit leichten Vorteilen einen Punktevorsprung herausholen. Beide Boxer verzichteten auf viel Beinarbeit und der Kampfverlauf wurde etwas zähflüssiger. Durch Körpertreffer und Aufwärtshaken versuchten beide, den Gegner langsam zu zermürben. Locker geschlagene Hände waren eher selten zu sehen. Aber wenn dann mal etwas Distanz hergestellt war, schlug es wechselseitig hart ein.

Es sollte nicht weiter wundern, dass es jetzt darauf ankam wer die bessere Kondition mit in den Ring gebracht hat. Das schien erst einmal Rivas zu sein. Rozicki kassierte sehr viel, aber konnte das verkraften. Ab Runde 9 waren eigentlich beide Boxer schon im roten Bereich. Jetzt ging es neben Kondition auch um Willen. Auffallend war, dass Rivas immer besonders in den letzten Sekunden einer Runde versuchte mehr Aktivität zu zeigen. Besonders deutlich wurde das noch einmal zum Ende der Runde 11.

Zu Beginn der 12. gab erst noch ein kleines Aufbäumen. Rozicki warf Rivas zu Boden, offenbar ein kleiner Akt der Verzweiflung weil ihm klar geworden war, zum ersten Mal einen Kampf verloren zu haben. Dann war die Luft raus und es wurde viel geklammert. Das brachte Rivas einen Punktabzug ein. Es hatte keinen Einfluss mehr auf den sicheren Punktsieg des Kolumbianers. Vielleicht war es sogar der beste Weg für ihn, seinen Punktevorsprung sicher ins Ziel zu bringen und nicht noch in letzter Sekunde KO zu gehen. Die Punktrichter bewerteten den Kampf mit 116:111 und 2 Mal 115:112 für Rivas. Daran gibt es nichts auzusetzen. Damit holte sich Rivas endlich einen WM-Titel, nachdem er 2019 an Dillian Whyte scheiterte und am WBC-Interim im Schwergewicht vorbei geschrammt war. Respekt an Rozicki. Was der geleistet hat, war trotz seiner Niederlage enorm. Vielleicht sollte er doch besser im Cruisergewicht weitermachen.

Hier (fast) der ganze Kampf. Die 12. Runde ist leider nicht vollständig zu sehen.

Voriger Artikel

Boxen.de-Tippspiel + KW 42 + 22.10.2021 - 23.10.2021

Nächster Artikel

Stevenson dominiert Herring +++ FULL FIGHT +++

4 Kommentare

  1. 26. Oktober 2021 at 08:17 —

    Interessant wie boxrec und die drei anderen Verbände diese “Gewichtsklasse” konsequent ignorieren. “Hey ich bin WM im Bridgergewicht” möp, klingt so gay wie wenn Charr sich zu irgendwas äußert.

    Ich geb dem Quatsch maximal nochmal ein Jahr, dann stampft der WBC die Klasse mangels Interesse wieder ein.

  2. 26. Oktober 2021 at 08:26 —

    hoffentlich. allein usyk hat gezeigt dass es die klasse nicht braucht und selbst wilder könnte dort boxen vom gewicht her das er vor ein paar jahre noch hatte und im hw kocht er ja nicht ab vor dem kampf.

  3. 26. Oktober 2021 at 10:47 —

    Finde das Ganze eigentlich nach wie vor eine gute Idee, nur die Umsetzung (Alleingang des WBC) und den Namen finde ich blödsinnig. Vielleicht sollte man die Gewichtslimits auch ein bisschen anders setzen, z. B. CW 175 – 190 oder 195 lb, HW 190/195 – 215/220 lb und dann ein Superheavy darüber ohne Begrenzung, also ähnlich wie bei den Amateuren, nur ein wenig nach oben versetzt. Der Kampf selbst war doch auch super, ich kannte Rozicki vorher gar nicht und war von seiner Leistung wirklich positiv überrascht.

    • 27. Oktober 2021 at 10:15 —

      im amateurboxen reichen aber 10 gewichtsklassen aus. und die wären auch völlig ausreichend. noch mehr gewichtsklassen führt nur zu noch mehr verwässerung. außerdem wird die höchste gewichtsklasse im profiboxen immer das schwergewicht bleiben. das lässt sich einfach zu gut vermarkten. da erfindet man lieber neue namen. hat man bei cruisergewicht ja auch gemacht. sicher könnte man überlegen ob man das HW erst bei 210 lb anfängt und dafür die gewichtsklassen insgesamt einfach etwas nach oben verschiebt. aber viel mehr würde ich dann nicht mehr machen.

Antwort schreiben