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Olympische Spiele in Rio – AIBA suspendiert Ring- und Punktrichter

 

Nachdem die Olympiade in Rio bereits Geschichte ist, gibt es ein Nachspiel für die 36 Ring- und Punktrichter, die bei den Spielen im Boxsport zum Einsatz kamen. Laut der „Los Angeles Times“ hat die „AIBA“ angekündigt, alle Offiziellen, die mit den Kampfentscheidungen beim Boxen zu tun hatten, vorläufig zu suspendieren.

Bereits unmittelbar nach den Kämpfen gab es teilweise recht heftige Proteste gegen vereinzelte Punktrichterentscheidungen. Einige Boxer berichteten auch, dass sie von Ringrichtern bereits feindseelig angegangen und ermahnt wurden, bevor die Kämpfe überhaupt begonnen hatten. Die AIBA will eine Untersuchung dieser Vorwürfe einleiten und Kosequenzen daraus ziehen.

Welche Folgen das haben kann, bleibt vorerst im nebeligen Bereich. Es ist wohl kaum damit zu rechnen, dass Urteile aufgehoben werden. Dann müssten als logische Folge einige Kämpfe, wenn nicht sogar das gesamte olympische Boxturnier, wiederholt werden. Dazu wird es gewiss nicht kommen. Ob einige Offizielle ermahnt, nachgeschult oder dauerhaft gesperrt werden oder nicht, hilft den Betrogenen Boxern jetzt auch nicht mehr.

Tobias Drews, der SAT1- Boxsport-Chefkommentator, sagt dazu Folgendes: „Selbst wenn am Ende alle Sperren aufgehoben werden, ist die Außenwirkung für die AIBA und den Boxsport katastrophal unterirdisch. (…) Mein Punkt ist: Warum nicht erst untersuchen, dann sperren? Die Urteile, die es zu prüfen gilt, liegen doch auf der Hand. Das betrifft aber nicht alle Punktrichter / Referees. Dieser Generalverdacht bedeutet doch: Nicht vereinzelt schwarze Schafe, sondern schwarze Herde.“

Damit liegt Drews gar nicht so weit von der Realität entfernt. Die AIBA demonstriert jetzt auf einmal emsige Tätigkeit. Man kann es auch blinden Aktionismus nennen. Es ist beinahe schon eine Rufschädigung, alle 36 Ring- und Punktrichter gleichermaßen zu verdächtigen, Kampfentscheidungen manipuliert zu haben. Während der Spiele wurden zwar angeblich schon einige Offizielle aus dem Verkehr gezogen, aber es wurden dabei keine Namen genannt und es gab keine Revision der offensichtliche Fehlurteile. Jetzt noch nachträglich alle Ring- und Punktrichter unter Generalverdacht zu stellen bedeutet, dass die wirklich schwarzen Schafe wieder davon kommen und in der Herde untergehen. Man kann gespannt sein, ob die AIBA jetzt tatsächlich so konsequent ist und die vorgekommenen Betrügereien lückenlos aufklärt. Dazu gehört dann auch, dass wenigstens im Nachgang „Ross und Reiter“ genannt und die Betreffenden bestraft werden.

Einige Teilnehmer der Olympischen Spiele werden von Profiboxställen heiss umworben. Bantamgewichtler Shakur Stevenson (Silber in Rio) hat von Floyd Mayweather 2 Mio Dollar angeboten bekommen, wenn er bei ihm einen Profivertrag unterschreibt. Einer der offensichtlich Betrogenen, der Ire Michael “Mittelfinger” Conlan, hat seine Ankündigung wahr gemacht und einen Vertrag bei Bob Arum unterschrieben. Seine Begründung: Er wolle nicht noch einmal 4 Jahre umsonst für Tokyo trainieren, nur um dann wieder von korrupten Offiziellen um den verdienten Sieg gebracht zu werden. Die AIBA wird Einiges zu tun haben, um die verlorene Glaubwürdigkeit wieder herzustellen.

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