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Nimani muss seine erste Niederlage einstecken

Bei der Boxgala der Nimani Boxpromotion in Hövelhof bei Bielefeld wurde dem Publikum ein unterhaltsames Programm mit insgesamt neun Profiboxkämpfen und Livemusik geboten. Das Schützen- und Bürgerhaus war am Samstagabend mit rund 700 Sitzplätzen gut gefüllt und moderiert wurde die Gala von dem sympathischen Schauspieler und Boxfan Arnel Taci. Gekonnt gab er sein Debüt und ich würde mich freuen ihn öfter, mit Fliege statt Boxhandschuhen, im Ring zu sehen.

Das Niveau der Duelle variierte von Aufbaufights bis zu einem Hauptkampf, der von der ersten Sekunde an einer Schlacht glich. Dabei erlitt Besar Nimani seine erste Niederlage im 19. Profikampf. Der Franzose Frank Haroche Horta besiegte den Bielefelder durch technischen K.o. in der vierten Runde. Gleich zu Beginn starteten beide Boxer einen offenen Schlagabtausch, wobei zu sehen war, dass Nimani erst in den Kampf finden musste. Vielleicht war er auch von der Offensive Hortas überrascht. Noch in der ersten Runde war dieser kurze Moment schon wieder verflogen und der 29-Jährige passte sich dem offenen Kampfstil des Franzosen an, was aus taktischer Sicht nicht die beste Lösung darstellte. Keiner der Boxer schenkte dem anderen etwas, ober billigte ihm gar eine kurze Verschnaufpause. Bis zur dritten Runde mussten beide Sportler viel zu viele klare Treffer an Kopf und Körper einstecken. Warum Nimani nicht mit langen Händen boxte und sich so den unbequemen „F2H Abdelmalik“ vom Hals hielt und auf seinen Trainer Dieter Donath vom Berliner Boxtempel hörte, weiß nur er selbst. Auch seine boxende Schwester Azize konnte man am Ring mitboxen sehen, doch auch ihre Expertentipps fanden kein Gehör.

Die beste Strategie gegen einen physisch starken Mann wie Horta wäre die Vermeidung jeglicher Ringschlacht und der Nahdistanz. Durch schnelle Beine sowie einen beweglichen Oberkörper wäre der 34-Jährige auszuboxen gewesen, denn schlagbar ist er auf jeden Fall. Doch Nimani blieb zu lange in seiner Reichweite stehen und fand nicht die richtige Distanz, um den Fight vojn Beginn an eindeutig zu dominieren. Horta verließ sich auf sein gutes Auge und landete präzise Treffer. In der dritten Runde erreichte das Duell seinen Höhepunkt im gegenseitigen Schlagabtausch. Nimani kassierte schwere Treffer und gab die erste Runde auf meinem Punktzettel ab. Die ersten beiden Runden kann man ihm knapp geben, was aber an dem Resultat nichts ändert.

Die beiden Boxer beeindruckten das Publikum mit ihrem Kämpferherz, auch wenn zu sehen war, dass die dritte Runde Nimani mehr Substanz gekostet hatte. Vielleicht waren seine konditionellen Reserven, durch die harten Treffer von Horta, bereits ausgeschöpft. Denn nach einem erneuten Schlaghagel lehnte Nimani in der vierten und letzten Runde an den Ringseilen. Als der Franzose dann seine Chance witterte, setzte er gekonnt nach, bis der Ringrichter den Kampf richtigerweise abbrach. Trotzdem erholte sich Nimani schnell und fand nach dem harten Gefecht die richtigen Worte, um seinen Gegner ein Rematch anzubieten. Dieser zeigte sich nicht abgeneigt, doch davor müssen erst wieder Aufbaukämpfe absolviert werden. Denn die erste Niederlage muss erst psychisch verarbeitet werden und nicht jeder kann an dieser sofort den positiven Wert von Erfahrung erkennen. An Niederlagen kann man wachsen oder untergehen. Zu hoffen bleibt, dass Nimani einem Phönix gleich bald wieder aus seiner Asche empor steigen und alle Skeptiker überraschen kann.

Die Undercard:

Aus dem Vorprogramm sollte man den 21-jährigen Adrian Raatz im Auge behalten, weil er eine solide Leistung gegen Dzhengis Osmanov bot. Seinem Aufbaugegner verging bereits in der dritten Runde die Lust an dem Schlagabtausch. Die anfängliche Verkrampftheit konnte die junge Boxhoffnung schnell abstreifen. Obwohl er bereits eine Kickboxkarriere hinter sich hat, war technisch glücklicherweise nichts davon zu sehen. Bei Marco Huck war das anfangs anders. Hoffentlich gibt man dem Augsburger Zeit und baut ihn langsam mit immer stärkeren Gegnern auf.

Adrian Raatz

Adrian Raatz

Dario Socci konnte in dem Gefecht gegen das Kraftpaket Arber Dodaj nicht sonderlich glänzen. Der Italiener aus Salerno war irritierter, langsamer und unbeweglicher als gewöhnlich. Die unsauberen Schläge, welche leider nicht vom Ringrichter geahndet wurden, brachten ihn aus dem Konzept, wie er später resümierte. So gab er auf meinem Punktzettel die ersten beiden sowie die vierte Runde ab. Das Gefecht endete mit einem Remis, was ich für richtig halte. Der „Italian Trouble“ hat sich unnötigerweise stets auf einen unsauber geführten Infight eingelassen, anstatt seine Beweglichkeit, gute Antizipationsfähigkeit sowie technischen Möglichkeiten auszuspielen. Hoffentlich werden wir am 18. April in der Karlsruher Rheinstrandthalle einen besonneneren und eindeutigeren Kampf gegen Misa Nikolic erleben. Einlass ist ab 17.30 Uhr und der Beginn eine halbe Stunde später. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.

Selcuk Aydin zu erwähnen fällt mir schwer, da der Kampf mit seinem Beginn fast wieder zu Ende war. Man hätte eindeutig einen stärkeren Gegner verpflichten müssen, um sein Comeback in Deutschland zu feiern. Von Aydin sah man vielleicht einen Schlag mehr zum Ohr von Misa Nikolic, der diesem weiche Knie bescherte. Sonst war der Fight zu kurz, um irgendeine Aussage über die Zukunft des „Turkish Warrior“ zu machen. Zumindest möchte er unter seinem Trainer Mahir Oral in diesem Jahr wieder boxen und vielleicht werden wir dann mehr von ihm sehen.

Die Ergebnisse vom 11. April 2015:

  • Halbmittelgewicht: Jovica Jovanovic vs. Mirza Ganic mit einem T.k.o.-Sieg in Runde 4 für Ganic.
  • Halbmittelgewicht: Adrian Raatz vs. Dzhengis Osmanov mit einem T.k.o.-Sieg in Runde 3 für Raatz.
  • Mittelgewicht: Goekalp Oezekler vs. Adil Rusidi mit einem T.k.o.-Sieg in Runde 2 für Oezekler.
  • Cruisergewicht: Leon Harth vs. Armin Kiki mit einem T.k.o.-Sieg in Runde 2 für Harth.
  • Halbmittelgewicht: Dario Socci vs. Arber Dodaj mit einem Unentschieden nach 6 Runden.
  • Weltergewicht: Selcuk Aydin vs. Misa Nikolic mit einem T.k.o.-Sieg in Runde 1 für Aydin.
  • Halbmittelgewicht: Besar Nimani vs. Frank Haroche Horta mit einem T.k.o.-Sieg in Runde 4 für Horta.

Von Samira Funk

Fotos: Nimani Boxing

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