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Nicolay Valuev – Der russische Riese wird 42

Nie zuvor gab es einen solchen Schwergewichtsweltmeister: Mit einer Körperhöhe von 2,13 und einem Kampfgewicht von bis zu 150 kg sprengte Nicolay Valuev alle Grenzen. Ob diese „technischen Daten“ eher Vor- als Nachteil waren, sei mal dahingestellt. Profitiert hat der Ausnahmeboxer auf jeden Fall von seiner körperlichen Robustheit. Allerdings ging damit auch eine gewisse Schwerfälligkeit einher, die sich besonders gegen schnellere Boxer zum Nachteil auswirken sollte.

Der am 21. August 42 Jahre alt gewordene Valuev wurde 1973 im damaligen Leningrad (St. Petersburg) geboren. Bereits im Alter von 12 Jahren fehlten ihm nur noch 4 cm bis zur 2 m Marke. Nach dem Abitur begann er Sport zu studieren, widmete sich dann aber völlig dem Sport. Als Profi kam er auf einen Kampfrekord von (50(34)-2-0). Er ist verheiratet und Vater von 3 Kindern. Seit 2011 ist Nicolay Valuev Abgeordneter der russischen Staatsduma für die regierende Partei „Einiges Russland“.

Als Amateur bestritt Valuev nur 15 Kämpfe. Sein Profidebüt gab er in Berlin und besiegte dabei John Morten (10-28-0) durch TKO 2. Die weitere Karriere bescherte ihm Kämpfe in Russland und in Australien. Mitte der 90er Jahre war Valuev bei Klaus-Peter Kohl /Universum unter Vertrag. Auch der US-Promoter Don King begann ein Auge auf ihn zu werfen. Im Jahr 1999 wurde er russischer Meister. Im gleichen Jahr gab es in Prag einen denkwürdigen Kampf gegen Andreas Sidon, der nach 3 Runden abgebrochen werden sollte, dann aber doch über 6 volle Runden ging – ohne Ringrichter und ohne Urteil. Sein erster internationaler Titel war der des Verbandes PABA (Pan Asian Boxing Association), ein der WBA nahe stehender Boxverband mit Sitz in Seoul / Korea. Er qualifizierte sich im Oktober 2005 durch einen umstrittenen Punktsieg gegen Larry Donald für einen WBA-Titelkampf und gewann noch im gleichen Jahr eben so umstritten gegen John Ruiz diesen Titel. Zu dieser Zeit war Valuev bereits bei Wilfried Sauerland unter Vertrag.

Als WBA-Weltmeister verteidigte er gegen Owen Beck, Monte Barrett und Jameel McCline. Erst 2007 gegen den Usbeken Ruslan Chagaev musste sich Valuev nach 46 Siegen erstmals nach Punkten geschlagen geben. Gleich im folgenden Kampf holte er sich den Titel der NABA (North American Boxing Association) – ebenfalls ein Ableger der WBA. Auch diesmal gab es ein umstrittenes Urteil zugunsten von Valuev. Ein weiterer Sieg gegen Liakhovich machte ihn wieder zum WBA-Pflichtherausforderer. Doch zu einem 2. Kampf gegen Chagaev sollte es nicht kommen. Der Usbeke war von Erkrankungen und Verletzungen geplagt. Der Titel wurde Chagaev aberkannt, damit vakant. Die WBA ordnete einen Pflichtkampf zwischen Valuev und Ruiz an, die damit zum zweiten mal um diesen Gürtel kämpften. Am 30. August 2008 wurde Valuev durch Punktsieg erneut gegen John Ruiz WBA-Weltmeister.

Nach diesem Titelgewinn gab es im Dezember 2008 einen Kampf gegen Evander Holyfield. Dieser Fight endete mit einem umstrittenen Punktsieg für Valuev. Das schweizer Publikum in Zürich bejubelte dennoch Evander Holyfield, den man als Sieger sah, während Valuev ausgebuht wurde. Knapp ein Jahr später verlor Valuev den WBA-Titel in Nürnberg gegen David Haye, der bei einem ebenso knappen Punkturteil vorne lag. Bei diesem Kampf gab es eine der wenigen Gelegenheiten, Valuev tatsächlich einmal wackeln zu sehen. Dieser Kampf „David gegen Goliath“ war der letzte von Nicolay Valuev.

Mit dem Vertragsende bei Sauerland 2011 begann auch der Einstieg Valuevs in die Politik. Er wurde in die russische Staatsduma gewählt und sieht seither seine Aufgaben im politischen Bereich. Damit endete auch die große Spekulation auf einen Mega-Fight zwischen Nicolay Valuev und Vitali Klitschko. Es gab deswegen zahllose Verhandlungen, aber dieser Kampf, den die gesamte Boxwelt gerne gesehen hätte, kam leider nie zustande.

Valuev hat nie sein offiziellen Abschied vom Boxen erklärt. Eine Abschiedskampf gab es auch nie. Er hat mit seinen Kämpfen polarisiert und gilt als „russischer Riese“ bis heute als ein Unikum des Boxsports. Mit seinen Kämpfen und seiner jetzigen Tätigkeit hat Valuev für sich und seine Familie bis an das Ende seiner Tage ausgesorgt. Er führt ein ruhiges unauffälliges leben abseits großer Medienspektakel, anders als es einige andere Ex-Weltmeister führen. Neben seiner politischen Arbeit pflegt er vor allem sein Hobby als passionierter Jäger.

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1 Kommentar

  1. 23. August 2015 at 21:45 —

    Na dann gratuliere ich dem Schreiber für diesen “klasse” Artikel und Niko zum 42.!

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