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Nadia Raoui: “2012 ist für mich das Jahr der Abrechnung”

Nadia Raoui ©Celebration Promotion  Sports & Entertainment Management.

Nadia Raoui © Celebration Promotion Sports & Entertainment Management.

Wenn WIBA-Weltmeisterin Nadia Raoui (13-1-1, 3 K.o.’s) am Freitag im Vorprogramm von Sturm vs. Zbik gegen die Amerikanerin Eileen Olszewski (7-3-2, 0 K.o.’s) in den Ring steigt, geht es ihr vor allem darum, eine offene Rechnung zu begleichen. Das Unentschieden im ersten Kampf im Dezember 2008 war heftig umstritten, die Mehrheit der Zuschauer und Boxexperten in Zürich hatten die Deutsche klar vorne gesehen.

“Ich habe den Kampf klar dominiert und auch deutlich die besseren Treffer gesetzt. Das Unentschieden war für mich ein Schlag ins Gesicht. Ich fühlte mich um den verdienten Lohn meiner Arbeit betrogen und war, so glaube ich, auch nicht die Einzige, die dies so gesehen hat”, sagte Raoui.

Dem Kampf in der Lanxess Arena von Köln blickt Raoui aber gelassen entgegen: “Ich zolle jeder meiner Gegnerinnen den nötigen Respekt. Auch Eileen. Sie war nicht umsonst vor mir Weltmeisterin und hat viel erreicht. Aber am Freitag wird definitiv die bessere Boxerin den Kampf gewinnen. Ich werde der Boxwelt zeigen, wer das von uns beiden ist und das Urteil von 2008 vergessen machen. Zweifelsohne wird es keine einfache Aufgabe, denn auch Eileen will natürlich ihren Titel zurück und wird alles dafür in die Waagschale werfen, aber ich bin fest von einer erfolgreichen Titelverteidigung überzeugt.”

Der Kampf gegen Olszewski ist für Raoui aber nur ein Schritt in Richtung eines noch wichtigeren Rematches, nämlich jenem gegen Susi Kentikian. “2012 ist für mich das Jahr der Abrechnung”, so Raoui. “Meine Kampfstatistik weist bei fünfzehn Kämpfen ein Unentschieden und eine Niederlage aus. Das Unentschieden werde ich am 13.04. gegen Eileen vergessen machen, doch auch meine einzige Niederlage gilt es noch auszumerzen. Anders als andere Athletinnen und Athleten will ich gegen die besten Gegnerinnen boxen. Und dazu gehört natürlich auch Susi Kentikian, gegen die ich im April 2010 unter den Pfiffen von tausenden Besuchern in der Alsterdorfer Sporthalle verloren habe. Nicht nur ZDF-Boxexperte Günter-Peter Ploog sondern auch die vielen Hamburger Zuschauer in der Halle, die ja eigentlich auf Seiten von Susi Kentikian standen, haben die damalige Entscheidung nicht nachvollziehen können. Auch das Voting der TV-Zuschauer war eindeutig. Das war der Tiefpunkt meiner Karriere. Ich fiel in ein tiefes schwarzes Loch und habe die Welt nicht mehr verstanden. Mein persönliches Verständnis von Fairness im Sport ist ein anderes. Bei mir möge wirklich der Bessere gewinnen. Und wenn ich einmal schlecht boxe und meine Gegnerin ist besser, so muss ich dies akzeptieren. Wichtig ist, dass ich die Chance bekomme, das wieder gut zu machen. Bayern München oder Borussia Dortmund werden auch nicht ohne Niederlage Deutscher Meister. Das ändert dennoch nichts an ihrer Reputation. Auch beim Boxen sind Niederlagen menschlich, wenn man gegen hochklassige Gegner boxt.”

“Boxer sollten mehr nach der Auswahl ihrer Gegner bewertet werden als nach der Anzahl ihrer Siege”, so Raoui weiter. “Eine Kampfstatistik kann man schönen. Dann würden auch nicht so oft sportlich gesehen, minderwertige Boxer als Top-Gegner den Zuschauern verkauft werden müssen, obwohl sie in der unabhängigen Weltrangliste nicht einmal unter den ersten 25 stehen. Susi Kentikian hat mir damals direkt nach dem Kampf eine Revanche versprochen, gehalten hat sie ihr Versprechen bis heute nicht. Stattdessen hat sie lieber Gegnerinnen wie die Thailänderinnen Teeraporn Pannimit geboxt, die nicht einmal in den Top 30 der unabhängigen Weltrangliste in unserer Gewichtsklasse stand. Auch ihre Aussagen, dass sie mir bereits einen Rückkampf angeboten habe, entsprechen leider nicht der Wahrheit. Es ist Zeit, dass sie ihr Versprechen einlöst und Farbe bekennt. Ich stehe bereit und würde gerne im Herbst gegen sie boxen. Das wäre ein Boxkampf der Extraklasse auf allerhöchstem Niveau. Es ginge im wahrsten Sinne des Wortes “um die Milchschnitte”. Und wenn alles mit rechten Dingen zugeht, dann möge am Ende auch wirklich die bessere Boxerin gewinnen.”

Das Rematch gegen Kentikian könnte im Herbst auf Sat.1 ausgestrahlt werden. Raouis Manager Marc Stöckel: “Roland Bebak, Geschäftsführer von Sturm Boxpromotion, hat von mir das Signal erhalten, dass wir gerne gegen Susi Ende des Jahres boxen würden. Dann kann sie endlich ihren Worten Taten folgen lassen. Ich hoffe nur, dass sie nicht wieder kneift und dem Rematch aus dem Weg geht. Schließlich hatte der letzte Kampf bei ihr deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Es wird Zeit, dass Nadia die Chance erhält, zu zeigen, dass sie damals zu Unrecht verloren hat.”

© adrivo Sportpresse GmbH

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8 Kommentare

  1. DR_BOX
    11. April 2012 at 12:33 —

    Gute Boxerin! Setze auf Sieg

  2. HWFan
    11. April 2012 at 12:44 —

    …klingt doch ganz vernünftig, was sie da von sich gibt (Wobei es eben im Boxsport leider nichts Ungewöhnliches ist, dass man nur als Herausforderer, nicht aber als Titelverteidiger (also BEVOR, nich NACHDEM man sein Ziel erreicht hat) das Bestreben hat, gegen die stärksten Gegner anzutreten).
    Hatte sie gegen Kentikian damals nicht unbedingt KLAR vorne gesehen, aber wenn ich mich für eine Siegerin hätte entscheiden müssen, wäre meine Wahl wohl schon auf jeden Fall auf Raoui gefallen.
    Wünsche ihr auf jeden Fall viel Glück für ihre Revanche gegen Olszewski und auch für eine ggf. in Aussicht stehende Revanche gegen Kentikian (auch wenn ich nicht sicher bin, ob es ihr nochmals gelingen würde, sich ähnlich gut gegen die selbst ernannte “Killer Queen” zu verkaufen…)

  3. bla
    11. April 2012 at 17:44 —

    Raoui hat damals gegen Kentikian haushoch gewonnen.
    Das Urteil war einfach nur ein Skandal!
    Da mußte man sich schämen!

    Wahre Worte spricht sie.
    Da kann sich zahlreiche andere Profis ein Beispiel nehmen.
    Dann wäre das Profiboxen nicht so im Niedergang.

    Die Frau soll Boxerin sein?^^
    Dafür wirkt sie viel zu intelligent 🙂

  4. Allerta Antifascista!
    11. April 2012 at 20:09 —

    War auf jeden Fall ein Skandalurteil im ersten Kampf, hoffe sie bekommt ihre Revanche!

  5. Pitt
    12. April 2012 at 13:06 —

    @bla
    Intelligenz und Boxen schließen sich nicht unbedingt von vornherein aus.
    Die Klitschko’s besitzen beide einen Doktortitel(Dr.der Sportwissenschaften und Dr.der
    Philosophie).Vitali ist zusätzlich Oppositionsführer seiner Partei in der Ukraine.

    Luan Krasniqi hat Abitur,ist gelernter Großhandelkaufmann und spricht 5 Sprachen.

    Regina Halmich ist gelernte Rechtsanwaltsgehilfin.

  6. ghetto obelix
    12. April 2012 at 13:33 —

    @ bla

    Timo Hoffmann ist auch Profiboxer und hochintelligent zugleich !!! 😀 😀

  7. boxmann
    12. April 2012 at 19:41 —

    Huck ist auch hochintelligent, dagegen war Einstein ein Sonderschulabbrecher 😛

  8. bla
    12. April 2012 at 20:06 —

    Mensch,

    was bin ich froh,

    viele intelligente Aussagen zu lesen:)

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