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Momente des Fremdschämens: Warum der Shitstorm über Feigenbutz ausbrach?

Nein, es war nicht nur das skandalöse Fehlurteil nach 12 Runden, welches den Shitstorm und den Groll gegen Vincent Feigenbutz und sein Team hervorrief. Nicht nachvollziehbare Punkturteile gehören zum Boxsport, leider. Doch sind sie selten Lichtjahre vom realen Ereignis entfernt und es wird besser geschummelt! Samstagabend glich eher einer billigen Zirkusnummer. So hieß der alte und neue Titelträger des Interims-WM-Gürtels der WBA im Supermittelgewicht groteskerweise: Vincent Feigenbutz.

Warum durfte Feigenbutz nicht verlieren?

Warum konnte man dem jungen Sauerland-Boxer keine rechtmäßige Niederlage zuschreiben? Wurde er zu groß geredet? Wäre das WM-Duell gegen Felix Sturm oder Fedor Chudinov in Gefahr geraten? Ist es dies nicht auch, wenn der verschaukelte Giovanni De Carolis nicht vorher ein Rematch bekommt und ein Verlierer um einen Weltmeistertitel boxen darf? Womit hat er sich das verdient?  Die vielen vorzeitigen K.o.-Siege gegen Journeymen zählen nicht! Wen hat Feigenbutz geschlagen, dass er sich in eine Reihe mit Abraham und Sturm stellt? Sein Manager Rainer Gottwald möchte Geld verdienen und deshalb kann man nachvollziehen, dass er so schnell wie möglich zu einem Weltmeisterschaftskampf kommen möchte. Seine Gesundheit steht ja nicht auf dem Spiel und wie sein Schützling eine harte Niederlage verkraften würde, interessiert in seinem Team auch keinen. Sonst hätte man nicht nach Mauricio Reynoso (Rang 272 bei BoxRec) den viel stärkeren Giovanni De Carolis (Rang 32 bei BoxRec) verpflichtet, obwohl Feigenbutz noch nie länger als 9 Runden in einem Ring gestanden hat. Warum konnte man den Jungen nicht weiter im Schritttempo aufbauen?

Wäre es so schlimm gewesen, wenn man zugegeben hätte, dass es noch zu früh für einen soliden Boxer wie De Carolis war? Dann hätte man dem ehemaligen K.o.-König seine zwei siegreichen Runden zugesprochen und wäre zufrieden gewesen, dass Feigenbutz die Distanz von 12 Runden gegen diesen erfahrenen Boxer gemeistert hat.

Wenigstens zwei sind sich einig: Halmich und Wegner!

So hätten auch vermeintlich „neutrale Boxexperten“ wie Regina Halmich und Ulli Wegner ihre verblendeten Fehleinschätzungen nicht abgeben müssen, um die Fan-Girls und Boys zu beruhigen und den Skandal zu beschönigen. Aber nein, liebe Regina, es war eben kein „enger Kampf“ und ja, es hätte „anders ausgehen“ müssen! Das merkt unsere ehemalige Vorzeige-Boxweltmeisterin aber erst verspätet: „Ich denke auch, dass man dem Karlsruher mit dem Sieg keinen Gefallen getan hat, das merkt man ja an den Reaktionen.“ Also wäre das lächerliche Urteil in Ordnung gewesen, wenn es andere Reaktionen gegeben hätte?! Manchmal sollte man einfach schweigen, wenn man sich nicht traut die Wahrheit auszusprechen. Daran hat sich auch Ulli Wegner nicht gehalten. Aber wie kann man die Kampfanalyse eines Trainers ernst nehmen, der folgendes über Floyd Mayweathers letzten Sieg sagte: “Das war eine miserable Vorstellung, die Mayweather gezeigt hat. Der Kampf ließ viele Dinge offen, ich bin richtig enttäuscht. Ich verstehe nicht, wie man mit so einer schlechten Leistung gewinnen kann. Er hat gar nichts gezeigt.” Aber über Feigenbutz fällt kaum Kritik: “Es war ein knapper aber verdienter Sieg, er hat sich in den Kampf zurück gekämpft.” Fazit: Mayweather, einer der besten Boxer unserer Zeit, hat in seinem Abschiedsfight unrechtmäßig gesiegt und miserabel geboxt, aber Feigenbutz hat verdient gewonnen?!

Ey Alter, was los, komm her!

Aber wohin hat sich der Prügelprinz zurück gekämpft? Vielleicht in die Gossensprache und Aggro-Gebärden eines 16-jährigen Pubertierenden, der noch nicht ganz zurechnungsfähig ist? Mit 20 Jahren ist er erwachsen und sollte wissen, dass man seinen Gegner nicht mit: „Was ist denn los? Komm her!“ anpöbelt, wenn dieser sachlich um eine Revanche bittet und auch mal etwas vor der Kamera sagen möchte. Besonders dann, wenn dieser das Gefecht so klar dominiert hatte. Gegen Feigenbutz wirkte Giovanni De Carolis wie ein Gentleman der alten Schule, so ruhig und fair wie er sich verhielt als er das aberwitzige Urteil vernahm. Gegen Feigenbutz wirkt wahrscheinlich jeder Boxer distinguiert, selbst Marco Huck hat bei mir wieder an Sympathie gewonnen.

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Die Enttäuschung war Giovanni De Carolis im Gesicht abzulesen. Obwohl er Tränen in den Augen hatte, begnügte er sich kritiklos mit dem Versprechen zu einem Rückkampf und bedankte sich höflich bei seinem Kontrahenten: „thank you too much“. Was für ein fairer Sportsmann, fast schon unmenschlich fair! Meine Wut über dieses ungerechte Urteil und das Verhalten von „Prince Vince“ war dafür umso größer und ich war froh, dass die italienische Ecke die Sticheleien von dem inoffiziellen Verlierer im Überheblichkeistwahn nicht verstanden hatte, denn ich schämte mich schon genug für meinen Landsmann:

  • „Und jetzt zum Urteil, ich habe letzte Woche eine Grippe bekommen und war noch krank, aber wollte den Kampf unbedingt machen. Ich habe mich schwach gefühlt.“                                                                                
  • „Ich habe ihm tausend Jabs in die Fresse geballert, man sieht ja auch seine blauen Augen. Von daher habe ich klar gewonnen.“  
  • „Ich habe stärkere Sparringspartner wie der Gegner, Nuhu Lawal zum Beispiel. Für mich hat der Typ klar verloren. Wir können ja einen Rückkampf machen. Wenn ich gesund bin, dann mache ich ihn richtig platt!“      „Nee, man es war kein K.o. das kotzt mich richtig an. Ich wollte ihm richtig die Fresse polieren, hat aber nicht geklappt. Ich hatte keine Kraft, meine Nase war zu.“
  • „Es war ein knapper Kampf, aber ich habe mehr Treffer gesetzt und von daher habe ich verdient gewonnen!“
  • „Ich stand scheiße und er hat mich getroffen. Der Schwung hat mich runtergeholt, aber es war jetzt kein Schlag das ich angezählt hätte werden müssen oder ausgeknockt war. Aber egal, ich bin wiedergekommen und habe gewonnen, fertig.“
  • „Ich habe vor jeden Gegner K.o. zu hauen. Warum soll ich jetzt nicht gegen einen kämpfen, der ganz oben ist, weil manche meinen, dass ich zu jung wäre? Ist doch meine Sache, wenn ich verliere. Ich will kämpfen und fertig!“

Diese geistreichen Zitate rangieren deutschlandweit auf Platz eins hinsichtlich ihrer Niveaulosigkeit und sicherlich hat es nichts mit dem Alter zu tun, wenn man Feigenbutz von einem WM-Duell abrät. Es sind seine begrenzten boxerischen Mittel, die deutlicher als je zuvor von jemandem offenbart wurden, der als Aufbaugegner dienen sollte. Natürlich kann man an einigen Dingen arbeiten, aber dafür braucht es Zeit. Bisher erinnert der Karlsruher innerhalb und außerhalb des Boxrings eher an einen Straßenschläger als an einen Profiboxer.

Das Verheizen von Feigenbutz hat mit Giovanni De Carolis begonnen und würde in einem folgenden WM-Kampf seinen grauenhaften Höhepunkt finden. Arthur Abraham, Fedor Chudinov und Felix Sturm boxen in einer anderen Liga! Ohne ein vorheriges Rematch für den Römer wäre jeder dieser Ansetzungen eine weitere Lachnummer aus dem Wanderzirkus Sauerland: Una commedia ridicola!

Kann man einen Proll-Boxer zum Publikumsliebling machen?

Nach dem Kampf ist die Kritik der deutschen Boxfans glücklicherweise nicht ungehört geblieben und selten war man sich so einig. Deshalb bemüht sich Feigenbutz auf seiner Facebook-Fanpage um Schadenbegrenzung sowie die Rettung seines angekratzten Images:

„Liebe Freunde, war ein harter Kampf gestern. Ist nicht ganz so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Hab gestern viel zu emotional reagiert, tut mir leid was ich gesagt habe, das war nicht in Ordnung. Respekt an De Carolis! Ich werde hart trainieren und es beim nächsten Mal besser machen! De Carolis und ich haben uns gestern als ich mich persönlich und öffentlich auf der anschließenden Pressekonferenz bei ihm für meine unpassenden Äußerungen entschuldigte, die Hände gereicht. Er ist ein toller Athlet und Boxer. Er hat sich sehr darüber gefreut als ich ihm gesagt habe das wir gerne nochmals einen so tollen Kampf gegeneinander machen können.“

Der Newcomer hat begriffen, dass besonders sein Verhalten sowie seine eloquenten Sprüche den Facebook-Shitstorm über ihn ausbrechen ließ, das Boxpublikum zum Fremdschämen brachte, ihm unnötig Sympathien kostete und einen Arthur Abraham nur noch lachen ließ. Die Niederlage hätte nicht nur seiner Persönlichkeit gut getan…

Foto: Marco Baumann

 

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9 Kommentare

  1. 20. Oktober 2015 at 08:31 —

    @ TBE

    Super Bericht……genauso war es, genauso ist es! Da kann man eigentlich nichts mehr hinzu fügen!

    Man sollte sich bei Sauerland zusammen setzen, in Ruhe miteinander reden und den versprochenen WM-Kampf auf ende des Jahres verschieben, Feigenbutz braucht vorher noch Kämpfe, vor allen Dingen den Rückkampf gegen DeCarolis!

  2. 20. Oktober 2015 at 09:58 —

    Auch wenn Feigenbutz seine Aus.sagen über den Niederschlag am Ende relativiert hat (welche andere Chance hatte er auch bei der Klarheit der TV Bilder), finde ich erwähnenswert, wie er anfangs felsenfest behauptete er sei ja nur ausgerutscht

    Wie ich in dem anderen Thread schon halbwegs gesagt hat, mir tut der Junge mittlerweile leid, der umgibt sich mit den absolut falschen Leuten, denen es um pure Selbstdarstellung geht und wird von eben jenen vor den Karren gespannt.
    Da wollen irgendwelche Proleten auf Kosten des Talentes die schnelle Mark machen und stürzen den Jungen damit komplett in die Sche.iße. Ein gutes Management hätte diese Groß.kotz-Anfälle im Keim erstickt und so manch gegebenes Interview nicht freigeben und dem Jungen mal gehörig ins Gewis.sen geredet.

    Mal sehen, ob er noch die Kurve bekommt, mit seinem aktuellen Umfeld zweifel ich aber dran.

    • @ YoungHoff

      ich gebe dir zwar recht, es ist offensichtlich das da einige leute die schnelle mark machen wollen, aber man darf hier nicht vergessen das er 20 jahre ist und selbst dafür zu sorgen hat das einige dinge die bisher gelaufen sind, nicht geschehen.

      Sicher gibt es gerade im Boxen wo es sehr schwer ist Geld zu verdienen viele junge Boxer die naiv sind und fehler machen abseits des Ringes. Aber es gibt auch junge Boxer mit denen kann man das nicht machen. Feigenbutz ist aber genau so einer der da reinpasst. Er will es doch so. Da ist nicht nur das miese Management schuld.

  3. 20. Oktober 2015 at 10:30 —

    Ulli „Doppeldeckung“ Wegner, übernehmen Sie! 😉

  4. 20. Oktober 2015 at 11:06 —

    100% ich stimme voll und ganz zu!

    Schwach, arrogant, überheblich und “Wenn feigenbutz die deutsche Hoffnung ist, dann ist der Boxsport in Deutschland am Ende“!!!!

  5. 20. Oktober 2015 at 13:47 —

    Guter Bericht….Feigenbutz ist eine Schande…Der sollte zurücktreten und weiterhin in Karlsruhe Müll einsammeln…(angeblich ist er Elektriker)…..aber im Aftermatch-Interview hat er echt Eier gehabt…leider nicht im Kampf selbst…wenn er vor Abraham steht, wird er sich vor Angst in Stein verwandeln

  6. @ TBE

    Super Bericht junge!! Endlich sprichts mal einer aus. Weiter so!!

    Halmich und Wegner sollte man beide auf Lebenszeit sperren. Was anderes als deutsche Boxer oder SE Boxer in Schutz nehmen können diese bezahlten Deppen nicht.

    Und das sich ausgerechnet ein Wegner so abfällig über Maiwetter äußert. Das ist ja so als ob der Lada designer über Mercedes meckert.

    Diese ganzen verblendeten Medien und Ex-boxer Clowns sollten aus dem ganzen mal eine Lektion lernen. Und zwar, dass nicht alle Fans des deutschen Boxsports auch unter allen Umständen immer einen deutschen Siegen sehen wollen. Bes.chiss bleibt Bes.chiss. Man hat mit dieser Aktion eher das deutsche Publikum blamiert und den gesamten Sport. Das wird im Ausland ein “tolles” Bild abgeben, aber ich weiß das interessiert bei SE niemanden, Hauptsache die Kassen sind gut gefüllt, scheiß aufs image und die deutschen Fans.

    Allein so einen klaren Knockdown als Ausrutscher zu sehen, zeigt doch wie Armselig Feigenbutz ist. Selbst so ein riesen Egomane wie Fury gibt einen Knockdown sofort zu, umso erbärmlicher das sich so ein 20 jähriger Pimpf wie Feigenbutz hinstellt und alle Leute für Dumm verkaufen will. Mir ist es scheißegal ob es im “Eifer des Gefechts” dahergesagt war. Wer klar zu boden muss weiß das auch sofort nach dem Kampf. Diesen PR Bulls.hit kann er seiner Oma erzählen.

    Und der Kampf gegen Abraham wird niemals kommen. Höchstens dann wenn Abraham entscheidet abzutreten, dann wird man Prinzessin Vince noch einen schönen Sieg spendieren und die Legende des Abraham bezwingers Prince Großmaul Vince ist geboren. Aber vorher verheizt Sauerland doch nicht seine Kohle mit seinen 2 Besten Geldpferden.

  7. 20. Oktober 2015 at 22:27 —

    Klasse Bericht, Ihr sprecht allen Boxfans aus der Seele.
    Weiter so !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  8. 23. Oktober 2015 at 02:16 —

    WOW.
    Der Bericht beschreibt genau das was ich denke und worüber ich mich die nächsten 2 Tage immer noch geärgert habe.

    Punkt 1 :
    Absolutes Fehlurteil und klare Punktniederlage.

    Punkt 2 :
    Wie Feigenbutz geredet hat , hat mich echt schockiert , und zeigt
    das man einen 20 jährigen unreifen Rotzer nicht so übertrieben puschen sollte nachdem er Paar No Names ausgeknockt hat.
    Mann Leute der ist 20 keine wunder das der so arrogant reagiert hält sich bestimmt für unbesiegbar und den größten der Welt.
    Liegt aber zur hälfte auch am Umfeld.

    Punkt 3 : Der 17 Jährige andere Boxer aus dem gleichen Stall habe seinen Namen vergessen hat aber im Interview ebenso vor Überheblichkeit gestrotzt.

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