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Miskirtchian verteidigt EM-Titel dramatisch gegen Evensen – KO in Runde 12

In einem sehr unterhaltsamen und hochdramatischen Gefecht verteidigte am Samstagabend Alexander Miskirtchian den EBU-Federgewichtstitel. In der zwölften Runde stoppte der Belgier seinen Herausforderer Andreas Evensen, der bis dahin einen starken Kampf gezeigt hatte. Die Spannung des Kampfes entsprang aus der Mischung von Evensens boxerischen Können und Miskirtchians Schlagkraft, die jederzeit ein Faktor war und am Ende den Ausschlag gab.

Der Kampf startete ausgeglichen, aber engagiert von beiden Seiten. Miskirtchian boxte etwas aggressiver und bevorzugte die Halbdistanz, während Evensen etwas länger zu boxen versuchte und den Jab mehr einsetzte. Die härteren Treffer lagen zweifelsohne auch in der zweiten Runde beim georgischstämmigen Belgier, doch Evensen war der aktivere der Beiden, der technisch gut aus der Distanz agierte. Er ließ sich jedoch auch immer mal wieder phasenweise in Schlagabtausche verwickeln, die zusammen mit dem sehr hohen anfänglichen Tempo, für einen sehr zuschauerfreundlichen Kampf sorgten.

Miskirtchian übte weiterhin den Druck aus, doch marschierte in der dritten Runde zu langsam nach vorne. Evensen, der schnell auf den Beinen war, nutzte seine ebenfalls schnellen Hände aus um den Titelverteidiger zu erwischen bevor dieser seine Schläge unterbringen konnte. Als der Norweger komplett in Kontrolle zu sein schien, brachte Miskirtchian jedoch plötzlich eine krachende rechte Gerade ins Ziel, die Evensen rücklings zu Boden plumpsen ließ. Etwas benommen fand er wieder auf die Beine und antwortete mit wütenden Angriffen seinerseits, musste die Runde jedoch mit 10-8 verloren geben.

Der Herausforderer fand jedoch in der Folge wieder zu seinem Stil zurück und machte seine technischen Vorteile gelten. Sobald Evensen konzentriert und diszipliniert boxte, wirkte Miskirtchian eindimensional und ideenlos. Seine harten, aber oft zu langsamen und weiten Schläge waren leicht auszurechnen und fanden im Vergleich zu denen von Evensen viel zu selten ihr Ziel. Wenn sie jedoch durch kamen, hinterließen sie stets Eindruck, wie in der fünften Runde ein rechter Aufwärtshaken, der Evensens Kopf zurück schnellen ließ. Das Tempo blieb unterdessen hoch und der Kampf zuschauerfreundlich, da trotz Evensens Überlegenheit die Power von Miskirtchian jederzeit in der Lage zu sein schien den Kampf auf den Kopf zu stellen.

So kam es dann auch in der siebten Runde, als der Belgier plötzlich die Oberhand gewann und den Kampf in der Halbdistanz halten konnte, wo er kontinuierlich Treffer landen konnte. Eine harte Rechte zum Kopf ließ Evensen schon früh durch den Ring stolpern, und auch in der Folge schien der Norweger nicht ganz bei klarem Kopf zu sein. Miskirtchian dominierte die Runde, doch Evensen überstand sie ohne erneut runter zu gehen. Allerdings zeigte sein Gesicht deutliche Spuren von den schweren Schlägen, die er in der Runde hatte hinnehmen müssen, und sowohl seine Nase als auch sein Auge schwollen deutlich an.

Plötzlich war der Titelverteidiger wieder mitten im Kampf, doch blieb in der Folge wieder etwas zu passiv. Evensen feuerte deutlich mehr Schläge ab und kam auch häufiger, wenn auch nicht härter, durch. Runden Acht und Neun entschied der Herausforderer für sich, die zehnte Runde war unterdessen eng umkämpft, da Miskirtchian in dieser etwas aktiver wurde. Er schien jedoch in den letzten beiden Runden einen KO suchen zu müssen um seinen Titel zu behalten, und gegen Mitte der elften Runde gelang es ihm auch erneut Evensen mit ein paar Treffern ins Wackeln zu bringen. Der Norweger war sich aber grundsätzlich der Gefahr bewusst, und versuchte möglichst auf Distanz zu bleiben, wo Miskirtchian zu vorhersehbar für den schnelleren Evensen war.

Doch in der zwölften Runde war es dann trotzdem um ihn bestellt. Aus dem Nichts heraus erwischte Miskirtchian Evensen mit einer rechten Geraden, die den Norweger zu Boden schickte. Evensen schien zwar durchaus angeschlagen, fand aber sehr schnell wieder auf die Beine. Ringrichter Howard Foster hatte jedoch genug gesehen und brach den Kampf ab. Da nur noch dreißig Sekunden übrig waren und Evensen, der möglicherweise auf den Punktzetteln knapp führte, noch bei Sinnen schien, war dieser Abbruch durchaus diskussionswürdig.

Für Alexander Miskirtchian war es der zweiundzwanzigste Profisieg seiner Karriere und die zweite Titelverteidigung seines europäischen Titels. Der 27-Jährige ist damit nun seit neun Kämpfen unbesiegt. Andras Evensen verlor hingegen zum dritten Mal in seinem einundzwanzigsten Profikampf, was seine Serie von fünf Kämpfen ohne Niederlage beendete.

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6 Kommentare

  1. El Demoledor
    10. Februar 2013 at 00:35 —

    Du meine Güte; manche Ringrichter warten mit einem Abbruch bis einer der Boxer halb tot geprügelt wurde, und andere nehmen den Boxer viel zu früh raus; hier wurde Evensen definitiv die Chance genommen, den Titel zu holen.
    Na ja, besser zu früh abbrechen als zu spät, zumal Miskirtchian eh knapp geführt haben müsste.

  2. johnny l.
    10. Februar 2013 at 00:53 —

    starker kampf! letzte woche gutknecht/brähmer und kiko martinez/frampton waren auch sehr cool. das macht hoffnung für weitere starke europäische matches!

  3. Timo
    10. Februar 2013 at 02:13 —

    Kommt aus Armenien , wie Herr Murat und Abraham

  4. Lothar Türk
    10. Februar 2013 at 18:12 —

    scheiß subjektives Urteil. Richtig, manche werden halb tot geprtügelt bevor Trainer / Ringrichter einschreiten und andere werden um ihren Punktsieg gebracht. Ein altes Thema. Wir hätten sonst nichts zu erzählen…

  5. BoxingIsLive
    10. Februar 2013 at 21:04 —

    Ehm… Ist ja völlig falsch, er kommt aus Armenien! Ich kenne ihn zwar nicht persöhnlich, doch war er einmal in einer Armenischen-Boxveranstalltung in Lüttich, Belgien, dass für Weissenkinder in Armenien organisiert wurde. Ausserdem war er eine Woche lang in unserem Boxverein und hatte die ganze Zeit mit dem alten EuropaMeister im Superfedergewicht Ermano Fegatilli gesparingt ^^ Hatte Fegatilli leicht vorne, aber kanns nicht zu 100% sagen da es schwer war zu trainieren und die beiden EuropaMeister sparen zu sehn ^^ P.S. Ich trainiere beim B.C. Cocktail bei Albert Syben einem alten Profi-Boxer der auch 5 Runden mit Mohammad Ali gespart hat ^^ :DD

    Er ist gut und hat sich den Sieg werden Alex hoff das du uns Armenier alle Stolz machst und irgendwann mal nen WM-Gürtel hollst ^^ 🙂

  6. angel espinosa
    11. Februar 2013 at 17:32 —

    Eilmeldung !!! Eilmeldung!!!

    Die vier großen Weltverbände haben sich auf ein neues Regelwerk ab 2014 geeinigt.

    “Jeder amtierende Weltmeister muss alle 6 Monate eine Pflichtverteidigung durchführen ,ausser er strebt eine Titelvereinigung an,die hat Vorrang.Er kann nach seinem Ermessen eine freiwillige Titelverteidigung dazwischen schieben(der Gegner muss unter den Top 10 der jeweiligen Rangliste sein).Sollte er nicht die Pflichtverteidigung absolvieren,wird er für 9 Monate,zum Champion im Ruhestand erklärt,und kann den neuen Weltmeister ,der zwischen den zwei höchst gerankten ermittelt wurde,herausfordern.Sollte ein Boxer Champion in mehreren Verbänden sein , dürfen zwischen den jeweiligen Pflichtverteidigungen nicht mehr als vier Monate liegen.”

    PS So wäre es ,wenn ich etwas zu sagen hätte.Warum die Weltverbände sich nicht in diese Richtung bewegen ,verstehe ich nicht.Sie würden doch viel mehr abkassieren.

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