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Mike Tyson: Der Tod ist einfacher als das Leben

Mike Tyson: Der Tod ist einfacher als das Leben

Auf dem Höhepunkt seiner Kariere galt Mike Tyson als der „böseste Mann des Planeten“. Das Boxen – so hat ‚Iron Mike‘ einmal in der „Welt am Sonntag“ gesagt – habe aus ihm einen schlechten Menschen gemacht.

Im Jahr 2005 hängte Tyson seine Boxhandschuhe an den Nagel. Vorausgegangen war eine Niederlage gegen einen krassen Außenseiter: der Ire Kevin McBride besiegte den amerikanischen Ex-Weltmeister vor 15.472 Zuschauern im MCI Center von Washington durch TKO 6. „Das war’s wohl. Ich glaube nicht, dass ich noch einmal kämpfen werde. Ich will den Boxsport nicht weiter diskreditieren und gegen Boxer solchen Kalibers verlieren“, hatte Tyson nach seiner Niederlage erklärt und später ergänzt: „Ich habe mich gefühlt wie 120!“

Und der Mann, der am 22. November 1986 nach einem KO-Sieg über WBC-Weltmeister Trevor Berbick im Alter von 20 Jahren zum jüngsten Weltmeister im Schwergewicht gekrönt worden war, hielt sein Versprechen: nie wieder bestritt Mike Tyson danach einen Boxkampf.

Mittlerweile ist Tyson 53 Jahre alt. Er saß wegen Vergewaltigung im Gefängnis, hat mehrere Scheidungen hinter sich, eine Insolvenz und ist – wenn man sich die vielen Zitate ansieht, die ihm zugeschrieben werden – kein dummer Mensch.

„Ich liebe Boxen. Alles andere ist so langweilig.” Kein Wunder, das Tyson nach dem Ende seiner Laufbahn in ein Loch fiel, ein bodenloses Loch, wie es scheint. „Ohne das Boxen bin ich nichts!“ hat Mike Tyson noch zu Beginn des Monats im YouTube-Podcast „Hotboxin’ with Mike Tyson“, den er mit Sugar Ray Leonard aufnahm, zugegeben.

 

Doch die Versuche, dem Boxsport außerhalb des Seilgevierts treu zu bleiben, verliefen im Sande. Die 2013 gegründete „Iron Mike Productions” stellte im selben Jahr ihren Betrieb ein. Mehr Erfolg hat ‚Iron Mike‘ mit der „Tyson Ranch“, einem 40 Hektar großen Anwesen 100 km nördlich von Los Angeles, das sich auf den Anbau von Cannabis spezialisiert hat.

Aber die Vergangenheit lässt Mike Tyson nicht zur Ruhe kommen. Während andere Champions länger im Ring stehen, als gut für sie ist, trägt Tyson seine Kämpfe mit sich selbst aus. Auch heute noch, 15 Jahre nach seinem Rücktritt.

„Ich wusste, dass die Möglichkeit besteht, dass ich während des Trainings, während eines Kampfes sterben könnte. Das wusste ich. Aber ich hatte keine Angst, weil ich dachte, wenn jemand sterben würde, dann wäre ich derjenige, der tötet. Dieses Selbstvertrauen war ein Überlebensmechanismus. Aber jetzt, aus meiner Erfahrung, aus dem, was ich glaube, je mehr ich weiß, dass es nicht existiert, desto eher bin ich bereit zu sterben.“ Worte, die Mike Tyson noch vor wenigen Tagen in einem Interview mit „The Sportsman“ von sich gegeben hat.

Ob sich Mike Tyson auf den Tod freue, wollte der Journalist wissen. Tysons Antwort: „Ja. Ich habe keine Angst davor. Das Leben könnte komplizierter für mich sein als zu sterben.“ Ein Leben, in dem der Boxsport nicht mehr so wichtig für Mike Tyson ist, wie Mike Tyson für den Boxsport. Erst Ende Februar wurde Mike Tyson zusammen mit Evander Holyfield und Lennox Lewis in Las Vegas von WBC-Präsident Mauricio Sulaiman geehrt: „Sie haben ein bisschen geredet, wir haben uns umarmt und jeder ging seiner Wege. Ich sehe niemanden (von früher). Ich bin die ganze Zeit bei meiner Frau! Ich bin bei meiner Familie. Diese Welt ist nicht mehr Teil meines Lebens. Ich bin jetzt mehr ein Familienmensch.“

Ausnahmsweise und weil ich ihn für Boxfans im Allgemeinen und für Mike Tyson-Fans im Besonderen für lesenswert halte, hier der Link zum Artikel im „The Sportsman“ (KLICK).

 

 

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