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Miguel Berchelt vs Miguel Roman – Die harte Schlacht am Rio Grande

Beitragsbild: WBC

Dieser Kampf wird kein lockeres Sparring, dass war vorher klar. Das es allerdings so eine Schlacht wird, ahnten wohl die wenigsten Fans, die vor Ort im „Don Haskins Convention Center“ El Paso oder weltweit an den Bildschirmen dabei waren. Die beiden Miguel lieferten sich einen Kampf im knallharten „Mexican Style“, wie er ungesünder kaum sein kann.

Das Resultat: Eine erfolgreiche WBC-Titelverteidigung im Superfedergewicht durch TKO 9, sagt auf den ersten Blick noch nicht viel. Man muss sich diesen Kampf schon mal ansehen, wenn man eine Ahnung davon bekommen will, wie verbissen manche mexikanischen Boxer fighten, wenn es vor eigenem Publikum richtig zur Sache geht.

Der texanische Veranstaltungsort El Paso liegt unmittelbar an der Grenze zu Mexiko. Der Ort grenzt unmittelbar an die mexikanische Stadt Ciudad Juarez, der Heimatstdt des Herausforderers Miguel Roman. Zwischen El Paso und Juarez fließt der Rio Grande, der die beiden Staaten trennt. Titelverteidiger Miguel Berchelt war aus Merida / Yucatan angereist. Ein Ort in Küstennähe am Golf von Mexiko, der etwa 2000 km entfernt liegt. Es ist wohl anzunehmen, dass die 13 000 Zuschauer fassende Halle in El Paso hauptsächlich mit Roman – Fans gefüllt war. Die Erwartungshaltung an Miguel Roman war groß.

Es gab in diesem Kampf nur eine Taktik, die beide Boxer gleichermaßen anwendeten: Angreifen, feuern was das Zeug hält und den Gegner am besten vorzeitig vernichten. Das das nicht gesund sein kann, weiss wohl jeder. Die erste Runde ging an Weltmeister Berchelt. In der zweiten gab es die Antwort von Roman. In den nächsten beiden Runden teilten beide schwer aus, kassierten aber auch reichlich. In der 5. sah man vielleicht beide als Rundengewinner. Danach wurde der Kampf zusehends härter. Es war genau der „Krieg“, den beide Boxer ihren Fans versprochen hatten.

In Runde 6 war Roman 3x am Boden, beim ersten mal war es noch ein stolpern, dann 2x durch Schlagwirkung. Roman wirkte wie völlig am Ende. Zu seinem Glück rettete ihn die Pausenglocke. Der Fight ging weiter. Sowohl Herausforderer Roman als auch Champ Berchelt teilten aus und kassierten weiter reichlich. Die Runden gingen allerdings fast alle an den Weltmeister, der den Herausforderer jetzt völlig im Griff hatte. Doch so ganz abgeschrieben war Roman noch nicht. Er bäumte sich immer wieder auf und blieb auf Angriffsmodus, obwohl er jetzt zunehmend mehr kassierete, als er noch austeilen konnte.

Roman wollte sich vor heimischem Publikum nicht geschlagen geben. Offenbar dachte auch seine Ecke so. Selbst in Runde 9 war Miguel Roman noch im Vorwärtsgang, kassierte aber von Berchelt immer mehr Kopftreffer. Es konnte einfach nicht mehr gesund sein. Roman gab und versuchte Alles, diese Runde für sich zu entscheiden. Das sah auch erst ganz gut aus, bis Berchelt anfing, zum Rundenende hin ganze Serien zum Kopf von Roman abzufeuern. Als Roman dann mit dem Rücken zu den Seilen stand und Berchelts Trommelfeuer auf ihn einprasselte, ging der Ref dazwischen, schloss seine Arme um Miguel Roman und nahm den tapferen Krieger stehend aus dem Kampf. Die einzig richtige, eigentlich überfällige Entscheidung. Der Respekt für Roman wäre bestimmt nicht kleiner geworden, wenn seine Ecke schon vorher das Handtuch geworfen hätte.

Roman hat es auch im 3. Anlauf nicht geschafft, Weltmeister zu werden. Dennoch hat er gezeigt, was für ein riesiges Kämpferherz er hat. Wer ihn nach diesem Kampf kritisiert, sollte erst einmal eine Meile in den Stiefeln gehen, die Miguel Roman am Samstag in El Paso getragen hat.

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1 Kommentar

  1. 5. November 2018 at 08:21 —

    Großartiger Fight!! Mexican Style pur!!

    Für Roman konnte es nicht mehr heißen, wie schaffe ich es, diesen Kampf noch zu drehen, sondern wie schaffe ich es, am besten zu sterben.
    So etwas wird man in Deutschland vergebens suchen!

    Mexican Style gehört urheberrechtlich geschützt und sollte in die Hall of Fame aufgenommen werden mit all den erfolgreichen und erfolglosen Kriegern, die diese Art Boxen perfektionierten und zelebrierten.

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