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McPhilbin gelingt Riesenüberraschung gegen Williams in schwachem Kampf mit dramatischem Ende

Ein wenig technischer Kampf um den britischen Cruisergewichtstitel zwischen Leon Williams und Shane McPhilbin fand ein hochdramatisches Ende in der zwölften Runde, das kein Hollywooddrehbuchautor besser hätte schreiben können, als der krasse Außenseiter McPhilbin, der über weite Strecken wie der klare Verlierer aussah, einen höchstunwahrscheinlichen KO-Sieg in der letzten Runde einfuhr. Während McPhilbin, der beinahe seine ganze Karriere im Schwergewicht verbracht hat, anfangs dank seiner Physis noch recht gut mithielt, kam der hoch favorisierte Williams in den mittleren Runden auf um sich einen großen Vorsprung heraus zu boxen und beinahe sicher auf der Siegerstraße zu sein.

Leon Williams sollte eigentlich seinen Titel, den er im letzten Oktober von Rob Norton gewonnen hatte, gegen den ungeschlagenen Briten Tony Conquest verteidigen, doch dieser musste kurzfristig aufgrund von Gürtelrose absagen. Shane McPhilbin, ein unbeschriebenes Blatt in der britischen Szene mit einem Kampfrekord von sieben Siegen und zwei Niederlagen, nahm den Kampf mit nur drei Wochen Vorbereitungszeit an, und ging als Opferlamm in den Titelkampf.

Der Kampf begann wild mit einem weit schwingenden Herausforderer und einem nicht viel kultivierteren Titelverteidiger. McPhilbin, der in dem Kampf die Chance seines Lebens sah, attackierte größtenteils ungeschickt, was zu einem unsauberen Kampf führte. Williams jedoch gelang es in der ersten Runde einen fast perfekten Treffer unterzubringen, der gleich zu einem Niederschlag führte. Eine brutale Overhand Right fällte McPhilbin 30 Sekunden vor dem Ende der Runde. Der Herausforderer war deutlich angeschlagen und überstand den Rest der Runde nur durch exzessives Clinchen. Dafür suchte er gleich in der zweiten Runde wieder sein Heil in der Offensive mit vielen weiten Schwingern, von denen nun auch einige durchkamen. Zwar schüttelte Williams am Ende der zweiten Runde McPhilbin erneut mit einer harten Rechten gut durch, doch insgesamt ging die Runde an den aktiveren und effektiveren McPhilbin.

Während Williams die dritte Runde für sich entschied, gestaltete sich die vierte eher ausgeglichen, bevor der Titelverteidiger sich auch die fünfte wieder sichern konnte. Der Kampf verkam allerdings weiter in ein unsauberes Gefecht mit vielen kleinen Fouls und wenigen ansehnlichen Aktionen. Es dauerte bis zur sechsten Runde, dass das Publikum wieder richtig in Stimmung gebracht wurde. Williams stellte McPhilbin an den Seilen und landete einen linken gefolgt von einer rechten Geraden. Der 26-jährige Herausforderer fiel beinahe rückwärts über die Seile, kippte danach aber nach vorne und berührte mit einer Hand den Ringboden, so dass der Ringrichter dies als Niederschlag wertete und McPhilbin anzählte. In der Wiederholung war jedoch deutlich zu erkennen, dass sich dabei die Beine von McPhilbin und Williams verhakt hatten, was zu dem Stolpern McPhilbins führte.

Shane McPhilbin, dessen sehr löchrige Deckung einige Schläge inzwischen durch ließ, machte nun zusehends weniger und wirkte von Runde zu Runde immer erschöpfter und müder. Williams war jetzt in allen Bereichen überlegen und gewann die Runden souverän, wenn auch nicht unbedingt ansehnlich. In der zehnten Runde schien die Angelegenheit dann nach Punkten komplett gegessen zu sein, da Ringrichter Marcus McDonnell Shane McPhilbins auch noch einen Punkt abzog, nachdem er diesen bereits ein paar Mal wegen seiner Fouls gewarnt hatte. Nur eine Runde später egalisierte McDonnell dies jedoch, als er Williams ebenfalls sanktionierte, nachdem dieser McPhilbins durch die Seile geschubst hatte.

Der Herausforderer kam zum Ende der elften Runde noch einmal ein wenig auf und konnte sich diese wohl auch noch sichern, auch wenn der Rückstand an Punkten wohl nicht mehr wett zu machen war. Es war jedoch ein klares Lebenszeichen des Mannes aus Bulwell, der das hoch dramatische Ende andeutete. Da McPhilbin seit etwa der siebten Runde aus dem letzten Loch gepfiffen hatte, war es beinahe unbemerkt geblieben, dass auch Williams inzwischen die Energiereserven ausgegangen waren. McPhilbin nutzte dies zu Anfang der zwölften und letzten Runde, als er bewies, dass er sich ein wenig Kraft noch für den Endspurt aufbewahrt hatte. Nur wenige Sekunden nach dem Gong zur Schlussrunde landete er eine Rechte hoch an Williams Schädel, die diesen überraschend zu Boden sacken ließ. Der Titelverteidiger stand relativ schnell wieder auf, doch McPhilbin hatte nun Lunte gerochen. Er setzte mit letzter Kraft und immensem Willen nach und erzielte mit einer Kombination kurz darauf den nächsten Niederschlag. Dieses Mal tat sich Williams schon deutlich schwerer wieder hoch zu finden, doch war bei Acht auch erneut auf den Beinen. Die Sensation war jedoch nun so nahe wie nie zuvor im Kampf, was auch McPhilbin deutlich spürte. Er versuchte alles um Williams ein drittes Mal auf die Bretter zu schicken und erzwang schließlich den Abbruch, als Williams nach einigen Kombinationen rücklings in die Seile stolperte. Der Ringrichter sprang dazwischen, brach den Kampf zwei Minuten vor Ende ab, und machte damit die wohl größte Sensation des bisherigen Boxjahres perfekt.

Wenige Momente später hielt ein hochemotionaler Shane McPhilbin den neu erworbenen britischen Cruisergewichtstitel stolz hoch und widmete später im Interview den Sieg seinem verstorbenen Vater. Für den 26-Jährigen ist der Sieg eine wahre Märchengeschichte, die nun ihre Fortsetzung in weiteren Titelverteidigungen finden soll. Leon Williams hingegen war schwer geschockt von der nicht für möglich gehaltenen Niederlage, die ihn seinen so hart erkämpften Gürtel kostete, und ihm seine vierte Niederlage im Kampfrekord bescherte.

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3 Kommentare

  1. Levent aus Rottweil
    14. Januar 2012 at 12:45 —

    Hört sich fast so an wie der Kampf von Rocky Balboa gegen Ivan Drago 😉

    So muss Boxen sein!

  2. Alonso Quijano
    14. Januar 2012 at 12:56 —

    Mal angenommen Huck gewinnt gegen AP wer bekommt dann seinen WBO Titel der Ola oder muss der gegen die Nummer 2 Im Ranking antreten????

    Und levent Rocky Balboa gegn Ivan Drago ist nur schlechte US Propaganda, “der gute ami besiegt den bössen russen”, haha das ich nicht lache

  3. Levent aus Rottweil
    14. Januar 2012 at 14:10 —

    Alonso Quijano Aus deinem Kommentar entnehme ich das du den Bericht oben “NICHT” gelesen hast da könnte ich sonstwas darauf verwetten… 😉

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